Daimler-Kommentar

Tanz mit dem Drachen Li Shufu

Von Susanne Preuß
 - 17:15

Was will Li Shufu? Die Frage beschäftigt das Daimler-Management, die Daimler-Mitarbeiter, die Daimler-Investoren. Eine Antwort hat Li Shufu gerade gegeben, in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. Ganz klar ist dort herauszulesen, dass er Kooperationen für den richtigen Weg hält, und zwischen den Zeilen steht, dass er die Bereitschaft dafür vom Daimler-Vorstand erwartet. Li Shufu betont gleichzeitig, dass er die unabhängige Arbeit des Managements schätzt.

Das stimmt wahrscheinlich – schließlich sind die Erfolge von Daimler genau in dieser Unabhängigkeit entstanden. Das aber heißt nicht, dass man in Stuttgart den Chinesen ignorieren sollte, auch wenn er nur einen kleinen Aktienanteil hat. Nicht umsonst ist es Li Shufu gelungen, innerhalb von zwei Jahrzehnten ein Milliardenimperium aufzubauen. Gerade wegen der gewaltigen kulturellen Unterschiede ist es aber extrem schwierig, Vertrauen zu fassen.

Wie wichtig das als Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit ist, muss gerade Dieter Zetsche wissen: er war dabei, als mit Chrysler vor ziemlich genau 20 Jahren die „Hochzeit im Himmel“ geschlossen wurde, und er hat später als Konzern-Chef die Scherben zusammen gefegt. Missverständnisse mit den Chinesen, so steht zu befürchten, wären nicht so glimpflich zu überstehen.

Quelle: F.A.Z.
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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