Autonomes Fahren

Eine neue deutsche Allianz gegen Google & Co

Von Carsten Germis und Susanne Preuß
 - 15:39

Die beiden großen Auto-Zulieferer Bosch und Continental steigen beim Kartendienst Here ein. Die Unternehmen erwerben einen Anteil von je 5 Prozent von den Haupt-Eigentümern von Here: Audi, BMW und Daimler. Wie viel dafür bezahlt wird, wurde nicht bekannt. „Digitale Karten und standortbasierte Dienste sind Schlüsselinnovationen für die vernetzte Mobilität der Zukunft“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Continental, Elmar Degenhart zu dem Geschäft, das am Donnerstag verkündet wurde.

Mit jeweils 5 Prozent haben die beiden neuen Anteilseigner zwar keinen beherrschenden Einfluss auf die Geschäftspolitik von Here. Allerdings gehen die Beteiligungen mit umfassenden Kooperationsplänen einher. Continental arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem Kartendienst zusammen. „In der neuerlichen Zusammenarbeit werden beide Unternehmen ihre komplementären Technologen bündeln“, heißt es in einer Mitteilung des Zulieferers. Mit der Beteiligung würden die Geschäftsbeziehungen erweitert. Mit Hilfe der Here HD Live Map, einer cloudbasierten Karte für automatisierte Fahrzeuge, planen die beiden Unternehmen neue Anwendungen für die Fahrzeugautomatisierung und für Mobilitätsdienste.

„Keine exklusive Partnerschaft“

Für Bosch dagegen ist Here ein neuer Geschäftspartner – auf den der Stuttgarter Konzern selbstbewusst zugeht. Bosch-Chef Volkmar Denner lässt sich in der Mitteilung des Unternehmens mit der Devise zitieren: „Bosch ist mehr als Auto“. Die Geschäfte mit Industrie 4.0, Smart Home und Smart City seien für Bosch stark wachsende Bereiche, in denen durch Synergien mit Here neue Angebote entwickelt werden könnten. Auch Here-Chef Edzard Overbeek hebt ausdrücklich auf die Kompetenzen von Bosch im Internet der Dinge ab. Zudem gebe die starke Präsenz von Bosch in Amerika, Asien und Europa Here die Möglichkeit, das Geschäft weiter global auszubauen, würdigte Overbeek.

Bosch-Vorstandschef Denner, der seit gut fünf Jahren an der Spitze des Bosch-Konzerns steht, hat seine Strategie nicht nur darauf gerichtet, die Position an der Spitze der Zulieferbranche zu sichern, sondern vor allem die Vernetzung voranzutreiben. Bosch hat dafür besondere Voraussetzungen, denn das Produktprogramm reicht quer durch alle Lebensbereiche, für private Verwender vom Akkuschrauber über den Kühlschrank bis zur Heizung, für Geschäftskunden von der Mikrofonanlage bis zum Brandschutz. Als ein Beispiel für mögliche Kooperationsprojekte nennt man bei Bosch die Automatisierung von Warenströmen in Fabriken durch hochgenaue Innenraum-Karten.

Mit Bosch und Conti beteiligen sich zwei unmittelbare Wettbewerber an Here. In Stuttgart wie in Hannover ist man selbstbewusst, nach dem Motto Konkurrenz belebe das Geschäft.

Mögliche Kartellvorwürfe, die durch die gleichzeitige Mitteilung von Bosch und Continental genährt werden könnten, sehen die Akteure nicht. „Es ist keine exklusive Partnerschaft“, hieß es bei Continental. Beide Unternehmen arbeiten auch mit anderen Kartendiensten zusammen. Der Wettbewerb auf dem Weg zum automatisierten Fahren werde eher gestärkt.

Unabhängiger von Google & Co.

So will Bosch ebenso wie Continental künftig Daten aus den Autos liefern, um die Karten von Here jeweils aktuell zu halten, so dass beispielsweise Informationen über Baustellen oder Unfälle sofort für andere Autofahrer zur Verfügung stehen. Für diese Aktualisierung sieht Bosch sich mit seinem „Straßensignatur“ genannten Angebot in einer führenden Position: da die Daten mit Radarsensoren – und nicht wie bei der Konkurrenz mit Videosensoren – gesammelt würden, sei die Datenmenge kleiner, dafür funktioniere das System aber auch bei Dunkelheit und Regen, heißt es in Stuttgart.

Autonomes Fahren
Digitale Konzepte gegen das Verkehrschaos
© DW, Deutsche Welle

Den Kartendienst Here haben die deutschen Premiumautohersteller Daimler, BMW und Audi im Jahr 2015 für mehr als 2,5 Milliarden Euro dem finnischen Netzwerkausrüster Nokia abgekauft. Es ging ihnen damals auch darum, die Unabhängigkeit des Unternehmens von anderen großen Kartenanbietern wie Google, Apple und Tomtom zu sichern.

Kartendienste sind für automatisiertes Fahren von entscheidender Bedeutung und damit eine Schlüsselindustrie für die Branche. Inzwischen sind an Here unter anderem auch Intel sowie chinesische und japanische Investoren beteiligt. Die Idee hinter Here und dem Engagement der deutschen Unternehmen ist auch, in Europa einen schlagkräftigen Wettbewerber gegen den amerikanischen Internetkonzern Google aufzubauen. Dafür gibt es nun zwei weitere kompetente Partner.

Quelle: F.A.Z.
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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