Umstrittenes Erdogan-Treffen

Sponsoren von Özil und Gündogan ducken sich weg

Von Christian Geinitz, Wien und Michael Ashelm
 - 12:55
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Die Sponsoren hinter Mesut Özil und Ilkay Gündogan gehen nach dem in der Öffentlichkeit scharf kritisierten Treffen der beiden deutschen Fußball-Nationalspieler mit dem türkischen Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan in Deckung.

„Der Termin von Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan hat nicht im Rahmen ihrer Tätigkeit als Markenbotschafter von Adidas stattgefunden. Aus diesem Grund kommentieren wir das Zusammentreffen nicht“, teilte ein Adidas-Sprecher am Dienstag der F.A.Z mit.

Von Mercedes-Benz, Werbepartner von Özil, hieß es, die Spieler hätten sich von einem politischen Statement distanziert. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nicht weiter dazu äußern.“ Und vom japanischen Computerspielehersteller Konami, der ebenfalls mit Özil verbandelt ist, verlautete schlicht: „Kein Kommentar“.

Erdogan ist bestens im Fußball vernetzt

Die Zusammenkunft am vergangenen Sonntag in London mit Erdogan sorgt weiterhin für Wirbel. Nun äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Befremden. Vor allem sieht es danach aus, als würde sich die Konfrontation zwischen den Fußballverbänden beider Seiten, die sich um die Europameisterschaft im Jahr 2024 bemühen, zuspitzen.

So hat der türkische Verband TFF die Kritik des DFB an dem Treffen von Özil und Gündogan als inakzeptabel zurückgewiesen. Die „diffamierenden Aussagen“ des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, teilte der TFF-Vorsitzende Yildirim Demirören mit. „Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen.“ Demirören, der als Gefolgsmann Erdogans gilt, warf Grindel vor, „den Fußball in die Politik hineinzuziehen“.

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Wirbel um FotosMit Erdogan in Pose gestellt

Der türkische Staatspräsident hat enge Verbindungen in den heimischen Fußball und zu den besten türkischen Spielern. Er unterstützt den aufstrebenden Klub Istanbul Basaksehir FK. Für Erdogan ist die EM-Bewerbung, über die am 27. September vom europäischen Verband in seinem höchsten Funktionärsgremium entschieden wird, ein Prestigeprojekt.

Für Wahlkampfzwecke missbraucht?

Hinter den Kulissen wird seit neuestem die türkische Kampagne von der in der Sportbranche berüchtigten Lobbyagentur Vero Communications aus London unterstützt. Diese hat auch schon den Qatarern die Fußball-WM im Jahr 2022 und Rio de Janeiro Olympia (2014) gebracht. Der DFB lässt sich für die EM von der PR-Agentur Burson-Marsteller beraten.

Grindel hatte Özil und Gündogan am Montag vorgeworfen, sich von Erdogan für Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Er hatte außerdem mitgeteilt, der Fußball und der DFB stünden für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet würden. Demirören teilte mit, es sei „ganz normal“, dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten.

„Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußball-Liebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache“, sagte er. Der TFF werde seinen Wettbewerb um die Europameisterschaft 2024 innerhalb der von der Uefa vorgegebenen Regeln fortsetzen.

Berater fädelte das Treffen ein

Die Türkei ist einziger DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM. Nicht wenige im Fußball erwarten jetzt für die nächsten Monate weitere harte Auseinandersetzungen. Für erheblichen Zündstoff sorgt zusätzlich die politische Lage zwischen Deutschland und der Türkei.

Erdogans Regierungspartei AKP nutzt der Streit postwendend für Wahlkampfzwecke zur Wahl am 24. Juni. Özil und Gündogan wurden beide in Gelsenkirchen geboren, verfügen über die deutsche Staatsangehörigkeit oder sind Doppelstaatsbürger (Gündogan), dennoch bezeichnet sie die AKP in ihrer Propaganda als „türkische Fußballer“.

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Löw zeigt Verständnis Treffen mit Erdogan „keine glückliche Aktion“

Die Reaktionen auf den Auftritt in der staatlich dominierten Presse und im Internet fielen überwiegend positiv aus. Viele türkische Nutzer lobten, dass die berühmten Sportler Erdogan gegenüber „Liebe und Respekt“ bezeugt hätten.

Wie die F.A.Z. aus Kreisen der Londoner Veranstalter erfahren hat, könnte der gemeinsame Berater der Nationalspieler, Erkut Sögüt, die treibende Kraft hinter der Aktion gewesen sein. Mehrere Kontaktversuche zu ihm blieben erfolglos. Sögüt betreibt die Spielerberatung „Family and Football“ und ist Rechtsanwalt. Er vertritt zugleich die Mesut Özil Marketing GmbH in Ratingen, über die Werbeverträge laufen sollen.

Wie zu hören ist, gilt Sögüt in der Branche als Ziehsohn des Beraters von Bundestrainer Joachim Löw, Harun Arslan. Dessen ARP Sportmarketing GmbH hat ihren Sitz in Hannover. Auch Arslan antwortete nicht auf Anfragen. Der für Liverpool aktive deutsche Nationalspieler Emre Can soll die Einladung nach London zu Erdogan nach Informationen der „Welt“ nicht angenommen haben.

Quelle: F.A.Z.
Christian Geinitz
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.
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Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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