Wettlauf mit Amerika

So will Peking den Kalten Krieg der KI gewinnen

Von Alexander Armbruster
 - 16:11

Chinas Führung hat im vergangenen Sommer das Ziel ausdrücklich vorgegeben: Bis zum Jahr 2030 soll die derzeit zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) alle anderen Länder überragen. Dafür brachte die Administration in Peking eigens einen nationalen KI-Plan auf den Weg. Der ging um die Welt und ist auch in den Vereinigten Staaten durchaus auch als Kampfansage aufgenommen worden – zumal der chinesische Staat schon lange den Markt für viele ausländische Anbieter sperrt und die 750 Millionen das Internet nutzenden Chinesen drängt, die Dienste heimischer Tech-Unternehmen zu wählen.

Nun unternimmt Peking einen weiteren konkreten Schritt auf diesem Weg. Im Westen der chinesischen Hauptstadt soll eine Art Industriepark für Künstliche Intelligenz entstehen, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldet. Die Metropole gibt demnach ungefähr 13,8 Billionen Yuan (knapp zwei Milliarden Euro) dafür aus mit dem Ziel, dass sich dort einmal 400 Unternehmen ansiedeln.

Fokus des Parks sollen die Themen Deep Learning, Big Data, Cloud Computing und Biometrie sein. Das Areal soll über mobiles Internet nach dem neuen Funkstandard 5G verfügen und über einen Supercomputer. Der Projektentwickler wolle außerdem mit ausländischen Universitäten zusammenarbeiten, um ein Forschungslabor für Künstliche Intelligenz aufzubauen, das sich mit den führenden Einrichtungen des Landes messen können soll.

„Das ähnelt dem Weltraum-Wettrennen“

Das setzt an einem anderen Problem an, das Entscheider nicht nur chinesischer Technikunternehmen derzeit umtreibt: Es gibt zu wenig Fachleute für die gerade wichtigen KI-Methoden. Forscher des chinesischen Internetunternehmens Tencent haben unlängst eine Analyse veröffentlicht, in der sie spekulieren, dass es auf der ganzen Welt derzeit nur ungefähr 300.000 solcher Experten gebe, tatsächlich aber mehrere Millionen benötigt würden.

Auch wenn die konkrete Zahl umstritten ist, sprechen die momentan meist üppigen Einstiegsgehälter dafür, dass die Tendenz stimmt. Dazu passt beispielsweise auch, dass Google im Dezember ankündigte, in Peking ein KI-Team aufzubauen, das sich auch darum kümmern soll, chinesische Talente anzuwerben – und das vor dem Hintergrund, dass China wichtige Dienste Googles blockiert. Sundar Pichai, der Vorstandsvorsitzende des Suchmaschinenbetreibers, gab sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unlängst diplomatisch: „Ich finde wirklich großartig, dass China in KI investiert. (...) Ich hoffe, alle von uns arbeiten mit China und chinesischen Unternehmen effektiv zusammen, um KI zu entwickeln.“

Eric Schmidt, der demnächst den Vorsitz der Alphabet-Holding abgibt, warnte hingegen vor einiger Zeit noch deutlich während einer Konferenz der Denkfabrik CNAS vor den KI-Ambitionen der Chinesen. „Sie sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen.“ In fünf Jahren werde China die Vereinigten Staaten eingeholt haben, wenn diese nicht ihre Anstrengungen verstärkten. Der Wagniskapitalgeber Jim Breyer wiederum zog während des „Web Summit“ in Lissabon im November diesbezüglich einen Vergleich zum Kalten Krieg. „Das ähnelt dem Weltraum-Rennen der Fünfziger.“

Der in Peking ansässige Technologieinvestor Kai-Fu Lee, der zuvor für Apple, Microsoft und Google arbeitete, geht eher davon aus, dass schlussendlich China führend in der Künstlichen Intelligenz sein werde. „Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist ein amerikanisch-chinesisches Duopol nicht nur unausweichlich, es ist längst da“, sagte er in einer Rede am MIT in Boston, und begründet den langfristigen chinesischen Vorteil wesentlich mit größerer Masse – an Forschern und Daten.

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© Reuters, reuters
Quelle: F.A.Z.
Alexander Armbruster
Redakteur in der Wirtschaft.
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