Spielemesse E3

Microsoft bläst zur Aufholjagd gegen Sony

Von Roland Lindner
 - 17:10

Das Geschäft mit Videospielkonsolen ist seit einigen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der amerikanische Microsoft-Konzern hat von seiner letzten Konsole Xbox 360 ähnlich viele Exemplare verkauft wie der japanische Rivale Sony von seiner Playstation 3. Seit der Einführung der neuen Generation von Konsolen im vergangenen Herbst hat sich das Bild aber zugunsten von Sony gewandelt. Die Playstation 4 hat sich bislang sieben Millionen mal verkauft, dagegen liegt Microsoft mit seiner Xbox One nur bei einem Absatz von fünf Millionen Stück.

Das ist die Ausgangslage für die Videospielmesse E3, die an diesem Dienstag in Los Angeles begonnen hat. Microsoft und Sony luden schon am Tag vor dem offiziellen Messebeginn zu Pressekonferenzen ein. Während im vergangenen Jahr die Konsolen im Mittelpunkt standen, dreht sich das Geschehen diesmal vor allem um die Spiele selbst.

Dabei hat insbesondere Microsoft ganz andere Schwerpunkte gesetzt als noch im vergangenen Jahr. So positionierte der Konzern die Xbox One damals als Multifunktionsgerät, das zu einer zentralen Schaltstelle im Wohnzimmer wird und jenseits von Videospielen auch für andere Formen der Unterhaltung wie Fernsehen genutzt wird. Sony zielte dagegen mit seiner Playstation 4 von Anfang an auf die Kernzielgruppe der Spiele-Enthusiasten ab. Diesmal sprach auch Microsoft in erster Linie die Hardcore-Spielefans an und konzentrierte sich bei seiner Präsentation auf kommende Spiele-Titel.

Neue „Halo“-Episode

Microsoft hat noch auf andere Weise seinen Kurs geändert: Der Konzern brachte die Xbox One zunächst inklusive des Bewegungssensors Kinect heraus, ließ sich dieses Extra aber auch bezahlen. Die Microsoft-Konsole kostete in Deutschland anfangs 499 Euro und damit rund 100 Euro mehr als die Playstation 4. Der Preisunterschied wird von Analysten als ein Grund dafür angeführt, warum Sony im Rennen der neuen Konsolen-Generationen bislang vorne liegt. Zwischenzeitlich wurde der Preis für die Xbox One in Deutschland schon auf 449 Euro gesenkt, und nun geht Microsoft noch einen Schritt weiter: Die Konsole wird seit wenigen Tagen auch in einer Version ohne den Kinect-Sensor angeboten, die 399 Euro kostet und damit genau auf dem derzeitigen Niveau der Playstation 4 liegt.

Microsoft und Sony versuchen in Los Angeles, sich gegenseitig mit der Ankündigung neuer Spiele-Titel zu überbieten, die sie entweder exklusiv im Programm haben oder zumindest früher als der jeweilige Rivale. So stellte Sony den in der Branche mit Spannung erwarteten Action-Titel „Destiny“ vor, hinter dem die gleichen Entwickler stehen, von denen auch die extrem erfolgreiche Xbox-Spielereihe „Halo“ stammt.

„Destiny“ soll zuerst für die Playstation 4 verfügbar sein und erst später für die Xbox One. Microsoft wiederum zeigte ein für die Xbox exklusives Action-Spiel mit dem Namen „Sunset Overdrive“. Der Konzern wird außerdem die ersten vier „Halo“-Teile in einem neuen Paket für die Xbox One herausbringen. Der fünfte Teil von „Halo“ wird im kommenden Jahr erwartet.

Steven Spielberg für eigene Serie

Indessen hat auch Sony Anleihen von Microsoft genommen: So wollen auch die Japaner jetzt exklusive Medieninhalte jenseits von Videospielen für ihre Spiele-Konsolen produzieren. Das Unternehmen kündigte an, eigene Fernsehshows herzustellen, die über die Playstation abgespielt werden. Dazu gehört eine Show auf Basis der Comic-Serie „Powers“. Microsoft hat schon im vergangenen Jahr bei der Vorstellung der Xbox One die Produktion einer Fernsehserie angekündigt, die sich um „Halo“ drehen soll. Dafür wurde Steven Spielberg als Produzent rekrutiert.

Auf die Produktion eigener Inhalte setzen immer mehr Unternehmen, die nicht zum klassischen Hollywood-Betrieb gehören, so wie zum Beispiel die Online-Videothek Netflix oder der Internethändler Amazon.com. Sony betritt mit seiner Initiative freilich nicht wirklich Neuland, schließlich gehört dem Konzern schon ein Hollywood-Studio.

Sony hat in Los Angeles auch wieder seine für die Playstation 4 entwickelte Videobrille mit dem vorläufigen Namen „Project Morpheus“ dabei, die es Nutzern erlaubt, in virtuelle Welten einzutauchen. Der Konzern machte aber keine Angaben, wann das Gerät auf den Markt kommen könnte und zu welchem Preis. Das Segment solcher Videobrillen hat aber in jüngster Zeit allgemein sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Das soziale Netzwerk Facebook kündigte im März die Übernahme des Videobrillenherstellers Oculus VR für mindestens 2 Milliarden Dollar an. Facebook sagte damals, die Oculus-Brille solle künftig nicht nur in Videospielen zum Einsatz kommen, sondern auch in anderen Industrien.

Generell befinden sich Microsoft und Sony mit ihren neuen Konsolen in einer ganz anderen Ausgangslage als bei den vorherigen Generationen. Denn seit deren Einführung im Jahr 2005 hat sich der Videospielemarkt rasant verändert. Smartphones und Tabletcomputer, die damals noch kaum auf dem Markt waren, sind zu konkurrierenden Plattformen für Videospiele geworden.

Kostenlose und billige Spiele für diese Geräte haben das Geschäftsmodell der Branche mit Konsole und zugehöriger Spiele-Software ins Wanken gebracht. Das Marktforschungsinstitut Gartner zeigt sich dennoch optimistisch und erwartet, dass der globale Umsatz der Branche in diesem Jahr von 93,3 Milliarden auf 101,6 Milliarden Dollar steigt. Für 2015 sagt Gartner sogar mehr als 111 Milliarden Dollar voraus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenSteven SpielbergDeutschlandLos AngelesMicrosoft