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Künstliche Intelligenz

Schlau in zwei Stunden

Von Alexander Armbruster
 - 11:41
Das Kunstwerk „Bion“ des Künstlers Andrew H. Fagg setzt sich mit dem Thema ,kybernetisches Bewusstsein’ auseinander. Bild: dpa, F.A.Z.

Wer wissen will, was Künstliche Intelligenz ist, was maschinelles Lernen, was künstliche neuronale Netze sind und was hinter dem Ausdruck „Deep Learning“ steckt – der findet in Steven Finlays klar geschriebenem Buch „Artificial Intelligence and Machine Learning for Business“ eine gelungene Einführung. Und eine, die in Zeiten akuter eingebildeter Zeitknappheit über den angenehmen Charme verfügt, schnell gelesen zu sein.

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Finlay geht von sich selbst aus. An einem normalen Arbeitstag braucht er ungefähr eine Stunde von zu Hause ins Büro und dasselbe zurück. In zwei Stunden, so verspricht er, könne das Buch gelesen werden. Und genau so ist es.

Ein künstliches Neuron

Finlay definiert Künstliche Intelligenz schlicht als „Replikation menschlicher analytischer Fähigkeiten und menschlicher Fähigkeiten, Entscheidungen zu treffen“. Er erklärt, was Daten sind, wie sie aufbereitet werden, wie daraus Vorhersage-Modelle erstellt und dann Entscheidungsregeln abgeleitet werden können.

Ein Vorzug seines Ansatzes ist, dass er mit einfachen statistischen Prognose- und Analyse-Methoden beginnt und sich dann langsam hocharbeitet zu ebenjenen modernen KI-Ansätzen, die sich daran orientieren, was wir für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns halten. Und er macht klar, dass sich diese Vorhersagen auf Ereignisse in der Vergangenheit (was hat eine Krankheit verursacht?), in der Gegenwart (welche Krankheit hat ein Mensch?) oder in der Zukunft (welches Krankheitsrisiko liegt vor?) beziehen können.

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Finlay erklärt, wie so etwas möglich ist angesichts der gewaltigen vorhandenen Datenmengen und der großen Rechenleistung. Und er nennt vier Vorteile dieser Technologie, die auf der Hand liegen: Erstens erreicht sie zunehmend geringere Fehlerquoten als Menschen. Zweitens kalkuliert sie vorurteilsfrei. Drittens schnell, meist schneller als der Mensch. Und viertens günstiger – zumindest wenn ein Programm eingerichtet worden ist, betrifft dies alle künftigen Anwendungen.

Besonders gut gelingt ihm die Darstellung eines künstlichen Neurons und der Mathematik, die dahintersteckt (und für die Lektüre des Buches zuvor nicht vollumfänglich durchdrungen worden sein muss). Und er beschreibt auch, worum es geht in der Wahl der intelligenten Methode. Nicht immer braucht es für eine bestimmte Aufgabenstellung beispielsweise ein künstliches neuronales Netz.

Dem Buch kommt zugute, dass der Datenwissenschaftler Finlay ein Mann mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Bereich des maschinellen Lernens und dessen Anwendungen in verschiedenen Branchen ist. Es verfügt zudem über ein hilfreiches Glossar. Wer sich hingegen auch für die genauere Entstehungsgeschichte der KI und entscheidender Erkenntnisse und prominenter Persönlichkeiten interessiert – das hat Finlay weggelassen. Dem sei zu Jerry Kaplans Einführung geraten (Zur Besprechung geht es hier entlang). Die zu lesen dauert allerdings deutlich länger als zwei Stunden.

Steven Finlay: Artificial Intelligence and Machine Learning for Business: A No-Nonsense Guide to Data Driven Technologies. Relativistic. 150 Seiten. 12,99 Pfund.

Quelle: F.A.Z.
Alexander Armbruster
Redakteur in der Wirtschaft.
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