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Schutz fürs Haus

Sonne, komm raus!

Von Anne-Christin Sievers
© Getty, F.A.S.

Wer dieser Tage durch die Neubauviertel der Republik fährt, dem bietet sich ein einheitliches Bild: Große offene Wohn-Esszimmer, breitflächig eingefasst von deckenhohen Glasscheiben – hell und durchlässig soll das moderne Zuhause sein. Der Trend in der Architektur zu mehr Transparenz hat aber eine Schattenseite: Glas leitet Wärme besonders gut. Durch verglaste Fronten und Fenster gelangen Sonnenstrahlen ungehindert nach innen und heizen solche Räume stark auf. So wird das Wohnzimmer moderner Neubauten mittags zum Treibhaus – besonders wenn die Terrasse nach Süden ausgerichtet ist.

Die beste Abhilfe schafft ein außen liegender Sonnenschutz – egal, ob Markisen, Fensterläden, Rollläden oder Raffstores, mit deren beweglichen Lamellen sich der Lichteinfall fein regulieren lässt. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) lässt sich die Sonneneinstrahlung so um bis zu 75 Prozent verringern, die Hitze gelangt erst gar nicht ins Haus. Mit einem innen liegenden Sonnenschutz sind es nur bis zu 25 Prozent. Besonders wirkungsvoll „ist ein heller, außenliegender Sonnenschutz, weil er das Licht reflektiert“, sagt Christoph Silber-Bonz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Rollladen und Sonnenschutz e. V. (BVRS).

Glücklich diejenigen, die hinter ihrem Haus unter hohen Laubbäumen sitzen können: In der warmen Jahreszeit werfen die dichten Kronen tiefen Schatten, im Winter lassen die kahl gewordenen Äste das Licht hindurchscheinen. Möchte man nicht erst Jahre auf einen natürlichen Schattenspender warten, kann man seine Holzpergola auf der Terrasse von Kletterpflanzen umranken lassen – zum Beispiel von Efeu, wildem Wein und Blauregen, die unter den kletternden Pflanzen besonders schnell wachsen.

Weiß, großzügig, passend zur Gartenmöbellandschaft

Wer keinen grünen Daumen hat, dem spenden Sonnenschirme, Markisen, Sonnensegel und Pergolen auf der Terrasse oder im Garten Schatten. Der handelsübliche Parasol stellt keine großen Ansprüche, dafür muss derjenige, der darunter liegt, ihn immer wieder verschieben, wenn die Sonne wandert. Außerdem nimmt sein oft hässlicher Plastikfuß zumindest auf dem Balkon wertvollen Stellplatz weg. Großflächigere Beschattung bieten da Markisen, auch wenn die klassischen, bunt geringelten Exemplare in Korbform manchmal etwas bieder daherkommen. Allerdings gibt es auch hochwertige Markisen in zeitgemäßen Ausführungen, mit klaren, eleganten Linien und in dezentem Weiß, Hell- oder Dunkelgrau.

Ein wenig altbacken: Die klassisch geringelten Markisen kennt man von Balkonien.
© dpa, F.A.S.

Während der Sonnenschirm zum Symbol für Massentourismus am Mittelmeerstrand geworden ist, verheißen Sonnensegel und Pergolen Exklusivität, Luxus und Weitläufigkeit (etwa vom italienischen Hersteller Pratic oder vom österreichischen Anbieter Sunsquare). Die meist weißen Tücher der Sonnensegel überspannen loungige Landschaften aus Gartenmöbeln. Alles wirkt lässig, leicht und großzügig. Auch moderne Pergolen, wahlweise mit schließbaren Lamellen, mit darunterliegenden Markisen oder aufgespannten Sonnensegeln ausgestattet, erinnern an den Urlaub auf der mallorquinischen Finca.

Es geht auch anders: Modernes Markisen-Exemplar in Beige
© Foto Markilux, F.A.S.

Outdoor Living sei beim Sonnenschutz gerade ein großes Trendthema, heißt es auch vom deutschen Hersteller für Sonnenschutzsysteme Warema. „Die Kunden möchten geschützt und komfortabel ihren Lebensraum nach draußen verlegen und möglichst viel Zeit unter freiem Himmel verbringen“, sagt Marion Fischer von Warema. „Wie der richtige Grill ist auch die hochwertige Markise dabei ein absolutes Must-have.“ Besonders gefragt seien zum Beispiel Pergola-Markisen, weil man damit viel größere Flächen abdecken kann. Das gilt auch für die Sonnensegel, ob rechteckig, dreieckig oder trapezförmig: Sie spenden aufgrund ihrer Größe – Kantenlängen von mehreren Metern sind eher Standard als Ausnahme – deutlich mehr Schatten als die meisten Sonnenschirme.

Bei Wind fahren die Markisen automatisch ein

Hochwertige Sonnensegel, Markisen und Co. sorgen nicht nur für ein kühles Plätzchen, darüber hinaus schützen sie die Haut vor schädlicher UV-Strahlung. „Beim Kauf sollte man auf den UVP-Wert des Stoffs achten“, rät Silber-Bonz. „Bei hochwertigen Produkten liegt der damit ausgedrückte UV-Schutz in der Regel zwischen 90 und 100 Prozent.“ Um sicherzugehen, dass die Sonnenschutztextilien UV-Strahlen ausreichend filtern, sollten Verbraucher darauf achten, dass sie nach UV Standard 801 gefertigt sind – das steht auf der Verpackung.

Auch der Trend zum „Smart Home“ macht beim Sonnenschutz nicht halt: Motorisierte Markisen und Sonnensegel mit Sensoren fahren bei Wind oder Regen automatisch ein, haben sich die Wolken verzogen, rollen sie wieder aus. Das erste bewahrt den Stoff vor Schmutz und Schäden, obwohl viele ohnehin mit abweisenden Beschichtungen versehen sind. Das zweite sorgt dafür, dass das Haus selbst dann vor Wärme geschützt ist, wenn die Besitzer nicht zu Hause sind. Moderne Sonnenschutzfenster verdunkeln oder trüben sich wie Brillengläser von selbst ein, wenn der Sonnensensor genügend Strahlen misst. Rollläden, Raffstores und Jalousien mit Zeitschaltuhr lassen sich so programmieren, dass sie morgens schließen und erst am Spätnachmittag wieder öffnen. Oder sie lassen sich von unterwegs mit Smartphone, Tablet oder Laptop steuern. Wer auf noch mehr technische Spielereien steht, der greift zu luxuriösen Markisen, in deren Kassetten Lampen, Heizstrahler oder Lautsprecher integriert sind.

Um Sonnensegel und Markisen an der Hausfassade anzubringen, sollte man einen Fachmann beauftragen – zumal dies gerade bei Passivhäusern oder gedämmten Wänden schwierig ist. Zum einen muss der Sonnenschutz befestigt werden, ohne durch die Verankerung ein Loch in der Fassade und damit eine Kältebrücke zu erzeugen. Zum Zweiten muss erst einmal eine feste Verbindung mit Spezialdübeln und Distanzplatten geschaffen werden, wenn auf dem Haus eine dicke Thermohülle klebt. Aus diesem Grund werden frei stehende Sonnensegel und Markisen ohne Verbindung zur Hauswand beliebter. Außerdem sollten Sonnensegel, Pergolen und Markisen auf der Terrasse und im Garten stabil und sicher befestigt sein – so überstehen sie auch Wind, Gewitter und Stürme unbeschadet.

Sonnenschutz vor dem Hausbau mit einplanen

In südlicheren Gefilden ist es durchaus üblich, den Sonnenschutz schon in den Entwurf des Gebäudes zu integrieren. So bringt man an der Fassade eines Hauses sogenannte Brise Soleil (wörtlich übersetzt „Sonnenbrecher“) an, feste Auskragungen aus Aluminium, Holz oder Kunststoff, die von Le Corbusier in die moderne Architektur übertragen wurden. Steht die Sonne hoch im Zenit, verschatten die Sonnenbrecher das Innere des Baus, ganz ohne den Blick nach draußen zu behindern. Auch in hiesigen Breitengraden werden Sonnenschutzsysteme angesichts von Klimawandel und Vorgaben zur Energieeffizienz oft schon von Anfang an beim Bau mitbedacht. Neben vorab eingeplanten Sonnenschutzsystemen lässt sich die Hitze im Haus durch ein solides Mauerwerk und eine gute Dämmung reduzieren – das spart auch im Winter Energie und Geld, da weniger Heizungswärme nach außen entweicht.

Nichtsdestotrotz trägt auch innenliegender Sonnenschutz dazu bei, dass die Temperaturen in Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer erträglich bleiben, zudem schützt er die Möbel vor dem Ausbleichen und sorgt als Blendschutz dafür, dass das Licht nicht bei der Arbeit am Computer stört. Hier eignen sich helle oder silberfarbene Vorhänge, Rollos, Jalousien oder Plissees. Doch nicht jedes Fenster benötigt denselben Sonnenschutz. Entscheidend ist die Himmelsrichtung. Das Arbeitszimmer an der Nordseite benötigt keinen, vielmehr empfehlen sich in dunklen, kühlen Räumen großformatige Fenster mit guten Dämmeigenschaften.

Anders sieht es aus bei Zimmern, deren Fenster nach Süden liegen und in denen sich die Bewohner tagsüber viel aufhalten. Hier ist ein dauerhafter, äußerer Sonnenschutz ratsam. Für Südfenster lohnen sich gegebenenfalls getönte oder beschichtete Sonnenschutzfenster, bei denen eine hauchdünne Metallschicht die Strahlen filtert. Sie halten bis zu 80 Prozent der Sonnenenergie davon ab, in die Wohnung einzudringen. Eine einfache, preisgünstige Alternative sind selbstklebende Reflexionsfolien, die man innen oder außen auf der Scheibe anbringt.

Welchen Schutz gegen die Strahlen man auch wählt – so gut gewappnet kann die Sonne ruhig kommen.

Quelle: F.A.S.
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