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Ab in die Cloud?

Die Last mit den digitalen Fotos

Von Jonas Jansen
 - 14:47
Schnell ein Selfie mit der besten Freundin machen – natürlich nur wenn noch genug Speicher auf dem Handy vorhanden ist. Bild: AFP, F.A.Z.

Foto konnte nicht gespeichert werden, bitte geben Sie Speicherplatz frei.“ Diese oder ähnliche Nachrichten kennen Smartphone-Besitzer nur zu gut. Meistens kommt die Mitteilung genau dann, wenn man einmal einen besonders schönen Schnappschuss gemacht hat. Durch den ständigen Kamera-Begleiter im Handy wächst die Zahl der digitalen Bilder stetig an. Das kann schnell überfordern. Jeder zweite Deutsche musste wegen Speichermangels schon Fotos vom Smartphone löschen. Jeder Vierte hat sogar den Überblick darüber verloren, wo seine Bilder abgelegt sind. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1021 deutschen Internetnutzern im Auftrag der E-Mail-Anbieter Web.de und Gmx, die zum Telekommunikationskonzern United Internet gehören. Das kommt nicht überraschend. Aber es tröstet immerhin, dass man nicht allein leidet, sondern Teil einer großen Gruppe ist.

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Rund ein Viertel der Befragten hat kapituliert und fühlt sich überfordert mit der Organisation der eigenen digitalen Bilder. Nach Ansicht von Web.de und Gmx ist die Lösung ganz einfach: Die Fotos müssen in die Cloud, also die Datenwolke im Internet. Das erleichtere die Organisation des Fotoarchivs, schwärmt Geschäftsführer Jan Oetjen. Die Zahlen zeigen, dass noch längst nicht alle Bundesbürger von der Cloud überzeugt sind. Nur jeder Zweite benutzt diese Speicherfunktion im Netz. Den größten Marktanteil in Deutschland hat nach einer Auswertung der E-Mail-Anbieter der Speicherdienst Dropbox. Danach folgen die Internetkonzerne Google, Apple und Microsoft. In der Tendenz steigt die Nutzung allerdings. Am häufigsten werden Fotos dort abgelegt.

Nicht den Überblick verlieren

Kein Wunder, dass auch Web.de und Gmx dafür werben, bieten sie doch selbst solche Services an. Doch bedeutet eine weitere Speichermöglichkeit in der Praxis nicht automatisch eine Vereinfachung. Digitalfotos werden traditionell am häufigsten auf Festplatten gespeichert. Smartphonebilder liegen meist im eingebauten Speicher. Vollständig auf die Cloud zu setzen, schreckt noch viele ab.

Nützlich sind in solchen Fällen Dienste für Sicherheitskopien. Wer nicht möchte, dass die Familienfotos plötzlich verschwunden sind, weil die Festplatte kaputt- oder das Handy verlorengeht, kann sich damit absichern. Kostenlose Cloud-Speicher gibt es viele. 10 Gigabyte etwa von Web.de. Google bietet sogar unbegrenzten Fotospeicher. Und wer Kunde des Zusatzservices Prime von Amazon ist, kann mit dem Computer oder Smartphone auch alle Fotos in die Cloud verschieben. Allerdings lagern die Bilder dann auf den Servern der amerikanischen Unternehmen. Nicht jedem Nutzer ist es recht, seine privaten Bilder aus der Hand zu geben, selbst wenn die Konzerne beteuern, ihre Macht nicht zu missbrauchen.

Gleichzeitig zeigen die Fortschritte im maschinellen Lernen, wozu die Programme schon fähig sind: Algorithmen erkennen nicht nur Gesichter, sondern auch Hunde, Fahrräder oder Flugzeugcockpits. Über die GPS-Daten lesen sie den Standort aus, und in den Meta-Daten der Bilder steht, mit welchem Gerät das Foto geschossen wurde. Das kann alles dabei helfen, Bilder automatisch zu sortieren – so argumentieren die Anbieter. Doch darf man als Nutzer nicht vergessen, gut abzuwägen zwischen Bequemlichkeit und der Weitergabe von Daten. Die Vorsortierung durch Computerprogramme spart auf jeden Fall Zeit. Doch ein Problem kann auch die Cloud nicht lösen: Wer zu viele Sicherheitskopien bei unterschiedlichen Anbietern anlegt, verliert auch irgendwann den Überblick. Und das ganz ohne Speicherprobleme.

Quelle: F.A.Z.
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft.
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