Innogy-Kommentar

Rivalen werden Partner

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
 - 17:10

RWE und Eon stellen die Verhältnisse auf dem deutschen Strommarkt auf den Kopf. Unter dem Druck der Energiewende werden alte Rivalen zu Partnern. Die zwei Stromriesen organisieren gemeinsam eine neue Arbeitsteilung, sogar eigentumsrechtlich wachsen die beiden Konzerne zusammen: Wenn es so kommt, wie es die Vorstände ausgehandelt und die Aufsichtsräte an diesem Sonntag besprochen haben, wird RWE zum größten Einzelaktionär des ehemaligen Konkurrenten.

Die erst 2016 abgespaltene RWE-Tochtergesellschaft Innogy war ein kurzes Intermezzo. Durch ihren Verkauf an Eon entsteht eine neue Ordnung in der Branche. In einer komplizierten Transaktion landen die Energienetze und der Stromvertrieb bei Eon, der Mutterkonzern behält das Geschäft mit Wind- und Sonnenstrom und bekommt zusätzlich die deutlich größere Eon-Ökostromsparte.

Eins fehlt noch

Im Ergebnis wird Eon, einst stolzer größer Energieproduzent in Deutschland und Nummer zwei in Europa, bald völlig ohne eigene Stromerzeugung dastehen. Denn die Gas- und Kohlemeiler hatte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen bereits in die abgespaltene Kraftwerksgesellschaft Uniper ausgelagert – und den verbliebenen Minderheitsanteil an den finnischen Konzern Fortum verkauft. Elektrizität erzeugen wird Eon nach dem Deal mit RWE nur noch aus seinen verbliebenen drei Kernkraftwerken, die bis 2022 vom Netz gehen.

Der Stromriese muss sein Geld in Zukunft mit dem Vertrieb und vor allem dem Netz verdienen, das für rund vier Fünftel seiner Erträge stehen wird. Teyssen hat sich für den risikolosen Weg entschieden. Die Renditen aus dem Netz sind gedeckelt, aber die staatliche Regulierung sorgt für verlässliche Einnahmen. RWE konzentriert sich vollständig auf die Stromerzeugung: aus Atomkraft, Braun- und Steinkohle, Gas und in Zukunft zunehmend aus erneuerbaren Energien.

Das Kalkül ist klar: Die Tage der Atomkraft sind gezählt, auch Braun- und Steinkohle haben keine Zukunft. Der Ausbau der Erneuerbaren soll ausgleichen, was in der konventionellen Erzeugung weg fällt. Für eine Grundabsicherung sorgen in Zukunft nicht mehr die Dividenden aus der angeschlagenen Tochtergesellschaft Innogy, sondern aus der Minderheitsbeteiligung an Eon, deren Ausschüttungen sehr kalkulierbar sein dürften.

Richtig rund würde dieses Modell dann, wenn RWE sich in einem Deal mit Fortum zusätzlich Beteiligungen an den interessanten deutschen Kraftwerken von Uniper einverleibt. Ob RWE für einen solchen Schachzug die nötige Finanzkraft aufbringt, ist eine andere Frage.

Quelle: F.A.Z.
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenRWERWE InnogyJohannes Teyssen