Kommentar

Zu viel Staat in der Bahn

Von Kerstin Schwenn
 - 20:46

Bahnmanager mutieren zu braven Bundesbahndirektoren. In den vergangenen Jahren ist die Deutsche Bahn wieder näher an die Politik herangerückt. Als Geld fehlte, ließ sich der Bahn-Vorstand von der Politik die Teilprivatisierung zweier Tochtergesellschaften verbieten, nahm stattdessen eine Milliarden-Finanzspritze aus dem Bundeshaushalt an – nur ein Beispiel für den Verlust von Unabhängigkeit.

Der ehemalige Bahn-Chef Rüdiger Grube förderte diese Entwicklung, der jetzige Bahn-Chef Richard Lutz hält sie nicht auf. Im neuen Koalitionsvertrag legt die Politik nun das Prinzip der Gewinnmaximierung ad acta – und nimmt endgültig Abschied vom Ziel der Bahnreform, den Konzern „als Wirtschaftsunternehmen“ zu führen.

Damit nicht genug: Die Koalition will mehr Abgeordnete im Aufsichtsrat mitmischen lassen. An die Spitze soll Verkehrsstaatssekretär Odenwald rücken, zweifellos ein fähiger Mann, aber doch zu sehr Beamter, als dass er dort richtig aufgehoben wäre. Der oberste Bahnaufseher muss aus der Wirtschaft kommen: damit die Staatsbahn nicht bequem wird und im Wettbewerb die Chancen besser nutzt, die ihr in Zeiten von Stau und schlechter Luft von ganz allein zufallen.

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Schwenn
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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