Kommunikation in Echtzeit

Bosch und Nokia tüfteln an der Datenrennbahn der Zukunft

Von Carsten Knop
 - 14:59

Es ist eine Grundvoraussetzung für die Produktion und das Transportwesen der Zukunft: Maschinenkommunikation in Echtzeit. Der deutsche Elektronikkonzern Bosch und der finnische Telekommunikationsausrüster Nokia haben deshalb auf dem europäischen Digitalgipfel in Tallinn einen sogenannten Demonstrator vorgestellt, der den kommenden, besonders schnellen Mobilfunkstandard 5G mit Industrie 4.0-Lösungen verbindet.

5G verzehnfacht die aktuell höchstmögliche Übertragungsrate im Mobilfunknetz auf mehr als zehn Gigabit in der Sekunde. Auf diesem Weg wird eine Kommunikation von Maschinen in Echtzeit möglich, zugleich wird die Qualität der Übertragung selbst auch viel robuster.

„Geringere Kosten, mehr Sicherheit“

Beides sind wichtige Voraussetzungen, um mehrere hundert Milliarden intelligenter Aktoren und Sensoren in Fabriken und Anlagen drahtlos zu vernetzen und riesige Datenmengen aus der Fertigung in Echtzeit zu verarbeiten. Zugleich ist der superschnelle Datentransfer wichtige Voraussetzung für die grenzüberschreitende Kooperation von Unternehmen in Europa und auf der ganzen Welt.

„Industrie 4.0 macht nicht an Ländergrenzen halt“, sagt Stefan Aßmann, im Hause Bosch verantwortlich für den Bereich „Connected Industry“, laut einer Mitteilung zu der Vorstellung in Estland. Dasselbe gilt für die Mobilität der Zukunft: Damit Autos über Grenzen hinweg selbständig fahren können, müssen dieselben Voraussetzungen erfüllt sein.

Der von Bosch und Nokia entwickelte 5G-Demonstrator zeigt nach den Angaben der Unternehmen einen superschnellen Maschinendaten-Transfer der Zukunft. „In Zusammenarbeit mit Nokia loten wir schon heute die Potentiale der Leistungsfähigkeit von 5G für die Fabrik der Zukunft aus“, so Rolf Najork, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG. Die Bosch-Tochtergesellschaft für Antriebs- und Steuerungstechnik hat den Demonstrator gemeinsam mit der zentralen Bosch-Konzernforschung und Nokia entwickelt.

„5G wird ein Haupttreiber für die vernetzte Industrie werden. Der Standard ist das erste kabellose Datenübertragungsverfahren, das wie der kabelgebundene Ansatz für alle industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen kann. Er ermöglicht damit extreme Flexibilität in der Produktion, senkt Kosten und schafft mehr Sicherheit am Arbeitsplatz“, sagt Hannu Nikurautio, Leiter 5G Technology & Market Scouting bei Nokia.

Bosch bringt Erfahrung mit Industrie 4.0-Lösungen aus seinen mehr als eigenen 270 Werken mit. Auf dieser Basis entwickelt das Unternehmen aber auch vernetzte Lösungen für Dritte. Nokia wiederum ist ein Ausrüster für Telekommunikationsinfrastrukturen. „Als Automatisierungsspezialist werden wir unsere Zusammenarbeit mit Nokia bei 5G auf weitere Gebiete wie Augmented Reality, autonome, fahrerlose Transportsysteme für den innerbetrieblichen Materialfluss sowie Cloud-basierte Anwendungen in der Fertigung ausdehnen“, kündigt Najork an. 5G wird voraussichtlich im Jahr 2019 eingeführt und neue Geschäftsmodelle rund um Daten aus der Fertigung ermöglichen.

Quelle: FAZ.NET
Carsten Knop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Carsten Knop
verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.
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