Trotz Brexit

Superreiche zieht es weiter nach London

 - 12:55

Der Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union mag bevorstehen und in der Hauptstadt London zu manchem Kopfzerbrechen führen. Auch am britischen Immobilienmarkt, der von der Hauptstadt London klar dominiert wird, war in den vergangenen Monaten eine gewisse Zurückhaltung der Anleger zu beobachten. Sorgen um die Attraktivität der Metropole an der Themse für die Superreichen dieser Welt muss sich in London laut einer Studie aber niemand machen. Der Immobilienmakler Knight Frank hat sie in Auftrag gegeben, und demnach ist in den kommenden zehn Jahren mit einer Steigerung der Zahl superreicher Londoner um 30 Prozent zu rechnen. Es sollen bis 2026 genau 6058 sein, wie aus der Studie hervorgeht.

Definiert werden diese Personen in der Studie durch ein Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar, was sie bei bedeutenden Vermögensverwaltern wie der UBS Group oder der Citigroup zu einer sehr umworbenen Zielgruppe macht. New York bleibt allerdings für die Superreichen die attraktivste Stadt, wie die von der Beratungsfirma New World Wealth aus Johannesburg im Auftrag von Knight Frank durchgeführte Studie überdies ergab.

Die Prognose für eine höhere Superreichen-Dichte in London dämpft jüngste Befürchtungen über eine sinkende Attraktivität der Stadt, ausgelöst von einem Einbruch der sogenannten Investoren-Visa um 80 Prozent im letzten Jahr. Im Jahr zuvor waren von den Behörden neue Kontrollen gegen die Geldwäsche eingeführt worden. Regierungsangaben zufolge sind im vergangenen Jahr nicht mehr als 215 derartige Visa ausgestellt worden.

Großbritannien ist bei Wohlhabenden beliebt

„Der bevorstehende Brexit-Prozess wird nicht zu einem niedrigeren Anteil extrem Wohlhabender in Großbritannien führen“, schrieb Studienleiter Andrew Amoils von New World Wealth. Es sei im Gegenteil mit dem Zuzug weiterer sogenannter High-Net-Worth-Personen zu rechnen. Wer als solche nach Großbritannien ziehe, betrachte das Land als dominierendes Zentrum der Finanzwirtschaft in Europa. Es sei zudem die einzige große englischsprachige Volkswirtschaft des Kontinents. Weiteres Ergebnis: Die traditionellen Beziehungen der Briten zu den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland werden sich nach dem Brexit wieder verstärken.

Die isolierte Betrachtung des Marktes für Luxusimmobilien lässt London laut der Studie allerdings auf einen schwachen 92. Rang abfallen. Die Preise sind demnach 2016 um 6,3 Prozent gesunken, was vornehmlich auf eine veränderte Besteuerung zurückzuführen war, hieß es von Knight Frank. Gegen Ende des Jahres stieg das Verkaufsvolumen aber wieder an, ebenso wie die generell positive Einschätzung des Londoner Immobilienmarktes. Für 2017 sei allerdings noch mit stagnierenden Luxusimmobilienpreisen zu rechnen, was London von anderen Weltmetropolen wie Schanghai und Sydney unterscheide, wo weiter anziehende Preise zu erwarten seien.

Auf der ganzen Welt wurde die Zahl der sehr reichen Personen im vergangenen Jahr auf 193.000 beziffert, und bis 2026 ist demnach mit mehr als 275.000 zu rechnen. Die höchsten Steigerungsraten wurden dabei in Schwellenländern wie Vietnam und Sri Lanka sowie in Indien und China ermittelt. Diese schnell wachsenden Volkswirtschaften wirkten sich in mehr Reichtum aus, hieß es in der Studie.

Nicht nur an Wohnungen und Villen interessiert

Nicht alle Weltregionen werden der Studie zufolge in den nächsten zehn Jahren eine zunehmende Zahl von Superreichen aufweisen. In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ist das Wachstum ins Stocken geraten. Einige Wohlhabende planten überdies, Europa zu verlassen. Als Grund wird in der Studie eine Kombination aus höheren Steuern und Sozialabgaben sowie der Abfluss von hochqualifizierten Arbeitsplätzen nach Asien genannt.

Die reichen Privatanleger sind allerdings keineswegs nur an Wohnungen und Villen interessiert. Wie Knight Frank berichtet, steckt etwa ein Viertel des Vermögens von Privatkunden in Gewerbeimmobilien, wobei Hauptwohnsitze und Zweitwohnungen herausgerechnet sind. Das Maklerhaus zieht aus der Studie den Schluss, dass die meisten Privatanleger beziehungsweise die sogenannten Family Offices, die das Immobiliengeschäft für einzelne Familien oder kleine Gruppen von Privatanlegern organisieren, den Anteil der Gewerbeimmobilien am Vermögen noch steigern wollen. Dabei blickt die Mehrheit nach Europa, und zwar vor allem nach Großbritannien. Trotz des Brexit-Votums zieht es die reichen Privatanleger weiterhin auf diesen Markt wegen seines großen Umfangs, der hohen verfügbaren Liquidität (die einen späteren Verkauf erleichtert) und der Vielzahl der Anlagemöglichkeiten. Gesucht werden meist Gewerbeimmobilien, die zwischen 20 und 50 Millionen Pfund kosten, umgerechnet 23 bis knapp 58 Millionen Euro.

Unter den Gewerbeimmobilien werden von diesem Anlegerkreis Büroimmobilien klar bevorzugt. Immer attraktiver werden allerdings Logistikimmobilien. Hierbei spielt die Überlegung eine Rolle, dass der zunehmende und immer schneller werdende Internethandel nach neuen innerstädtischen Logistikimmobilien verlangt, denen ein hohes langfristiges Renditepotential beigemessen wird.

Quelle: F.A.Z./pso./Bloomberg
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