Erhöhung ab 2018

Warum sich die Rentner im Westen besonders freuen dürfen

Von Dietrich Creutzburg, Würzburg
 - 19:54

Den 21 Millionen Rentnern in Deutschland winkt für die kommenden Jahre eine ganze Serie kräftiger Rentenerhöhungen: Die jeweils zum 1. Juli fällige Erhöhung wird voraussichtlich nicht nur 2018 rund 3 Prozent ausmachen, sondern auch in den Folgejahren bis über 2020 hinaus. Das ergibt sich aus Vorausberechnungen anhand der neuen Konjunkturprojektion der Regierung. Für Rentner im Westen ist dies besonders erfreulich: Außer im Jahr 2014, als ihnen ein Sonderfaktor ein Plus von gut 4 Prozent bescherte, lagen ihre Rentenerhöhungen seit der Jahrtausendwende stets unter 3 Prozent.

Voraussichtlich werde der demographisch bedingte Anstieg der Rentnerzahlen in den kommenden fünf bis sechs Jahren die Rentenerhöhungen im Ergebnis nicht dämpfen, bestätigte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, am Dienstag. Denn im Gegenzug steige mit der guten Arbeitsmarktlage auch die Zahl der beitragspflichtigen Arbeitnehmer weiter an. „Unter diesen Umständen dürften die Rentenanpassungen weitgehend der Lohnentwicklung folgen“, sagte er vor Journalisten in Würzburg.

Gut 41 Euro mehr

Die Rentenformel enthält im Grundsatz sogenannte Dämpfungsfaktoren: Verschlechtert sich das Zahlenverhältnis von Rentnern und Beitragszahlern, bremsen sie die Rentenerhöhungen im Vergleich zur Lohnentwicklung ab. Dasselbe gilt für den Fall, dass der Rentenbeitragssatz steigt. Beides dürfte aber auf absehbare Zeit nicht der Fall sein. Im Gegenteil: Mit der dank hoher Einnahmen unerwartet guten Finanzlage der Rentenkasse sind nun gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Beitragssenkung erfüllt. Der Rentenbeitragssatz von bisher 18,7 Prozent des Bruttolohns kann zum 1. Januar 2018 auf 18,6 Prozent sinken, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon vorab aus dem Entwurf für den neuen Rentenversicherungsbericht der Regierung berichtet hatte.

Einige Medien hatten zu Wochenbeginn mit Bezug auf denselben Entwurf vermeintlich genaue Zahlen zur Höhe der Rentenanpassung 2018 gemeldet: 3,09 Prozent im Westen und 3,23 Prozent im Osten. Die Zahlen sind aber in dieser Genauigkeit wenig belastbar, auch wenn sie sich aus den amtlichen Annahmen so ableiten lassen. Die erforderlichen statistischen Daten zur tatsächlichen Lohnentwicklung werden, wie üblich, erst im Frühjahr vorliegen. Eine Erhöhung um 3 Prozent würde bedeuten, dass die sogenannte Standardrente von derzeit brutto 1383 Euro um gut 41 Euro im Monat steigt. Die Rentenversicherung bestätigte indes zudem, dass ihre Finanzreserve – die Nachhaltigkeitsrücklage – Ende 2017 und wohl auch Ende 2018 mehr als das 1,5-Fache ihrer monatlichen Rentenausgaben ausmachen werde.

Dies ist das gesetzlich verankerte Kriterium für eine Beitragssenkung. Derzeit belaufen sich die monatlichen Rentenausgaben auf 20,8 Milliarden Euro. Selbst mit einer Beitragssenkung auf 18,6 Prozent zum 1. Januar werde die Rentenkasse Ende 2018 noch eine Rücklage von 33 Milliarden Euro haben, sagte Gunkel. Falls die künftige Regierung keine neuen Mehrausgaben wie zuletzt die höhere Mütterrente beschließt, könnte der verringerte Beitragssatz dann für fünf Jahre stabil bleiben. Eine Beitragserhöhung wird laut Gesetz nötig, wenn die Rücklage unter die Schwelle von 0,2 Monatsausgaben zu sinken droht.

Ob die Beitragssenkung kommen soll, ist jedoch unter den Sozialpartnern und unter den potentiellen Jamaika-Koalitionären umstritten. Anders als Gunkel, der die Arbeitgeber in der Rentenversicherung vertritt, warnte Gewerkschaftsvertreterin Annelie Buntenbach davor, neuen Leistungsverbesserungen durch „voreilige Festlegungen einen Riegel vorzuschieben“. In den Koalitionssondierungen setzt sich die FDP klar für Beitragssenkungen ein. Aus der CDU kamen dagegen andere Töne: Ihr Sozialpolitiker Peter Weiß warnte am Dienstag davor, die Rentenkasse mit einer Beitragssenkung finanziell zu „überfordern“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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