Technischer Fortschritt

Der nächste Schritt in der Künstlichen Intelligenz

 - 15:45

„Menschen bleiben die ultimativen Kontrolleure des Systems.“ Mustafa Suleyman ist ein Experte für Künstliche Intelligenz. Er gründete vor einigen Jahren ein Unternehmen namens Deep Mind mit, das der Technologiekonzern Alphabet (Google) vor zwei Jahren kaufte - für rund 400 Millionen Dollar.

Suleyman hat nun, wie das Magazin „Fortune“ berichtet, eine unterschwellige Angst aufgegriffen, die Menschen, zumal in vielen Industrieländern, offenkundig häufig teilen: Angst davor, irgendwie überrollt zu werden vom technischen Fortschritt, etwa davon, dass hochintelligente Roboter bald womöglich den eigenen Job besser machen können. Sogar Forscher des Internationalen Währungsfonds haben gerade einen Aufsatz darüber geschrieben, was passieren könnte, wenn es soweit ist.

Bis zu Big Data fehlt noch ein Schritt

Suleyman versucht nun zu beschwichtigen. Bis die Künstlichen Intelligenz wirklich in nennenswertem Umfang Menschen komplett ersetzen kann, dauere es noch viele Jahre, eher Jahrzehnte. Eher, so der Experte, würde die Technologie Menschen ihre Arbeit erleichtern. Gleichwohl sagte er aber auch, dass die Gesellschaft „definitiv aufmerksam sei“ für das, was in diesem Bereich geschieht.

Die international renommierte Fachzeitschrift „Nature“ hat nun einen Aufsatz von Deep-Mind-Forschern publiziert, in dem offenbar ein neuer Schritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz gelungen ist. Einem neuen „Computer“ ist es demnach erstmals gelungen, (kleine) Probleme zu lösen, ohne sie vorher schon genau so zu kennen. Der „differentiable neural computer“ (DNC) könne beispielsweise eigenständig die schnellste Route zwischen zwei Stationen der Londoner U-Bahn bestimmen. „Du kannst diesem Computer eine Karte der U-Bahn zeigen, er speichert sie und kann sie von da an in ähnlichen Situationen verwenden“, sagte Alex Graves, einer der Autoren, gegenüber dem Internetdienst „Wired“.

Der DNC besitze beispielsweise die Fähigkeit, das, was er über die Londoner U-Bahn gelernt hat, auf die französische Metro anzuwenden. „Er wäre in der Lage, auf etwas ganz Neuem zu operieren, das er zuvor nicht gesehen hat. Es geht um eine wichtige Art von Erinnerung, die zuvor in Neuronalen Netzen fehlte“, so Graves. Bislang müsste ein sogenanntes Neuronales Netzwerk, das sich an biologischen Systemen wie dem menschlichen Gehirn orientiert, hingegen die entsprechenden Daten mehrfach bekommen und auch in einer entsprechenden Form. Nun ist die gespeicherte „Erinnerung“ ausgelagert.

Ein weiteres Beispiel: Der DNC könne einen Familienstammbaum eingespeist bekommen und dann beantworten, ob eine Person darin etwa der Onkel einer anderen ist oder der Vater. „Wie ein konventioneller Computer kann es sein Gedächtnis nutzen, um komplexe Daten-Strukturen zu zeigen und zu manipulieren. Aber wie ein Neuronales Netzwerk kann es aus den Daten lernen, das zu tun“, sagte Graves weiter.

Fachleute außerhalb von Deep Mind erkennen die Arbeit der Forscher an. Der Aufsatz sei ein „sehr interessanter und wichtiger Meilenstein in der Künstlichen-Intelligenz-Forschung“, sagte Jay McClelland, Professor an der Stanford-Universität, gegenüber der „Financial Times“.

Um den DNC nützlicher zu machen, müsste er nun auch in die Lage versetzt werden, viel größere Datenmengen verarbeiten zu können. In dieser Hinsicht steht das System noch ziemlich am Anfang. Denkbar seien damit dann aber beispielsweise auch „Video-Kommentare oder semantische Textanalysen“, sagte Herbert Jäger, Computer-Experte an der Jacobs University in Bremen zu „Wired“.

Quelle: ala.
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