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Hochzeitsgeschenke

Das kommt uns nicht auf den Tisch!

Von Nadine Oberhuber
 - 07:38
Was schenkt man dem Brautpaar zum wichtigsten Tag des Lebens? Bild: StockFood, F.A.S.

Ehepaare und Bratpfannen – wer daran denkt, dem kommen skurrile Szenen in den Sinn. Eher abwegig dagegen ist der Gedanke an ein strahlendes Hochzeitspaar, das sich unbändig über eine Pfanne freut. Vor Jahren war das noch anders, da galten Bratpfannen, Marmeladenschalen und – allen Ernstes – Hausschürzen als „Sehnsuchtstraum jeder Braut“. Das ist zumindest das, was Frauenzeitschriften noch 1955 zur Standard-Aussteuer erklärten. Und auch lange Jahre danach ließen sich junge Frauen zur Hochzeit allerlei Tisch- und Bettwaren und Dinge für den Hausrat schenken. Die Braut brachte die Aussteuer mit, so war es der Brauch, während Männer ihre eigene Ausbildung zur gemeinsamen Zukunft beisteuerten.

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Aber die Geschmäcker und Gepflogenheiten ändern sich, auch bei den Hochzeitsgeschenken. So wurden aus den Pfannen vielteilige Topfsets, man schenkt Tafelgeschirr und Besteck. Auch silberne Kerzenständer und Servierplatten zählten zu beliebten Hochzeitsgaben, wenn man Ratgebern und Designplattformen im Internet glauben darf. Wenn zwei sich heiraten, „sind Haushaltsgegenstände immer willkommen“, sagen sie. Aber ist all das wirklich noch gewollt?

Gleich ein Geschirr für zwölf Personen?

Ja, das komplette Kaffee- oder Essservice steht immer noch ganz oben auf der Liste der Geschenkewünsche, also auf den Hochzeitstischen, die sich Paare zusammenstellen, heißt es bei der Warenhauskette Galeria Kaufhof. Platz zwei der Liste belegt demnach das Besteckset, auf Platz drei folgt die Espressomaschine. Etwas abgeschlagen, tauchen auch Bettwäsche, Handtücher und Multifunktions-Küchenmaschinen auf solchen Tischen auf. Teures Porzellan ist aber mit Abstand am gefragtesten, bestätigt Christine Walter, die für den Fachhändler Weitz die Abteilung Online-Hochzeitstische betreut: „Es gibt tatsächlich viele, die sich teures Geschirr und Gläser auf die Wunschliste setzen. Es ist häufig das klassische und hochpreisige Markenservice, das man noch viele Jahre nachkaufen kann.“

Denn nur noch wenige Paare wünschen sich gleich ein Geschirr für zwölf Personen – und wenn, dann raten Hochzeitstisch-Experten wie Christine Walter sogar davon ab: „Weil die Gefahr groß ist, dass viele Teile von den Hochzeitstischen nicht abverkauft werden und das Paar am Ende nur Stückwerk zusammenbekommt statt ein komplettes Service.“ Deswegen fangen die meisten erst einmal mit dem vier- oder sechsteiligen Set an – in der Hoffnung, es später zu vervollständigen. Um den möglichen Nachschub sicherzustellen, wählen viele Paare klassische Porzellanmarken wie KPM, Royal Kopenhagen, Rosenthal oder Villeroy&Boch. Und um die Haltbarkeit des Essgeschirrs zu gewährleisten – zumindest in geschmacklicher Hinsicht –, setzen sie auf Purismus, das zeigt sich nicht nur auf Wohnmessen, sondern auch auf den Hochzeitslisten von Internetanbietern: Den meisten kommt schlichtes Design auf den Tisch, die unangefochtene Lieblingsfarbe ist dabei Weiß.

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Allerdings: Das alles gilt lediglich für diejenigen Paare, die überhaupt Hochzeitstische zusammenstellen, einerlei, ob sie das im realen Geschäft tun oder ihre Wunschliste virtuell im Netz veröffentlichen. „Das ist aber total aus der Mode gekommen, Hochzeitstische gibt es kaum noch“, beobachtet Hochzeitsplanerin Nadja Dotzauer von der Agentur Traumhochzeit: „Die meisten Paare leben schon seit vier bis sechs Jahren zusammen. Wenn die heiraten, haben sie bereits einen kompletten Hausstand.“ Die weit überwiegende Mehrheit lässt sich daher am liebsten gar keinen Hausrat mehr schenken, schon gar nicht für Herd oder Tisch.

Auf ihren Einladungskarten raten sie auch charmant davon ab, trotzdem über Kerzenständer oder Servierplatten nachzudenken: „Seit wir zusammenwohnen, haben wir eigentlich alles – und das meiste sogar doppelt“, heißt es dann etwa. Kein Wunder, denn im Schnitt, so belegt die Statistik, gründet knapp jedes zweite Liebespaar schon im ersten Beziehungsjahr einen gemeinsamen Haushalt, noch einmal 20 Prozent ziehen im zweiten Jahr der Partnerschaft in eine Wohnung. Bei der Hochzeit leben bereits 83 Prozent der Heiratenden zusammen. Haushaltswaren wie Geschirr und Topfsets werden deshalb schon viel früher angeschafft. Noch viel dringender als bei der Hochzeit werden sie aber gebraucht, wenn in einer Beziehung viel Porzellan zerschlagen worden ist, bei der Scheidung. Deshalb richten findige Läden wie die britische Kaufhauskette Debenhams jetzt Scheidungstische ein – und das Geschäft läuft gut.

Zudem hat der Wohntrend zu Küche und Kochen dazu geführt, dass längst nicht alle dauerhaft nur von günstigsten Tellern essen. Zumindest belegen das die Zahlen des Fachhandelsverbands für Koch- und Tischkultur (GPK): Demnach haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr stolze 6,4 Milliarden Euro für Tisch- und Herdutensilien ausgegeben. Allein für gutes Geschirr gaben sie im inländischen Fachhandel 5 Prozent mehr aus als zuvor. Für Besteck allerdings 10 Prozent weniger.

Die größten Steigerungsraten aber legten zuletzt Messersets und Küchenmaschinen hin, „denn die Kunden kochen aktiv“, sagt GPK-Vizepräsident Hermann Hutter, und das lassen sie sich gern etwas kosten. Um 20 beziehungsweise 30 Prozent legten die Umsätze mit Messern und Mixern zu. Auch Grillgeräte gehen gut weg. Wenn überhaupt, dann sollten Hochzeitsgäste also eher in diese Richtung denken. Der Boom bei den Espressomaschinen dagegen scheint erst einmal vorbei.

Geld zu schenken klingt unromantisch, ist aber praktisch

Eine noch größere Freude könnte man den Brautpaaren allerdings mit etwas ganz anderem machen, sagt Hochzeitsplanerin Nadja Dotzauer: „Mit Geld, ganz banal.“ Der Wunsch nach schnöden Scheinen steht laut einer Forsa-Umfrage ganz weit oben auf der Geschenkeliste, und zwar mit überwältigendem Vorsprung: Demnach sagen 72 Prozent aller Hochzeitspaare, dass sie sich „am meisten“ über Geldgeschenke freuen. Die nehmen sie gerne als Beitrag zur Feier, denn inzwischen legen viele Paare dafür weit mehr als 5000 Euro auf den Tisch. „Eine Hochzeit heute kostet rund das Zehnfache im Vergleich zum Fest vor zehn Jahren“, beobachtet Planerin Dotzauer. Oder sie nehmen es als Zuschuss für die Flitterwochen oder erfüllen sich davon große und kleine Extrawünsche, die noch offen sind.

Geld zu schenken klingt unromantisch, ist aber praktisch. So muss sich niemand mehr Gedanken machen, weder Hochzeitspaare noch Gäste. Die einen müssen nicht überlegen, mit wie vielen Esstellern sie wohl den Geschenketisch bestücken sollen, damit das Service am Ende komplett ist. Und die anderen müssen sich nicht durchs Internet klicken und grübeln, ob sie nun die Butterdose wählen sollen oder doch die Grillpfanne.

Quelle: F.A.S.
Nadine Oberhuber
Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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