Kommentar

Tausendsassa Lutz

Von Kerstin Schwenn, Berlin

Nicht Übergangslösung, sondern plötzlich Wunschkandidat: Die große Koalition hat sich entschieden, den Finanzvorstand der Deutschen Bahn, Richard Lutz, zum Bahnchef zu befördern. Lutz wird also, sofern der Aufsichtsrat seine Zustimmung nicht verweigert, überraschend das Rennen machen gegen den hoch gehandelten Vorstandskollegen Ronald Pofalla und renommierte Mitbewerber aus der Industrie.

Der eine war (noch) zu politiknah, die anderen waren wohl zu teuer. Lutz muss nun also zu dem Tausendsassa werden, den Politik und Öffentlichkeit an der Bahnspitze sehen wollen. Sein Vorzug ist, dass er die Bahn gut kennt. Schwachstellen und Herausforderungen wie die Güterbahn oder die Digitalisierung muss er nicht erst in monatelanger Recherche identifizieren. Doch schon in den ersten Stunden nach seiner Ausrufung bekommt er eisigen Wind zu spüren:

Die Opposition mault, er stehe nicht für Aufbruch, sondern Status quo. Keine Frage, einem anderen hätte sie fehlende Bahnerfahrung vorgeworfen. Lutz wirkte bisher nicht wie ein Alphatier. Er wird an der Führungsaufgabe wachsen müssen. Und mit der Verwaltung des unbefriedigenden Status quo wird er sich nicht begnügen können.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Richard Lutz | Ronald Pofalla | Deutsche Bahn