Kommentar

Uns geht es doch gut

Von Holger Steltzner

Die Deutschen sind zufrieden mit ihrem Leben. Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer sind die Ostdeutschen heute fast so zufrieden wie die Westdeutschen. Dieses Ergebnis einer breiten Befragung durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist ein Grund zur Freude.

Da stellt sich die Frage, warum der DIW-Chef Marcel Fratzscher in einer anderen Veröffentlichung ohne Rücksicht auf seine Glaubwürdigkeit die Politik der Spaltung der Gesellschaft betreibt, indem er alarmistisch warnt: „Armut gefährdet die Demokratie“. So macht er Wahlkampf für Martin Schulz, den SPD-Kanzlerkandidaten, der die angebliche Ungerechtigkeit im Land ins Zentrum seiner Kampagne stellt. Einige sehen in Schulz schon so etwas wie den heiligen Sankt Martin, obwohl er nicht seinen Mantel teilen möchte.

Warum bezeichnen die meisten Leute ihre eigene Lage als gut, bezweifeln aber, dass es ihren Mitbürgern ähnlich gut geht? Das liegt an der einseitigen politischen Debatte, die fast nur soziale Schieflagen kennt. Da möchte man, gemeinsam mit der Caritas, der SPD und auch der CDU zurufen: Wenn alles so schreiend ungerecht ist, warum habt ihr es nicht geändert, als ihr an der Macht wart?

Quelle: F.A.Z.
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Marcel Fratzscher | Martin Schulz | DIW