„Positiv für das Wachstum“

Das hier ist die Hochburg für Arbeitsmigranten

Von Christoph Hein, Canberra
 - 16:12

Während Deutschland über die Einwanderung nachdenkt, hat Südostasien Pflöcke eingerammt. „Mit Blick auf den Grenzübertritt von Arbeitsimmigranten ragt Südostasien weltweit heraus“, sagte Sudhir Shetty, Chefökonom der Weltbank für Ostasien, an diesem Montag. Dennoch steht auch Südostasien erst am Anfang eines offeneren Arbeitsmarktes.

Die Fachleute der Weltbank kritisieren „eine unangemessene Politik und ineffektive Institutionen“, die zu „verschenkten Möglichkeiten“ führten. „Für Malaysia zeigen Simulationen, dass 10 Prozent mehr gering ausgebildete Arbeitsimmigranten die Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent steigern könnten. In Thailand zeigen jüngste Analysen, dass die Wirtschaftsleistung ohne Gastarbeiter um 0,8 Prozent fiele.“ Kurz gesagt: „Die meisten Beispiele aus Asean-Ländern belegen, dass Immigration einen positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat.“

Ausländische Arbeiter sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Migration in der Region der zehn Asean-Länder hat zwischen 1995 und 2015 enorm zugenommen. Malaysia, der Stadtstaat Singapur und Thailand sind die Hochburgen mit rund 6,5 Millionen Migranten.

Längst sind die ausländischen Arbeiter ein enormer Wirtschaftsfaktor, senden sie doch mehr als 60 Milliarden Dollar jährlich in ihre südostasiatischen Heimatländer. Diese Überweisungen tragen 10 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Philippinen bei, 7 Prozent in Vietnam, 5 Prozent in Burma (Myanmar) und 3 Prozent in Kambodscha.

Dabei wird die Wanderung der Arbeiter – wie auch in Europa – von der Vielfalt der Region angeheizt: Das reichste Land Südostasiens ist 25 Mal wohlhabender als das ärmste. Das mittlere Alter des „ältesten“ Landes der Region liegt fast beim Doppelten des „jüngsten“. Und während einige zu wenig Arbeiter zählen, drückt andere eine wachsende Arbeitslosigkeit.

Der Durchschnittslohn in der Millionärsstadt Singapur liegt mindestens beim Fünffachen jedes der anderen neun Asean-Länder. Ein kambodschanischer Arbeiter kann das Dreifache in Thailand verdienen. Grundsätzlich hebt die Migration auch das Lohnniveau in den Sender-Ländern. Allerdings, dies räumt auch die Weltbank ein, geraten schlecht ausgebildete Arbeiter in den Empfängerländern als erste unter Druck, wenn Arbeiter aus anderen Ländern kommen.

„Ganz gleich, wohin Arbeiter in Asean ziehen wollen, liegen ihre Kosten dafür beim Mehrfachen des jährlichen Lohns“, kritisiert die Weltbank. Ihre Ökonomen schätzen, dass der Abbau der Barrieren die soziale Lage gut ausgebildeter Arbeiter in der Asean-Region um 14 Prozent, diejenige aller Arbeiter um 29 Prozent verringern würde. Gerade die Ärmsten stehen unter Druck. „Sie suchen den informellen, oftmals gefährlicheren Weg, um die Kosten für den formalen, sichereren Weg zu sparen.“

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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