Home 24

Mit Sofas aus dem Internet an die Börse

Von Jonas Jansen
 - 09:52
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Der Online-Möbelhändler Home 24 will als drittes Unternehmen aus dem Reich von Rocket Internet den Sprung an die Börse schaffen. Dabei will der Möbelhändler 150 bis 200 Millionen Euro zur Finanzierung des Wachstums einsammeln, wie das 2009 gegründete Unternehmen am Freitag mitteilte. Einen Termin für den Börsengang nannte Home24 nicht, doch in der Regel vergehen zwischen offizieller Ankündigung und Erstnotiz rund vier Wochen.

Der Möbelversender aus Berlin hat gerade seine komplette Logistik neu aufgebaut. „Wenn wir einen nachhaltigen Marktführer bauen wollen, dann brauchen wir auch die Architektur dafür, um groß zu werden“, sagte Marc Appelhoff, Ko-Chef von Home 24, der F.A.Z. Er ist noch relativ neu im Unternehmen und kam vor gut zwei Jahren, als sein eigenes Möbel-Start-up Fashion4Home mit Home 24 verschmolz. Während Appelhoff gemeinsam mit seinem Mitgründer Christoph Cordes Eigenmarken verkaufte, setzte Home 24 vor allem auf Möbel für den Massenmarkt.

Herausfinden, was angesagt ist

Die Kombination aus eigenen Marken, die besonders günstig produziert werden können, und bekannteren Namen soll das Start-up nun schneller nach vorne bringen: Denn nur mit Eigenmarken kann man kein Marketing machen, die kennt schließlich niemand. Ohnehin ist der Möbelmarkt ein schwieriger: Der häufigste Suchbegriff im Internet dafür ist „Möbel online kaufen“, wenn jemand nach „Sofa grün“ sucht, ist das für die Online-Händler schon ein Glück. Besser zu verstehen, wofür sich die potentiellen Kunden wirklich interessieren und warum sie oft so lange brauchen, bis sie sich für ein Möbelstück entschieden haben, kann dem Geschäft noch deutliches Wachstum bescheren.

So verzeichnet Home 24 schon heute mehr als die Hälfte der Besuche auf der Seite über mobile Geräte – doch gekauft wird meist am Computer und auch erst nach mehreren Monaten. So will das Start-up in Zukunft nicht nur aus historischen Daten verstehen, welcher Kunde, der auf Rechnung kauft, vertrauenswürdig ist, sondern mit über Monate gesammelten Bewegungsdaten schneller verstehen, welche Produkte attraktiv sind. Das hat dann nicht nur Einfluss darauf, ob man den Kunden passende Angebote macht, sondern auch darauf, frühzeitig zu erkennen, welche Trends es auch im Möbelmarkt gibt. Um damit dann wiederum schnell günstige Eigenmarken zu bauen: Sofas, Lampen und Schränke, die gerade angesagt sind.

Insgesamt ist das Geschäft im Internet noch klein: Erst 5 Prozent der Möbel werden hierzulande online bestellt, in Großbritannien sind es etwa 12 Prozent. Wenn sich der Markt hierzulande so entwickele, dann wäre Home 24 schon bald ein Milliardenunternehmen, rechnet Appelhoff vor. Damit das technisch funktioniert, hat sich der Vorstand mit Johannes Schaback ein neues Mitglied eingekauft, der mehr technisches Wissen als die anderen Manager aufweist.

Profitabel ist das Unternehmen noch nicht

Der neue Technikvorstand ist Informatiker und hat früher im Fraunhofer-Institut an maschinellem Lernen geforscht, für Rocket Internet an Zalando mitgearbeitet und später mit „Ladenzeile“ eine Vergleichsplattform für Mode und Möbel aufgebaut. „Den Unterschied zu der Konkurrenz werden wir in Zukunft noch stärker aus der Technik heben“, sagt Schaback. Und will damit Kunden, die im Möbelhandel traditionell viel seltener bestellen als etwa auf Modeplattformen wie Zalando, enger an Home 24 binden. Denn in dem Markt sind sie sehr wertvoll. „Wir verdienen an der ersten Bestellung“, sagt Schaback.

Profitabel ist das Unternehmen freilich nicht, allerdings haben sich die Verluste im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 22 Millionen Euro verringert, nach 49 Millionen im Vorjahr. Beim Betriebsergebnis, gerechnet als bereinigtes Ebitda, will das Unternehmen innerhalb von 18 Monaten die Gewinnschwelle erreichen, kündigte Home24 am Freitag an. Das Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern ist in sieben europäischen Ländern sowie Brasilien aktiv. Nach einer Phase der Umstrukturierung setzt Home 24 nun wieder voll auf Wachstum, finanziert werden soll das nun mit dem Börsengang.

Rocket Internet hält 43 Prozent an Home 24. In Finanzkreisen wurde spekuliert, dass Rocket auf den Börsengang drängt, um sich schrittweise aus der Beteiligung zurückzuziehen. Nun wurde aber mitgeteilt, dass die Altaktionäre keine Anteile auf den Markt werfen werden. Neben der Start-up-Schmiede hält der schwedische Risikokapitalgeber Kinnevik noch 17 Prozent.

Sollte Home24 den Sprung aufs Parkett schaffen, wäre es nach dem Essenslieferdienst Delivery Hero und dem Kochboxen-Versender Hellofresh das dritte Unternehmen aus dem Reich von Rocket Internet an der Börse. Begleitet wird der Börsengang von Berenberg, Citigroup, und Goldman Sachs.

Quelle: F.A.Z./Reuters/casc.
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.
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