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Die Angst vor dem Lauschangriff durch Alexa

Von Jonas Jansen
 - 06:16
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Manchmal reicht es Frau Bingmann. Dann hat sie genug von der anderen Frau und steckt den Echo einfach aus. Echo heißt der Sprachassistent des Online-Händlers Amazon, diese meist schwarze, zylinderförmige Box, aus dem die Stimme namens „Alexa“ tönt. Eifersucht treibt Frau Bingmann aber nicht. „Sie mag es nicht, ständig abgehört zu werden“, sagt ihr Mann Holger Bingmann. Er selbst hingegen fragt Alexa immer, wie viel Uhr es ist, damit er es morgens nicht verpasst, seine Kinder zur Schule zu schicken. Manchmal reagiert sie aber nicht, weil die Frau im Haus ihr den Stecker gezogen hat. Holger Bingmann ist der Präsident des Außenhandelsverbands und damit einer, der dranbleiben muss am technologischen Wandel, um seine Mitglieder ordentlich vertreten zu können. Der Unternehmer ist aber auch schon immer daran interessiert, wie sich Firmen kulturell wandeln – und manchmal kann man solch einen Wandel im eigenen Zuhause beobachten.

Wie Familie Bingmann geht es vielen, deren Beziehung zur Technik zwischen Faszination und Skepsis schwankt. Man muss kein Wahrsager sein, um zu prophezeien, dass sie noch stärker auf die Probe gestellt werden wird. Sprachassistenten gelten als das nächste große Ding, mindestens. Sie sollen die Art verändern, wie wir mit Maschinen kommunizieren, und damit unser aller Leben verändern, so versprechen es uns Amazon, Google oder Apple. Noch steht zwar nur in sehr wenigen deutschen Haushalten so ein schlauer Lautsprecher, doch die Verkaufszahlen steigen stark. Rund um die Welt wurden im vergangenen Jahr 24,5 Millionen Lautsprecher mit integriertem Sprachassistenten verkauft und damit 1,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. In den Vereinigten Staaten hat Amazon einen Marktanteil von 71 Prozent, und auch in Deutschland hat der Online-Händler einen Vorsprung. Noch geben deutsche Nutzer nur etwa zwei Prozent ihrer Konsumausgaben über Sprachassistenten aus, die Marktforscher von Capgemini rechnen aber damit, dass es in drei Jahren 13 Prozent sein werden.

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Quelle: F.A.Z. Woche
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.
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