Kommentar

Die Skandalmaschine läuft wie geschmiert

Von Sven Astheimer
 - 12:11

Vielleicht sollte Martin Schulz mal ein Praktikum bei Sabine Zimmermann machen. Denn von der Linkenpolitikerin könnte der Kanzlerkandidat der Sozialdemokratie lernen, wie man einen (Un-)Gerechtigkeitswahlkampf mit den Zuständen am deutschen Arbeitsmarkt richtig führt.

Seit Jahren setzt die Vizechefin der Linkenfraktion nämlich schon die Schwerpunkte in der Arbeitsmarktdebatte mit Hilfe geschickt aufbereiteter Zahlen, die sie sich per Anfrage von den Behörden liefern lässt. Das ist nicht nur das gute Recht der Opposition, sondern auch ein scharfes Schwert in der öffentlichen Arena. Erstaunlich ist gleichwohl dessen Durchschlagskraft.

Die neueste These, dass die gestiegene Dauer der Langzeitarbeitslosigkeit von Hartz-IV-Empfängern ein Ausweis für deren ausweglose Lage und damit skandalös sei, wird in der öffentlichen Wahrnehmung quasi unreflektiert weitertransportiert. Die Tatsachen, dass der Betrachtungszeitraum geschickt gewählt ist, konjunkturelle Einflüsse sowie statistische Effekte schlichtweg unerwähnt bleiben und die Langzeitarbeitslosigkeit in Wahrheit – wenn auch langsam – sinkt, interessieren dagegen kaum. Die Skandalmaschine läuft wie geschmiert.

Quelle: F.A.Z.
Sven Astheimer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Sven Astheimer
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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