Gute Aussichten

Die Wirtschaft läuft weiter rund

 - 08:48

Der Aufschwung in Deutschland hat zum Ende des Jahres 2016 an Tempo gewonnen. Getrieben von Konsum und Bauboom legte das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember gegenüber dem dritten Quartal um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Im dritten Vierteljahr war die Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent gestiegen.

Im Gesamtjahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent und damit so stark wie zuletzt vor fünf Jahren, wie die Behörde vorläufige Zahlen bestätigte. Die Kauflust der Bundesbürger und die Ausgaben des Staates, auch für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge, trugen zum Wachstum bei. Vielen Verbrauchern sitzt das Geld locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird. Die niedrige Inflation erhöht die Kaufkraft zusätzlich - auch wenn die Teuerung zuletzt wegen gestiegener Energiepreise deutlich anzog. Auch der anhaltende Immobilienboom sorgte für Schwung.

Obwohl Deutschlands Exportwirtschaft 2016 das dritte Rekordjahr in Folge hingelegt hatte, bremste der Außenhandel nach vorläufigen Berechnungen das Wachstum. Die Importe stiegen deutlich stärker als die Ausfuhren. Die deutsche Wirtschaft startet damit insgesamt mit Rückenwind in das Jahr 2017.

Ökonomen rechnen mit einer Fortsetzung des Aufschwungs. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer legt die anziehende Nachfrage aus dem Ausland auch für das erste Quartal 2017 ein ordentliches Plus nahe. Allerdings dürften die privaten Konsumausgaben nicht mehr ganz so stark steigen wie 2016, erwartet das Marktforschungsunternehmen GfK. Die steigende Inflation dürfte die Konsumlust mancher Bundesbürger dämpfen.

Energiepreise treiben die Inflation weiter

Zu Jahresbeginn ist diese auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren angestiegen. Im Januar kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und eine frühere Schätzung bestätigte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent. Damit liegt sie wieder im Zielbereich der Europäische Zentralbank: Sie erachtet mittelfristig Werte von knapp unter zwei Prozent in der Währungsunion als ideal für die Wirtschaft.

Wichtigster Preistreiber war die Energie: Sie kostete 5,9 Prozent mehr als im Januar 2016. Heizöl verteuerte sich mit 42,5 Prozent besonders stark, ebenso Kraftstoffe mit 12,8 Prozent. Das Ölkartell Opec hatte sich Ende 2016 erstmals seit 2008 auf eine Förderkürzung geeinigt, was für steigende Preise sorgte und jetzt bei den deutschen Verbrauchern ankommt.

Berlin
Deutsche Export-Lobby sieht Trump als Gefahr
© dpa, reuters

Die deutschen Verbraucher müssen sich auch im Gesamtjahr auf eine deutlich höhere Inflation einstellen. Die Preise werden der EU-Kommission zufolge in diesem Jahr mit 1,9 Prozent fast fünfmal so stark zulegen wie 2016. 2018 soll die Inflationsrate auf 1,5 Prozent sinken.

Sorgen bereiten Ökonomen derweil die Abschottungspläne von Donald Trump. Sie befürchten Einbußen für den Wohlstand, sollte der Republikaner seinen Anti-Globalisierungs-Kurs voll umsetzen. Aus Sicht der EU-Kommission sind die politischen Unsicherheiten in diesem Jahr so hoch wie lange nicht.

Quelle: bfch./Reuters/dpa
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutschlandEuropäische Kommission