Share Deals-Kommentar

Unfairer Vorwurf

Von Michael Psotta
 - 10:11

Hartnäckig hält sich die Interpretation, dass Unternehmen trickreich die Steuern umgehen, wenn sie die Ausnahmeregelung der Share Deals nutzen. Sie sieht vor, dass bei einem Kauf von Immobilien dann keine Grunderwerbsteuer anfällt, wenn ein anderes Unternehmen gleichzeitig mindestens 5 Prozent plus eine Aktie erwirbt. Über den Sinn dieser Regelung kann man durchaus streiten. Für sie spricht, dass sie Immobilientransaktionen verbilligt – so manche Kommune hat vor Jahren durch die spezielle Konstruktion der Share Deals leichter Käufer für ihre großen Wohnungspakete gefunden und damit ihre Kassenlage entspannen können.

Zudem gibt es steuersystematische Gründe für die Share Deals: Sie passen zu der Regelung von Unternehmensbeteiligungen, dass ein Großeigentümer mit mehr als 95 Prozent der Anteile die Kleinaktionäre abfinden kann, andererseits also bei weniger als 95 Prozent kein uneingeschränktes Eigentumsrecht besitzt. Gegen Share Deals spricht, dass sie von normalen Bürgern etwa beim Wohnungskauf nicht nutzbar ist, weil extra eine Gesellschaft gegründet und ein Partner gesucht werden muss.

Das wiederum erweckt den Eindruck, dass Share Deals ein Schlupfloch für große Unternehmen sind. Politiker von Union und SPD wollen Share Deals ausdrücklich abschaffen. Das können sie im Rahmen ihrer politischen Mandate natürlich auch tun. Doch bei aller grundsätzlichen Einigkeit scheint das seine Tücken zu haben, sei es aus formaljuristischen oder steuersystematischen Gründen. Solange die Share-Deal-Konstruktion aber noch steht, ist es geradezu unfair, den Investoren Vorwürfe in der Nähe der Steuerflucht zu machen, die diese legale Form der Steuervermeidung nutzen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Psotta, Michael (pso.)
Michael Psotta
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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