Kommentar

Intel outside

Von Roland Lindner, New York
 - 14:42

Der Halbleiterkonzern Intel übernimmt nach den Enthüllungen über Sicherheitslücken in seinen Mikroprozessoren seltsam wenig Verantwortung und spielt die Angelegenheit herunter. Er will die Schwachstellen nicht als „Fehler“ in seinen Produkten verstanden wissen, aber wie sonst soll man etwas nennen, das Hacking-Angriffe ermöglicht?

Und auch wenn es stimmt, dass Wettbewerber wie AMD und ARM von den Sicherheitsgefahren nicht ganz unberührt sind, stellt Intel die Sache allzu pauschal als industrieweites Problem dar. Dabei wird unterschlagen, dass eine der Schwachstellen nach Erkenntnis von Sicherheitsexperten vor allem die eigenen Produkte zu betreffen scheint.

Für ein Unternehmen, das beteuert, bei ihm werde Sicherheit großgeschrieben, ist es zudem nicht gerade schmeichelhaft, dass die seit vielen Jahren existierende Bedrohung nicht im eigenen Haus entdeckt wurde, sondern von außenstehenden Spezialisten an Universitäten und anderen Vertretern der Technologiebranche wie Google. Dass Vorstandschef Brian Krzanich obendrein etliche Intel-Aktien verkauft hat, nachdem ihm die Schwachstellen gemeldet wurden, unterstreicht, welch schlechte Figur das Unternehmen hier macht. Es täte dem Chipgiganten gut, endlich einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen.

Quelle: F.A.Z.
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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