Autonomes Fahren

Fiat schließt sich dem BMW-Zukunftsbündnis an

Von Henning Peitsmeier, München
 - 12:13

Der erste BMW, bei dem der Computer das Steuer übernimmt, soll schon in vier Jahren auf den Markt kommen. Das „i-Next“ genannte Elektrofahrzeug entwickelt BMW gemeinsam mit dem amerikanischen Chipkonzern Intel sowie dem israelischen Kameraspezialisten Mobileye. Jetzt ist der italienisch-amerikanische Autohersteller Fiat-Chrysler dem Bündnis beigetreten. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden, gaben die Unternehmen an diesem Mittwoch bekannt.

Bereits in den vergangenen Monaten waren mit den Autozulieferern Delphi und Continental zwei weitere Partner zu der seit einem Jahr bestehenden Technologieplattform für das autonome Fahren hinzugekommen. Fiat-Chrysler ist nun der erste Autohersteller, der sich anschließt. Und er soll nicht der letzte bleiben, wie aus dem Hause BMW versichert wird. „Wir verhandeln noch mit anderen“, sagte ein Konzernsprecher.

Mehrere Bündnisse treten gegeneinander an

Bei dem selbstfahrenden Auto spielen Hochleistungsprozessoren und -sensoren eine genauso wichtige Rolle wie automatisierte Bildauswertung, die selbstlernende Karte und Künstliche Intelligenz. Die Bündnispartner wollen ein Fahrzeug auf die Straße bringen, bei dem der Fahrer während der Fahrt lesen oder Emails schreiben kann und nur in besonderen Situationen wieder zum Lenkrad greifen muss.

In der Branche sind eine Vielzahl solcher Technologiebündnisse entstanden, darunter die Partnerschaft von Daimler und Bosch, die dasselbe Ziel verfolgen. „Um die Technologie für autonomes Fahren voranzubringen, sind Partnerschaften unter Autobauern, Technologieanbietern und Zulieferern unverzichtbar", sagte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne. Fiat Chrysler will nach seinen Worten nicht nur die eigene technische Kompetenz in die Partnerschaft einbringen, sondern auch die Vertriebsstärke auf dem nordamerikanischen Markt.

Im Kern geht es den Partnern darum, das eigene System zu einem Standard für die Branche zu entwickeln und auch an andere Hersteller zu verkaufen. Deshalb sind Zulieferer wie Delphi und Continental wichtig, die künftig auch Systemzulieferer in der Welt der fahrerlosen Autos sein müssen.

Fiat-Chrysler stellt bislang die Roboterautos von „Waymo“ bereit. Das ist eine der Tochtergesellschaften des Internetkonzerns Alphabet, zu dem auch das Geschäft mit der Suchmaschine Google gehört. Waymo ist im vergangenen Jahr aus dem Google-Projekt für selbstfahrende Autos entstanden. Daran forscht Google schon seit acht Jahren.

Für Waymo hat Fiat-Chrysler seinen Minivan Pacifica entsprechend umgebaut. Dass sich Fiat-Chrysler nun aber dem BMW-Bündnis zuwendet, wird in München als Beleg dafür gesehen, mit dem eigenen Projekt auf einem vielversprechenderen Weg zu sein.

Tatsächlich wird am Ende nicht jeder Hersteller seine eigene technische Plattform aus Sensoren, Rechenleistung und Künstlicher Intelligenz haben. Fachleute gehen davon aus, dass nur eine kleine Zahl von Plattformen übrig bleiben wird, auch weil strenge Sicherheitsregeln für die Systeme einen Standard begünstigen. Denn eines Tages wird die Technik für autonomes Fahren in jedem Auto so selbstverständlich sein wie heutzutage Airbags oder Antiblockiersysteme.

Erklärvideo
Wie funktionieren selbstfahrende Autos?
© afp, afp
Quelle: FAZ.NET
Henning Peitsmeier - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Henning Peitsmeier
Wirtschaftskorrespondent in München.
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