Kommentar

Opel kauft sich Zeit

Von Martin Gropp
 - 17:20

Es gibt zwei Lesarten für die nun von der Bundesagentur für Arbeit bewilligte Kurzarbeit am Stammsitz des Autoherstellers Opel in Rüsselsheim. Die pessimistische Analyse lautet: Der jetzige Opel-Eigentümer, der französische PSA-Konzern, verschiebt lediglich einen notwendigen Arbeitsplatzabbau in Produktentwicklung und Verwaltung, indem er die betroffenen 10.000 Mitarbeiter einen Tag weniger im Monat arbeiten lässt. Dann wäre das aus Beiträgen der Arbeitslosenversicherung finanzierte Kurzarbeitergeld schon vergeudet, bevor an diesem Freitag der erste Kurzarbeitstag anbricht.

Optimistischer ist die Auslegung, dass der deutsche Autohersteller die vorerst auf sechs Monate befristete Maßnahme nutzt, um sich im neuen Konzerngefüge mit den Franzosen zu sortieren und für womöglich obsolet werdende Mitarbeiter neue Aufgaben zu finden. Das wird besonders im Falle der rund 7700 Mitarbeiter im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum eine Herausforderung.

Zwar sagt Opel-Chef Michael Lohscheller, dass die Ingenieure am Stammsitz Kernkompetenzen für die gesamte PSA-Gruppe entwickeln sollen, etwa für alternative Antriebe. Ob der Konzern sie am Ende aber auch abruft und wenn ja, mit wie vielen Mitarbeitern, muss sich noch zeigen. So oder so, PSA und Opel kaufen sich mit der Kurzarbeit Zeit. Die Mitarbeiter können nur hoffen, dass ihre Vorgesetzten sie sinnvoll einsetzen.

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAdam OpelBundesagentur für ArbeitPSA-Konzern