Streit um UKW und DVB-T2

Kommt bald nur Testbild im Fernsehen und Rauschen im Radio?

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
 - 18:32

Die Auseinandersetzung um eine mögliche UKW-Abschaltung bedroht den Ruf der Kölner Media Broadcast und ihres Mutterkonzerns Freenet als Medienpartner – und könnte damit auch auf das wichtige Fernsehgeschäft zurückschlagen. „Das, was wir gerade im Bereich der UKW-Verbreitung erleben, erschüttert die Zuverlässigkeit der terrestrischen Verbreitungswege insgesamt, also auch die Hörfunkverbreitung via DAB+ und die Fernsehübertragung mittels DVB-T2 HD“, sagte der Betriebsdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Ulrich Liebenow, der F.A.Z.

Der Mobilfunkanbieter Freenet hatte Media Broadcast vor zwei Jahren übernommen, um sich ein neues Standbein mit Fernsehen und digitalem Rundfunk aufzubauen. Die Infrastruktur für die analoge UKW-Ausstrahlung ist hingegen zum 1. April verkauft worden. Damit hat Freenet einen handfesten Krach ausgelöst, der auch Politik und Medienanstalten auf den Plan gerufen hat.

Drohungen mit einem UKW-Blackout stehen im Raum

Ein großer Teil der Antennen gehört nun fünf Finanzinvestoren. Sie wollen Kasse machen und streiten mit Rundfunkunternehmen und den Sendernetzbetreibern Uplink und Divicon, die die Antennen für die UKW-Ausstrahlung benötigen, über deutlich höhere Mieten. Drohungen mit einem UKW-Blackout stehen im Raum, sollte es bis Ende Juli keine Lösung geben.

Nun gibt es Sorgen, dass sich ein ähnliches Szenario bei DAB+ und DVB-T2 wiederholen könnte. „Dieses Modell des Verkaufs an mehrere Investoren könnte dort ja ebenso zur Anwendung kommen – und auch für ein digitales terrestrisches Signal ist letztlich eine Antenne erforderlich“, sagte Liebenow. Media Broadcast hat kürzlich schon eine Schlappe bei der Vergabe weiterer Ausstrahlungsrechte für den digitalen Rundfunk erlitten: Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte eine entsprechende Ausschreibung und damit den Zuschlag für Media Broadcast aufgehoben.

Aufsicht und Medienanstalten müssten sich die Frage stellen, ob das Kölner Unternehmen überhaupt noch zu einer Neuausschreibung zugelassen werden dürfe, sagte Michael Radomski, Geschäftsführer von Uplink. „Ein Unternehmen, das mit der Abschaltung seiner Sendeinfrastrukturen droht und damit Millionen von Radiohörern träfe, weckt Zweifel an seiner Eignung für solche Aufgaben.“

Auf Drängen der Bundesnetzagentur, die notfalls mit Zwangsmaßnahmen eingreifen will, sitzen die UKW-Streithähne inklusive Media Broadcast seit Mittwoch wieder am Verhandlungstisch. Als Schlichter hat die Bundesregierung den früheren Kanzleramtsminister Friedrich Bohl hinzugezogen. „Radio ist kein beliebiges Wirtschaftsgut“, warnte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ulrich Nussbaum.

Nach Informationen der F.A.Z. aus Teilnehmerkreisen werden auch von Media Broadcast Zugeständnisse erwartet: Das Unternehmen soll den Kaufpreis für seine Antennen nachträglich reduzieren. Die neuen Eigentümer könnten dann ihrerseits, so die Überlegungen, mit ihren Mietpreisen heruntergehen. Ein Sprecher von Media Broadcast wollte dies nicht kommentieren.

Quelle: F.A.Z.
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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