Garten

Abgrenzen mit Stil

Von Jörg Niendorf
© Flora Press, F.A.S.
Klassiker: Schmiedeeiserne Zäune sind beliebt, auch weil sie Pflanzen Rankhilfe bieten.

Hartmut Teske weiß, wie man sich abgrenzt, sein Anwesen vor fremden Blicken schützt und gegen ungebetene Gäste abschottet. Die Bollwerke, die der Berliner Landschaftsarchitekt entwirft, sind grün und natürlich, oft bestehen sie aus hohen Stauden, Sträuchern, Rankpflanzen oder Hecken. Holz, Draht oder Metall gehört meist auch dazu. Zäune, sagt Teske, seien nicht nur ein notwendiges Übel, weil man ein Grundstück einfrieden müsse. „Ein Garten ist ein Stück Privatsphäre, er braucht klare Abgrenzungen“, stellt der Fachmann klar. Teske rät zur Kür am Zaun: Zur Straße hin wie im rückwärtigen Teil des Grundstücks soll er etwas hermachen.

Die Nachfrage nach individuellen Zäunen steigt, das bestätigen viele Planer, Gartenbaubetriebe und auch Handwerker. Viele Hauseigentümer wollen keine Massenware wie dunkelgrünen Stahlmattenzaun, der ruck, zuck auf die Grundstücksgrenze gezogen wird. Dafür gibt es einfach zu viele schöne Materialien und Formen, um den Zaun in Szene zu setzen.

Die Landlust verhilft dem Holzzaun zu neuer Popularität

Zum Beispiel das Holz der Lärche. Das gilt als ziemlich wetterfest und steht unter den Holzliebhabern im Ruf, mit den Jahren seinen Charme erst richtig zu entfalten. Erst nimmt es bei Wind und Wetter einen matten Grauton an, dann schimmert es silbergrau. Genauso, durchaus ein wenig eigenwillig, glänzen die Stabhölzer am Zaun vor einer Villa in Berlin Nikolassee. Die hölzerne Reihe ist nicht einheitlich hoch, sie scheint auf und ab zu tänzeln.

Kugeln krönen ihre Pfosten - das Ganze ist sehr kunstvoll gemacht. Zudem wirkt der Zaun alterslos. Eigentlich steht er noch gar nicht so lange hier, trotzdem hat er Patina. Der Besitzer des großen Hauses und Grundstücks lobt den „schrammeligen Look“ seines Lärchenzauns. „Das muss man erst einmal hinbekommen“, sagt er.

Vor hundert Jahren, als das Haus erbaut wurde, war es seinen damaligen Eigentümern noch wichtig, dass ihr stolzes Anwesen von der Straße aus gut zu sehen war. „Man wollte gesehen werden“, sagt der Planer Teske. Heute ist das anders. Daher steht nun gleich hinter dem Holzzaun eine große blickdichte Eibenhecke Solch eine Zaunanlage hat allerdings ihren Preis. Für den würde man auch einen Mittelklassewagen bekommen.

Der Maschendrahtzaun ist besser als sein Ruf

Doch es geht auch bescheiden. Zum Beispiel mit dem seit einigen Jahren als spießig verpönten Maschendrahtzaun. Dabei ist er besser als sein Ruf. Maschendrahtzäune stehen, wie der Volksmund weiß, solange die Pfosten halten. Damit er gut aussieht, rät Teske, ihn einwachsen zu lassen, zum Beispiel, indem man Stauden pflanzt oder Kletterpflanzen. Dazu braucht es freilich Erfahrung und Pflege. Dann allerdings kann die Wirkung groß sein. Eine Clematis, die sich in die Zaunmaschen webt, sieht aus wie aus einem Garten-Bilderbuch.

Mit ähnlich einfachen Mitteln kommt eine andere Rankhilfe aus, die genauso als Zaun dienen kann: Das sind einfache Stahlträger, zwischen denen Drähte gespannt werden. An ihnen wachsen die Pflanzen empor, fertig ist der Zaun - und im besten Falle, also bei gärtnerischem Erfolg, gleichzeitig die bunte Inszenierung. All diese Lösungen sind schon für 50 bis 100 Euro je laufendem Meter zu haben.

Dabei muss es nicht einmal mehrere Sommer lang dauern, bis die Rankwand durchgehend bewachsen ist. Viele Pflanzen sind in Baumschulen schon in einer Größe zu kaufen, mit der sie rasch ihren Zweck als Sichtschutz erfüllen. Das Konzept eignet sich auch für Terrassen, dann verstärken meist Bretter aus hochwertigen Hölzern wie Robinie oder Lärche den Zaun. Beliebt sind zurzeit auch Metallpaneelen als Kontrast, die waagerecht eingebaut werden.

Blickdicht heißt nicht monoton

Zur Abgrenzung eines Grundstücks ist eine noch schlichtere Variante in Mode, die an Einfachheit nicht zu überbieten ist: In diesem Fall stehen hohe Stelen so eng beieinander, dass sich eine fast blickdichte Wand ergibt. So kann der Passant auf der Straße nur noch durch einen kleinen Abschnitt hindurchsehen, je nachdem, wo er steht. Für den Fall, dass ein Zaun vollkommen blickdicht sein soll, helfen große Bleche. „Gliedert man sie geschickt, wirkt das Ganze nicht brutal“, sagt Rafael Hohlfeld. Der Kunstschmied hat Blechwände dieser Art schon speziell für Bungalows aus den sechziger Jahren konstruiert.

Ein Klassiker ist der Zaun aus Schmiedeeisen. Solide und zugleich verspielt, ist er beliebt, auch weil er sich für Rankpflanzen eignet. In Gründerzeit und Jugendstil zierten ihn florale Motive. „Auch diese Zäune sind heute wieder gefragt“, berichtet Hohlfeld. Er fertigt mit seinem Berliner Betrieb aufwendige, neue Zaunanlagen nach alten Vorbildern. Da kostet ein Meter Zaun schon einmal 500 Euro.

Allerdings hat Hohlfeld auch eine einfache, aber edle Variante des Schmiedezauns entworfen, die auch vor moderne Stadthäuser passt. Der Zaun ist schnörkellos, die Streben verlaufen so, wie ein Kind einen Zaun malen würde, mit schmalen Streben, Pfosten, waagerechten Bändern. Hohlfeld kann ihn in Serie herstellen. Das senkt den Preis. So kostet ein Zaunmeter weniger als als 200 Euro.

Die Stakete für den Bauerngarten

Andere Wettbewerber bieten dagegen ihre „Schmiedezäune“ zu weit niedrigeren Preisen im Internet an, vielen dieser Importe, deren Serien blumige Namen wie „Mozart“ und „Royal“ tragen, merkt man ihre günstige Produktion allerdings an. Ganz auf Klarheit setzt indes das Kaufhaus Manufactum. Für den Garten hat es den „Hamburger Zaun“ im Angebot, ein simple Form eines Metallgitterzauns. Für stilbewusste Kunden gibt es dort auch Holzzäune.

Überhaupt, der gute, alte Lattenzaun. Unter dem Namen „Staketenzaun“ erlebt er so etwas wie einen Boom. Als Staketen bezeichnet man die meist schmalen Stäbe, die nur grob gespalten und aus naturbelassenem Kastanienholz sind. Sie haben die Latten abgelöst. Mehrere Drähte verbinden die Hölzer, mehr brauche dieser Zaun nicht, heißt es bei Manufactum oder auch auf dem Gründenhof nahe Baden-Baden. Dieser Öko-Landwirtschaftsbetrieb importiert die Kastanienholzzäune aus Frankreich und verkauft sie an deutsche Gartenbesitzer weiter. Sie passen zum „naturbelassenen Gärtnern“, sagt ein Mitarbeiter des Hofs. Man müsse sie nur aufstellen, aber nicht streichen oder besonders pflegen. Das hat zwar am Anfang noch eher den Charme eines nackten Weidezauns. Doch wenn erst einmal Blumen zwischen den Hölzern wachsen, blüht der Zaun förmlich. Dennoch macht er einen luftigen Eindruck, wie der „Lattenzaun mit Zwischenraum, hindurchzuschaun“ in dem Gedicht Christian Morgensterns.

Auch einem anderen Holzlattenzaun könnte seine zweite Karriere noch bevorstehen: dem Jägerzaun. Gartenarchitekt Teske jedenfalls lässt derzeit Zäune dieser Art bauen. Anders als das eher geduckt und gedrungen wirkende Original haben sie grazilere und längere Hölzer. In einem historischen Rosengarten, den Teske saniert, werden diese gekreuzten Zäune aus hellem Holz bald zu sehen sein. Die Anlage ist Teil der einstigen preußischen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem.

Quelle: F.A.S.
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