Illustration: Sylvia Neuner

Raus aus der Großstadt

Von KRISTINA PEZZEI und JUDITH LEMBKE

07.12.2017 · Die Wohnungskrise kennt auch Gewinner: Die Provinz will von den hohen Preisen in den Metropolen profitieren. Die Städte im Schatten bringen sich in Stellung – und wähnen den Zeitgeist auf ihrer Seite.

L ändlicher Raum: Auffangbecken der Abgehängten, wo der nächste Supermarkt weit, das Internet langsam und die Fünfzigjährige im Dorf die Jüngste ist? Es gibt auch eine andere Lesart: In der Provinz ist die Natur nah und die Nachbarschaft bekannt, sie schafft Identität und vermittelt Sicherheit in unruhigen Zeiten. Und, immer wichtiger: Fern der Großstädte können sich auch Durchschnittsfamilien noch ein eigenes Haus mit Garten leisten, von dem sie in Köln oder München noch träumen würden. „Wohnungsnot in den Metropolen? Schwindelerregende Hauspreise und eine Mietpreisbremse, die nicht funktioniert – na und?“ heißt es bei vielen Bürgermeistern auf dem Land, wenn man mit ihnen übers Wohnen spricht. „Bei uns ist doch Platz.“

„Es ist doch ein Irrsinn, dass in den Großstädten mit staatlichen Mitteln zu horrenden Preisen Grundstücke gekauft werden. Die werden dann mit teuren Wohnungen bebaut, die teuer vermietet werden, während bei uns die Häuser leerstehen“, ereifert sich Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena, einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets und spricht damit vielen seiner Kollegen aus der Seele. „Die hohen Preise sind doch unsere Chance, wieder mehr Einwohner zu gewinnen“, sagt er.

Jann Jakobs, Oberbürgermeister der Stadt Potsdam Foto: dpa

Auch der Oberbürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs, gleichzeitig Präsident des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg, ist überzeugt, dass die Provinz Gewinn aus der Krise in den Großstädten schlagen kann: „Wir müssen gezielt Wohnungssuchende aus dem wachsenden Berlin zu uns locken“, fordert er. Das Flächenland müsse versuchen, von den Problemen auf dem Wohnungsmarkt der Hauptstadt zu profitieren. Zum Beispiel könne Brandenburg damit punkten, dass es schneller Baugenehmigungen erteile als Berlin mit seiner notorisch langsamen Verwaltung. Nur die Verkehrsanbindung ins Zentrum, die müsse noch deutlich verbessert werden.

Dabei ist der ländliche Raum nicht nur als Schlafstatt für Pendler attraktiv. Gute Arbeitsplätze gibt es dank der starken Konjunktur oft auch dort. In manchen schrumpfenden Gegenden stehen nicht nur Häuser leer und sind Baugrundstücke zu Spottpreisen abzugeben, es herrscht auch Vollbeschäftigung. Selbst wenn die Gehälter in der Peripherie niedriger sind als in der Großstadt, gleichen alleine die geringeren Wohnkosten die Einkommensunterschiede oft mehr als aus, wie eine aktuelle Untersuchung des Forschungsinstituts Empirica über das Wohnen jenseits der Metropolen zeigt.

Trotzdem hat sich in vergangenen Jahren die Politik vor allem auf die Folgen des Wachstums in den Großstädten konzentriert. Bündnisse für bezahlbares Wohnen wurden geschmiedet, die Mietpreisbremse wurde eingeführt, über Immobilienspekulanten gewettert und überlegt, wie man die Baukosten senken könnte. Man hat nachverdichtet, Friedhöfe be- und Parkplätze überbaut, Brachen und Bäume mussten weichen, und trotzdem war das alles längst nicht genug, um den Preisauftrieb zu stoppen.

Illustration: Sylvia Neuner

Zudem lindern all diese kostspieligen Initiativen letztlich nur die Wachstumsschmerzen in einer überschaubaren Zahl an Städten. Auf der anderen Seite verstärken sie automatisch die Probleme in einem weit größeren Teil des Landes, in der Provinz, die häufig von Abwanderung bedroht ist. Dort, wo zusammengenommen mehr Menschen leben als in den Metropolen, freut man sich über jeden Neubürger, der vor den hohen Wohnkosten geflüchtet ist. Denn diese Binnenflüchtlinge zahlen Steuern, füllen Grundschulen und kaufen Eigenheime, deren Preise in den vergangenen Jahren mangels Nachfrage verfallen sind.

Zunehmend gerät der ländliche Raum als alternativer Wohnort zu den übervollen Groß- und Universitätsstädten in den Blick. Damit nicht gemeint sind die kleineren Gemeinden im Speckgürtel, wie Freising vor den Toren Münchens oder Falkensee am Rande von Berlin. Sie wachsen ohnehin oft schon stärker als ihre großen Nachbarn, weil sie deren hochpreisgeplagten Bewohnern als erste Zuflucht jenseits der Stadtgrenze dienen. Es geht um die Städte und Dörfer im Schatten, deren Namen der Großstädter nur von den Abfahrten an der Autobahn kennt. Wenn überhaupt. Bei genauem Hinsehen haben sie häufig nicht nur viel Natur und günstige Immobilien zu bieten, sondern auch eine gute Infrastruktur für Familien sowie engagierte Einwohner und Kommunalpolitiker, die sich dafür einsetzen, dass es sich in ihrer Heimat gut leben lässt. Diese Orte begreifen die hohen Preise in den Großstädten als Chance, um im Kampf gegen Überalterung und Abwanderung zu punkten. Viele hätten gern ein Stück der Aufmerksamkeit, die Politiker, Planer und die Medien den Großen zuteil werden lassen.

D och langsam wendet sich das Blatt. Als Reaktion auf den Druck in den Ballungszentren und auch auf das überdurchschnittlich gute Abschneiden der AfD in vielen abgelegenen Regionen wird die deutsche Provinz gerade zaghaft wiederentdeckt. „In jüngster Zeit ist in allen politischen Gruppierungen und Parteien ein neues Interesse für die Probleme des ländlichen Raumes spürbar, nachdem man sich jahrelang nur an urbanen Milieus ausgerichtet hat“, heißt es in der Empirica-Studie.

Diese Einschätzung teilen auch die Kommunalpolitiker vor Ort. „Es freut mich sehr, dass der ländliche Raum wieder mehr Beachtung findet“, sagt Ulrich Rolfsmeyer, Bürgermeister der Kleinstadt Hiddenhausen in Ostwestfalen, die sich in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen die Schrumpfung gestemmt hat. Jahrelang habe allein der Hype um die Großstädte die Debatte bestimmt. „Die Abwanderung in die Metropolen ist doch eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt, wenn jedem, der nicht in Berlin oder München wohnt, vermittelt wird, dass er irgendwie zurückgeblieben ist“, sagt Rolfsmeyer.

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen Foto: dpa

Auch der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), Axel Gedaschko, hält es keineswegs für ausgemacht, dass alle Deutschen automatisch in die Metropolen drängen. Die angesagten Großstädte mit Wohnraummangel bestimmten zwar in Deutschland noch die Diskussion. „In Wahrheit bevorzugt mit 45 Prozent ein Großteil unserer Bevölkerung das Wohnen in einer ländlichen Gemeinde“, sagt er. In der vergangenen Woche hat Gedaschko gemeinsam mit Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur einen Plan vorgestellt, wie diese Städte im Schatten die Wohnungsmärkte in den Ballungszentren entlasten könnten. Die beiden Verbandsvertreter forderten eine aktive Raumordnungspolitik, um zu verhindern, dass Deutschland in boomende Hotspots auf der einen und Regionen auf dem Abstellgleis auf der anderen Seite zerfalle. „Wir müssen über die Stadtgrenzen hinweg zusammen planen, denn allein in den großen Städten können die Herausforderungen nicht schnell genug für alle Wohnungssuchenden gelöst werden“, sagt Gedaschko. Die Politik solle mit gezielten Programmen „Ankerstädte“ fördern, anstatt wie bisher das Geld tröpfchenweise über den gesamten ländlichen Raum zu schütten, egal wie gut oder schlecht die Perspektive im Einzelfall sei. Denn Schrumpfung und Wachstum, gute Zukunftsaussichten und Hoffnungslosigkeit liegen oft dicht beieinander.


„In Wahrheit bevorzugt mit 45 Prozent ein Großteil unserer Bevölkerung das Wohnen in einer ländlichen Gemeinde.“
Axel Gedaschko, (GdW), Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft

Diese „Anker“ in der Provinz sind Klein- und Mittelstädte, denen es auch gegen den Trend im Kreis gelingt zu wachsen. Sie haben häufig ein attraktives lebendiges Zentrum, das die Menschen aus der Region anzieht. Zudem überzeugen sie mit guten Wirtschaftsdaten. Diese Städte müsse man gezielt fördern, indem man verhindere, dass der Ortskern zugunsten von Neubaugebieten am Rand ausblute. Sonst gleicht die Stadt einem Donut: Außen fett und innen nur Luft. Aber wer möchte auf Dauer an einem Ort wohnen, dessen Bewohner man nur im vorbeifahrenden Auto sichtet, weil es in der Mitte selbst nichts mehr gibt, wofür sich das Aussteigen lohnt?

Mit einem renovierten Stadtkern allein ist es freilich nicht getan, um mehr Menschen das Wohnen auf dem Land schmackhaft zu machen. Vor allem, da sind sich die Forscher einig, müssten die Wege kürzer und schneller werden – sowohl analog als auch digital. Eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ist ebenso notwendig wie schnelleres Internet. Denn bisher gilt meist: Fix in der Stadt, lahm auf dem Land. „Durch bessere öffentliche Verkehrsverbindungen und eine Attraktivierung des Wohnumfelds in schrumpfenden Städten könnten Ausweichquartiere für zahlreiche Menschen geschaffen werden“, ist auch der Immobilienökonom Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln überzeugt. Auch für ihn bilden Infrastruktur und Erreichbarkeit wichtige Standortfaktoren – aber nicht nur: Denn schnelles Internet sei eine gute Grundlage, um manche Pendelfahrt überflüssig zu machen. Auch Verbandspräsident Gedaschko ist sicher, dass Breitbandversorgung für ländliche Gegenden eine Schlüsselrolle spielt. „Eigentlich ist Digitalisierung für sie die Chance, wieder zu erstarken“, sagt Gedaschko. Denn wer seine Arbeitszeit überwiegend im Home Office verbringt, für den ist es nicht wichtig, ob er in dreißig oder sechzig Minuten Fahrzeit bei seinem Arbeitgeber ist. Ob er zum Download einer Datei jedoch zwei Minuten oder zwei Sekunden braucht, kann für die Wohnortwahl entscheidend sein.

Illustration: Sylvia Neuner

„Als wir ein neues Baugebiet eröffnet haben, hat der erste Käufer von außerhalb nicht zuerst nach dem Preis, sondern nach der Qualität der Internetverbindung gefragt“, erinnert sich Frank Klapperich, Bürgermeister des Örtchens Spessart in der Eifel. Spessart hat Glück: Es liegt direkt an der Datenautobahn und kann mit superschnellem Internet von 100 Mbit/s punkten. Das lockt Heimarbeiter und Gewerbetreibende an.

Trotzdem machen sich weder Klapperich noch seine Kollegen Illusionen: Wem es wichtig ist, jede Woche ins Theater zu gehen und spontan zwischen fünf angesagten Restaurants in Laufweite wählen zu können, den können weder schnelles Internet noch niedrige Hauspreise in die Provinz locken. Wer sich allerdings ohnehin ein Stück weit von der Alltagshektik verabschieden möchte und nicht das Gefühl hat, fern der Metropolen Lebensqualität einzubüßen, für den lohnt sich womöglich ein Blick über den Speckgürtel hinaus.

Nicht nur Forscher schreiben der Provinz mit ihren engeren sozialen Bindungen, der Heimatverbundenheit und der Naturnähe Qualitäten zu, die Metropolen nicht bieten können. Auch die Kommunalpolitiker bemerken einen Wandel. „Wenn ich mit Zugezogenen spreche, habe ich das Gefühl, dass wieder mehr Menschen die Überschaubarkeit schätzen, die der ländliche Raum bietet“, sagt Bürgermeister Rolfsmeyer aus Hiddenhausen.


„Wenn ich mit Zugezogenen spreche, habe ich das Gefühl, dass wieder mehr Menschen die Überschaubarkeit schätzen, die der ländliche Raum bietet“
Ulrich Rolfsmeyer, Bürgermeister von Hiddenhausen

Gerd Landsberg, Hauptgeschüftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Foto: dpa

Gerade junge Familien suchten wieder mehr nach der Sicherheit, die ein eigenes Haus biete und ein Umfeld, in dem auch die Nachbarn mal einen Blick auf die Kinder werfen. Rolfsmeyer macht für diese Entwicklung die immer höhere Taktung des Lebens verantwortlich, die viele Menschen verunsichere. Der Rückzug auf die eigene Scholle als Reaktion auf die Unwägbarkeiten von Globalisierung und Digitalisierung?

Mit dieser Analyse ist er nicht allein. Auch Gerd Landsberg, als Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sozusagen Cheflobbyist der deutschen Provinz, antwortet auf die Frage, wie er sich der ländlichen Raum 2030 vorstelle: „Gerade weil die Menschen vor den Herausforderungen der Globalisierung und den neuen Anforderungen der Informationsgesellschaft auch Ängste entwickeln, wird die Sehnsucht nach dem überschaubaren Raum, in dem ich mich geborgen fühle und im Einklang mit der Natur leben kann, eher zunehmen.“

Ganz so optimistisch blickt Andreas Hollstein nicht in die Zukunft. „Ich freue mich schon, wenn der ländliche Raum wieder etwas mehr wertgeschätzt wird“, sagt der Bürgermeister von Altena.


Ganz schön provinziell!

Städte und Gemeinden, die abseits der Ballungszentren wachsen, haben in der Regel meist mehr zu bieten als günstige Immobilienpreise und Natur. Wir haben uns im Land umgehört.

HiddenhausenFoto: Picture-AllianceFamilienfreundliche StadtAugustusburgFoto: Picture-AllianceLandleben 2.0Landkreis SchweinfurtFoto: Thomas Robbin/Imagebroker RM/F1oLeben in historischen GemäuernSuhlFoto: dpaErholungsort und ArbeitsplatzFreienseenFoto: Thünen-InstitutSelbst ist das DorfAltenaFoto: ddp ImagesZentrumsflair und schnell im PottSpessart, EifelFoto: Thünen-InstitutNatur an der Datenautobahn
Karte: F.A.Z.
Foto: Picture-AllianceHiddenhausen: Familienfreundliche StadtFoto: Picture-AllianceAugustusburg: Landleben 2.0Foto: Thomas Robbin/Imagebroker RM/F1oLandkreis Schweinfurt: Leben in historischen GemäuernFoto: dpaSuhl: Erholungsort und ArbeitsplatzFoto: Thünen-InstitutFreienseen: Selbst ist das DorfFoto: ddp ImagesAltena: Zentrumsflair und schnell im PottFoto: Thünen-InstitutSpessart, Eifel: Natur an der Datenautobahn
Karte: F.A.Z.

Freienseen: Selbst ist das Dorf

Freiensen in Hessen Foto: Thünen-Institut

Unser Dorf im Hohen Vogelsberg ist genau richtig für alle, die ihren Lebensraum selbst gestalten wollen. Das ist hier viel einfacher als in der Großstadt, und jeder ist eingeladen, sich einzubringen. Als die Grundschule geschlossen wurde, haben wir selbst eine gegründet und die evangelische Kirche als Träger gefunden. Wir haben einen Waldkindergarten und eine Krabbelgruppe. Und natürlich die Dorfschmiede, auf die wir besonders stolz sind: ein Treffpunkt für alle Generationen, mit Tagespflege für die Älteren, einem Dorfladen und einem Raum für Kultur. Auch die Dorfschmiede wird vor allem von den Bürgern getragen. In Freienseen leben nur 850 Einwohner, aber wir haben hier alles, was man braucht – außer einer Sparkasse. Wer in einen der vielen Vereine eintritt, der ist sofort mit dabei. Ob Singen, Turnen, freiwillige Feuerwehr oder Dorfverschönerung – wir haben eine große Auswahl an Aktivitäten. Mittlerweile ist die Schrumpfung gestoppt, weil Menschen herziehen, die sich engagieren wollen, die Leerstände sind abgebaut. Viele Einwohner pendeln ins etwa 70 Kilometer entfernte Frankfurt. Damit unser Dorf nicht verödet, weisen wir zuerst Bauplätze im Zentrum aus. Wer hierherzieht, der ist sofort mittendrin!
Hermann Hermannski, Ortsvorsteher


Hiddenhausen: Familienfreundliche Stadt

Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen Foto: dpa

Eine gute Infrastruktur für Familien ist der Schlüssel für die Zukunft. Hiddenhausen besteht aus sechs Dörfern, jedes hat ein bis zwei Kindergärten, und jedes hat eine eigene Grundschule mit offenem Ganztagsangebot, das wir auch immer mehr ausbauen. Da haben wir vielen Großstädten etwas voraus. Auch im ländlichen Raum wie bei uns in Ostwestfalen arbeiten immer häufiger beide Eltern, für die wir ein Angebot schaffen wollen. Auch wir sind bis vor einigen Jahren geschrumpft, immer mehr ältere Häuser im Ortszentrum blieben leer. Um junge Familien nach Hiddenhausen zu locken oder hier zu halten, haben wir vor elf Jahren das Programm „Jung kauft Alt“ aufgelegt: Wir fördern als Kommune Käufer einer mindestens 25 Jahre alten Immobilie mit bis zu 9000 Euro, abhängig von der Zahl der Kinder. Außerdem zahlen wir ein Immobiliengutachten. Das Programm ist erfolgreich, es wurde häufig kopiert. Die Schrumpfung hat es gestoppt, in den Häusern wohnen mehr als 500 Kinder. Ich habe das Gefühl, dass auch junge Menschen wieder mehr die Sicherheit schätzen, die ein eigenes Haus und eine intakte Nachbarschaft vermitteln. Gut angebunden sind wir auch: Wir haben einen eigenen Bahnhof, und die Autobahnen A 2 und A 30 sind direkt um die Ecke.
Ulrich Rolfsmeyer, Bürgermeister


Suhl: Erholungsort und Arbeitsplatz

Suhl in Thüringen Foto: dpa

Wohnen, wo andere Urlaub machen, und trotzdem kaum mehr als eine halbe Stunde vom Ballungsraum entfernt leben, das gibt es bei uns in der kreisfreien Stadt Suhl. Unsere Stadt am Fuß des Thüringer Walds bietet Naturerlebnisse und Sportmöglichkeiten, und das täglich. Mountainbiken zum Feierabend, im Winter eine Loipenrunde vor der Arbeit oder der Trailrun auf den Hausberg – bei uns gehört das gratis zur Lebensqualität. Praktisch alle Wohnlagen liegen im Grünen, zwei Drittel der Stadtfläche sind Waldgebiet. Suhl ist unmittelbar an die A 71 und A 73 angebunden, die Regionalbahnverbindung zum ICE-Knoten Erfurt unterstreicht unsere Zentrumslage in Deutschland. Unbedingt pendeln muss man aber gar nicht: In Deutschlands größtem staatlich anerkannten Erholungsort gibt es auch qualifizierte Arbeitsplätze bei niedriger Arbeitslosigkeit. Die Stadt ist als regionales Dienstleistungs- und Einzelhandelszentrum etabliert. Dass ausreichend Kinderbetreuungsplätze für verschiedene Ansprüche vorhanden sind, versteht sich von selbst.
Jens Triebel, Oberbürgermeister


Altena: Zentrumsflair und schnell im Pott

Altena Foto: ddp Images

Wir liegen im Umkreis vom östlichen Ruhrgebiet, und wir bemerken: Die Hauskäufer kommen vermehrt von außerhalb. Ein paar mehr dürfen es ruhig noch werden. Bei uns gibt es noch Einfamilienhausgrundstücke zu relativ günstigen Preisen, und angesichts unserer doch älter werdenden Bevölkerung werden in den kommenden Jahren weitere Objekte hinzukommen. Mancher Verkäufer hätte sicher gern den einen oder anderen Euro mehr für sein Eigenheim, wir denken: Besser neu bewohnt als leerstehend. Auch das Mietniveau liegt bei uns wirklich niedrig, bei gleichzeitig hoher Lebensqualität: Dank des Erlebnisaufzugs von der Innenstadt hoch zur Burg ist das Zentrum wieder erwacht, Läden und Bewohner sind zurückgekehrt. Die innerstädtischen Wege sind kurz. Altena liegt mitten im Märkischen Kreis. Es gibt eine Direktverbindung etwa nach Essen und einen gut ausgebauten Schnellbusverkehr. Kommen Sie doch zu uns!
Roland Balkenhol, Bauamtsleiter


Schweinfurter Land: Leben in historischen Gemäuern

Schweinfurter Land in Bayern Foto: Thomas Robbin/Imagebroker

Wer bei uns lebt, der muss nicht in einer Einfamilienhauswüste am zersiedelten Ortsrand leben. Wir unterstützen alle, die sich für leerstehende und historische Gebäude in den Dorfzentren interessieren. Wir beraten vom ersten Gutachten bis zum Einzug, fördern ideell und finanziell und lassen neue Einwohner gleich mitten in der Gemeinde ankommen. Unsere Strategie zur Innenentwicklung ist mehrfach preisgekrönt. Und das heißt eben nicht nur, dass es sich idyllisch leben lässt in annehmbarer Distanz zum Arbeitsplatz, sondern auch, dass Vereine sich um die Integration von Zuzüglern kümmern und mit Festen und Aktionen das Dorfleben gepflegt wird. Unsere Ortskerne können sich sehen lassen: 29 Gemeinden im Schweinfurter Land zwischen den Wirtschaftszentren Schweinfurt und Würzburg, selbst der Großraum Frankfurt am Main, liegen noch in Fahrweite. Die Bahnstrecke von Bamberg nach Frankfurt führt durch unsere Region, den Rest erschließen wir mit Bussen und arbeiten daran, den Verkehrsverbund Mainfranken auszudehnen. Gut möglich, dass Zuzügler von einer unserer Gemeinden aus genauso schnell am Arbeitsplatz sind wie vorher. Nur macht Nachhausekommen mehr Spaß.
Florian Töpper, Landrat des Kreises Schweinfurter Land


Augustusburg: Landleben 2.0

Augustusburg in Sachsen Foto: dpa

Bei uns fragen die Familien in der Regel per Whatsapp an, ob Häuser und Wohnungen frei werden – die Digitalisierung ist längst im Alltag verankert. Unter dem Motto #diStadt wandeln wir Augustusburg zur digitalen, zukunftsgewandten Gemeinde: Mit einem Co-Working-Haus im historischen Lehngericht, freiem W-Lan im Stadtgebiet und Glasfaserkabel, das wir selbst verlegen. Chemnitz ist zwar nur 15 Kilometer entfernt, doch wer keine Lust mehr auf tägliches Pendeln hat, kann von Augustusburg aus arbeiten. Die Voraussetzung dafür bieten wir jedenfalls. Unsere Innenstadt ist klein, aber wunderbar restauriert und als begehrtes Ziel für Tagestouristen bekannt. Gleichzeitig liegen wir auf einem Bergrücken – gute Luft und Ruhe gibt es gratis zu den ohnehin niedrigen Immobilienpreisen hinzu. Als Gemeinde vermitteln wir beim Erwerb leerstehender Häuser und unterstützen mit Rat und Tat beim Umbau, denn wir freuen uns über Interessenten für die historischen, zentralen Häuser. Wenn ein Haus zum Verkauf oder zur Versteigerung steht, bemühen wir uns um den Zuschlag, damit wir mitreden können, was mit dem Gebäude geschehen soll. Ein kleines Einfamilienhausgebiet direkt anschließend ans Zentrum wollen wir nun auch wieder ausweisen, ein bisschen Wachstum darf durchaus sein.
Dirk Neubauer, Bürgermeister


Spessart, Eifel: Natur an der Datenautobahn

Spessart in Rheinland Pfalz Foto: Thünen-Institut

Die hohen Immobilienpreise in den Großstädten sind für uns eine Chance! Bei uns bekommt man Bauland für 45 Euro je Quadratmeter, plus Erschließung zahlt man 65 Euro. Von solchen Preisen kann man zum Beispiel in Bonn oder Koblenz, wo man in einer halben Stunde mit dem Auto ist, nur träumen. Dafür wohnt man in Spessart total ruhig, denn der Ort ist eine Sackgasse. Das wird zwar manchmal belächelt, aber die Kinder können auf der Straße Roller fahren. Innerhalb von drei Kilometern erreicht man alles, was man im Alltag braucht, wie Arztpraxis und Supermarkt. Etwa 520 Einwohner leben in Spessart selbst, mit den drei eingemeindeten Ortsteilen sind es 767. Wir wachsen gegen den Trend im Kreis, Leerstand gibt es bei uns nicht, aber noch etliche freie Baugrundstücke. Bei uns ist man nicht nur schnell auf der A 61, sondern auch direkt auf der Datenautobahn. Wir haben superschnelles Internet, denn als vor Jahren das Glasfaserkabel zwischen Köln und Frankfurt verlegt wurde, hat es jemand gut mit uns gemeint und einen Abzweig für Spessart gelegt. Deswegen ziehen auch Leute gerne her, die im Home Office arbeiten – die Frage nach der Qualität der Internetverbindung ist oft die erste, die potentielle Zuzügler stellen. Dank der Breitbandversorgung boomt auch unser Gewerbegebiet – wir haben zahlreiche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze direkt im Ort. Allerdings darf man keinen hochglanzpolierten Ort erwarten, die Dorferneuerung wurde lange vernachlässigt. Aber das gehen wir jetzt an, wir sind Schwerpunktgemeinde und werden bevorzugt behandelt. Wer jetzt kommt, der kann noch mitgestalten, wie Spessart in Zukunft aussieht!
Frank Klapperich, Bürgermeister

Quelle: F.A.S.