Vor dem G20-Gipfel

„Deutschland hat eine Sonderstellung in der Globalisierung“

 - 11:30

Die wirtschaftliche Globalisierung nutzt den deutschen Arbeitnehmern - allerdings nicht allen. „Deutschland profitiert in vielen Bereichen erheblich vom Außenhandel“, heißt es in einer an diesem Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Folgen für die Beschäftigung vorteilhafter, insbesondere verglichen mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

So hätten die zunehmenden Handelsverflechtungen mit der mittlerweile zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China und mit den Ländern in Osteuropa den Rückgang der Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe hierzulande zumindest gebremst. Auch habe die Globalisierung vielen Arbeitnehmern in der deutschen Industrie höhere Löhne ermöglicht.

Beispiel Schuhindustrie

Die Ökonomen kommen allerdings zu einem brisanten Befund, der sich auch in politischen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit spiegelt: „Der Vergleich mit ähnlichen Studien aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Dänemark und Norwegen zeigt, dass Deutschland eine Sonderstellung einnimmt und andere Länder durchaus Jobverluste verzeichnen mussten.“

Die Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen und Jens Südekum schreiben in ihrer Untersuchung weiter: „Während Exportchancen in einigen Branchen zu besseren Verdienstmöglichkeiten geführt haben, führte die Importkonkurrenz dazu, dass manche Beschäftigte ihre Jobs verloren haben.“

Ein Teil dieser Menschen „musste nach einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit in den Dienstleistungssektor wechseln“. Besonders stark sei die Beschäftigung denn auch in jenen Branchen zurückgegangen, die sich einer wachsenden Konkurrenz durch ausländische Unternehmen und deren Produkten gegenübersehen. Qualifikationsmaßnahmen könnten den Wechsel in eine andere Branche oder in den Dienstleistungssektor erleichtern.

Gewinner und Verlierer der Globalisierung sind der Studie zufolge nicht einheitlich über das ganze Land verteilt. Ein Grund dafür sei, dass Wirtschaftszweige oftmals in einzelnen Regionen konzentriert seien. Mit Blick auf Deutschland nennen sie als Beispiel etwa die Schuhindustrie: Deren Rückgang habe etwa die gesamte Region Südwestpfalz in eine Schieflage gebracht. Leide eine ganze Region aufgrund ihrer Spezialisierung unter der Importkonkurrenz, werde es für den Einzelnen schwieriger, eine neue Stelle zu finden.

Hier empfehlen die IAB-Forscher gezielte Qualifikationsmaßnahmen und Mobilitätshilfen. Das IAB ist die Forschungsabteilung der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: ala./Reuters
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutschlandUSAIABReuters