Kult-Romanvorlage

Computer schreibt sechstes Buch von Game of Thrones

Von Alexander Armbruster
 - 11:33
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Die Bücher („A Song of Ice and Fire“) haben sich millionenfach rund um die Welt verkauft, die Fernsehserie (Game of Thrones) ist noch viel erfolgreicher, eine gewaltige Fangemeinde, Kurzgeschichten, Kult: Das vom amerikanischen Ausnahmeautoren George R. R. Martin erdachte Fantasy-Epos begeistert unzählige Menschen. Und das schon jahrelang.

Die gerade zu Ende gegangene und vom Kabelfernsehbetreiber HBO ausgestrahlte siebte Staffel stellte in den Vereinigten Staaten alle bisherigen Zuschauerrekorde ein. Im Schnitt sahen mehr als 30 Millionen Menschen jede einzelne Folge, verfolgten mit Spannung, welchem Schicksal der Kontinent Westeros entgegengeht und diejenigen, die um ihn kämpfen. Die Fans stört auch nicht, dass sich die Verfilmung längst von den Romanen gelöst hat und die beiden Serienautoren David Benioff und D.B. Weiss mit Zustimmung Martins die jüngsten Drehbücher geschrieben haben.

Der wiederum hat bislang fünf Romane in dieser Reihe geschrieben und arbeitet an einem sechsten, hat den Erscheinungstermin aber schon mehrfach verschoben. Natürlich sind die Fans auch neugierig, wie er selbst die Handlung weiterspinnt. Einer von ihnen, ein Programmierer namens Zack Thoutt, hat jetzt die Initiative ergriffen und angefangen, das sechste Buch auf den Weg zu bringen - durch eine Künstliche Intelligenz (KI). „Ich bin ein großer Fan von Game of Thrones, den Büchern und der Serie“, sagte Thoutt dem Internetportal „Motherboard“.

Er verwendete dafür eine der gerade angesagten KI-Methoden, ein spezielles künstliches neuronales Netz (Recurrent Neural Net, RNN). Das hat er die bisherigen fünf Bände lesen lassen, alle 5376 Seiten, und dem schlauen Programm dann verordnet, davon ausgehend das sechste Buch quasi vorherzusagen. Darum handelt es sich mathematisch-statistisch im Grunde genommen.

Das Programm hat sich während der Lese- und Lernphase offenkundig teilweise den Stil, vor allem aber auch besondere Ausdrucksweisen und gerne verwendete Redeweisen des Autoren angeeignet. Herausgekommen sind bislang fünf Kapitel, die Thoutt auf der Internet-Plattform Github frei veröffentlicht hat (hier).

Dabei hat das Programm einzelne Charaktere mitunter genauso fortentwickelt, wie das auch in Fan-Theorien spekuliert wird, es hat eine neue Figur erfunden. Die Sätze sind einfach lesbar. Eine komplette und vollwertige Replikation des Autoren ist ihm wiederum nicht gelungen. Das gibt Programmierer Thoutt auch freimütig zu: „Es ist offensichtlich nicht perfekt. Es konstruiert keine langfristige Geschichte und die Grammatik ist nicht perfekt. Aber das Netz ist in der Lage, die Grundsätze der englischen Sprache und Struktur selbst zu lernen, die George R. R. Martin pflegt.“

Wie er so ein schlaues Computerprogramm konstruiert, hat Thoutt übrigens in einem Kurs über KI und Deep Learning der Internet-Akademie Udacity gerade erst gelernt, sagte er gegenüber „Motherboard“. Die wurde im Jahr 2012 von dem in Solingen geborenen Informatiker Sebastian Thrun gegründet, der leitender Fachmann des Technologieunternehmens Google war. Und noch zwei andere Deutsche sind zumindest indirekt an Thoutts Erfolg beteiligt: Jürgen Schmidhuber und Sepp Hochreiter, die bereits in den neunziger Jahren eine KI-Methode namens LSTM (eine Art Langzeitgedächtnis) erfanden, die der Game of Thrones-Fan nun eigenen Angaben zufolge ebenfalls in seinem neuronalen Netz einsetzte.

Ein vollwertiger Roman im Sinne Martins ist seiner Einschätzung nach zwar wie gesagt nicht entstanden. Und auch mancher „Fehler“ ist dem Programm offenkundig unterlaufen, wenn es um Personen geht, die in früheren Bänden schon ausgeschieden sind - soweit man das sagen kann, wenn es um Fantasy geht. „Ein perfektes Modell würde wirklich alles einbeziehen, was in den Bücher passiert ist“, sagt Thoutt. „Die Realität ist hingegen, dass das Programm nicht gut genug ist dafür. Wenn es so wäre, bekämen Autoren möglicherweise Schwierigkeiten. Bislang aber existiert eine Technologie noch nicht, die einen perfekten Text-Generator trainieren kann, der sich eine komplexe Handlungen über Millionen Wörter merkt.“

Dafür aber sind die fünf nun von dem Algorithmus erstellen Kapitel sicherlich eine gerne gelesene Abwechslung für viele Fans. Und irgendwann kommt dann ja wirklich der sechste Teil des Erfinders heraus.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Redakteur in der Wirtschaft.
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