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Amerika importiert mehr Autos aus ... Mexiko

 - 08:10

Mit keiner anderen Industriebranche hat sich der amerikanische Präsident Donald Trump öffentlich bislang so angelegt wie mit den Autoherstellern. Er droht ihnen etwa über den Kurznachrichtendienst Twitter Strafen an, sollten sie Produktion aus den Vereinigten Staaten in andere Länder verlagern. Er mahnte sogar ausländische Hersteller, neue Fabriken gefälligst innerhalb der Vereinigten Staaten zu bauen und schon gar nicht im südlichen Nachbarland: Mexiko. So sehr sich Trump die Autobranche unter den Industriesparten herausgriff und kritisierte, so überzog er Mexiko mit Kritik, besser gesagt: den Umgang amerikanischer Regierungen (vor ihm) mit dem Land.

Nun zeigt sich: Die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung lässt sich von Trumps Rhetorik bisher zumindest offenbar nicht beeindrucken. Die Vereinigten Staaten importierten in der ersten Hälfte dieses Jahres, also im Grunde seit Trumps Amtsantritt, 1,16 Millionen Autos aus Mexiko, berichtet der Finanzsender CNBC und beruft sich auf Zahlen des Verbandes der mexikanischen Automobilindustrie. Das waren beinahe 16 Prozent mehr als in der entsprechenden Zeit des vergangenen Jahres.

Tausende Stellen weniger

Überdies ist auch der Anteil der Vereinigten Staaten an den mexikanischen Autoausfuhren gewachsen: 76,8 Prozent aller in den ersten sechs Monaten dieses Jahres aus Mexiko exportierten Autos gingen danach in das nördliche Nachbarland; der Anteil hat sich verglichen mit dem vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt erhöht.

Es ist zudem nicht die einzige Nachricht über diese wichtige Wirtschaftsbranche, die Trump ausweislich seiner Verlautbarungen nicht gefallen dürfte. Denn gerade erst berichtete die „New York Times“, dass in Amerikas Autofabriken seit Jahresbeginn mehrere tausend Stellen abgebaut worden sind.

Die Zeitung berief sich auf die offiziellen Zahlen des Arbeitsministeriums in Washington - demnach waren es um April 206.000 Angestellte gewesen. Im vergangenen Jahr waren es noch in der Spitze 211.000 gewesen – ein Wert, der um 55 Prozent über dem Tiefpunkt infolge der Finanzkrise gelegen habe.

„Es gab eine beständige Verringerung der Produktion in den zurückliegenden sechs Monaten, und was in den kommenden sechs Monaten folgt, könnte durchaus alarmierend sein“, sagte Automobil-Experte Ron Harbour vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman der „New York Times“.

Fachleute argumentieren, dass höhere Zinsen und teurer gewordene Autokredite Konsumenten zunehmend zurückhaltender werden ließen. „Höhere Zinsen und Unsicherheit über die Fiskalpolitik werden das Wirtschaftswachstum abschwächen und könnten Gegenwind für die Autoverkäufe werden“, zitiert die Zeitung Charlie Chesbrough, Ökonom des Forschungsunternehmens Cox Automotive.

Quelle: ala.
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