Krise in der Insolvenz

Dobrindt knöpft sich Air-Berlin-Piloten vor

 - 07:13
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Nach den massenhaften Krankmeldungen bei Air Berlin hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Rückkehr der Piloten an den Arbeitsplatz gefordert. „Die Insolvenz von Air Berlin ist eine große Belastung für alle Mitarbeiter, vor allem auch wegen der Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Arbeitsplätze. Aber gerade deswegen ist es wichtig, den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrecht zu erhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen,“ sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte den Zusammenhalt von Belegschaft und Unternehmen. „Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen“, sagte Zypries. Die Fluggesellschaft Air Berlin sieht ihre Rettung durch Krankmeldungen vieler Piloten in Gefahr. Denn mitten im Verkaufsprozess musste man am Dienstag rund 100 Flüge streichen und dürfte damit weiteres Vertrauen bei den Kunden verloren haben. Am Mittwochmorgen wurden 32 Flüge wegen Krankmeldungen gestrichen. Besonders betroffen seien der Flughafen Berlin-Tegel mit sieben und der Flughafen Düsseldorf mit fünf Ausfällen, teilte eine Sprecherin der Fluglinie mit.

An diesem Mittwoch fallen vermutlich wieder zahlreiche Flüge aus. Es „liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor“, schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und seine Kollegen Oliver Iffert und Martina Niemann am Dienstag in einem internen Brief an die Piloten. Wie viele Flüge tatsächlich betroffen sind, wollte die Airline am Mittwochmorgen bekanntgeben. Der Flughafen Düsseldorf teilte bereits mit, Air Berlin habe für Mittwoch 30 Starts und Landungen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gestrichen. Eigentlich waren für Mittwoch 182 Starts und Landungen von Air-Berlin-Fliegern in Düsseldorf geplant.

Schon am Dienstag hatten sich etwa 200 Kollegen zumeist kurzfristig krank gemeldet. Mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Die Kosten für die Airline beliefen sich nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Zunkunft von Air Berlin
Bürgermeister Müller: Die Arbeitnehmer nicht vergessen
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Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Betriebsrat rief die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte: „Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen.“ Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es „entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren“.

Die abermaligen Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zudrehte. Nun lotet der Sachwalter Lucas Flöther zusammen mit dem Management Lösungen für eine Sanierung aus.

Chinesischer Bieter für Air Berlin

Derweil ist hat sich einem Medienbericht zufolge ein neuer Interessent ins Bieterverfahren um die insolvente Fluggesellschaft eingeschaltet. Wie die „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) vorab berichtet, hat die chinesische Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, LinkGlobal, in einer schriftlichen Absichtsbekundung ihr Interesse an einer Übernahme von Air Berlin mitgeteilt. „Wir wurden informiert, dass Air Berlin einen verlässlichen Investor für eine Übernahme sucht. Hiermit bekunden wir unser Interesse und unsere Absicht in dieser Angelegenheit“, zitierte das Blatt den Geschäftsführer von LinkGlobal, Jonathan Pang, aus einem Schreiben, das auf den 31. August datiert sei.

Ein konkretes Angebot soll demnach vor Ablauf der Frist an diesem Freitag um 14.00 Uhr beim Insolvenzverwalter eingereicht werden. Offenbar plane Pang eine Verlegung der Airline nach Parchim. „Wir glauben, dass wir eine Win-Win-Situation für Air Berlin und den Flughafen Parchim schaffen können, wenn wir die Basis der Fluggesellschaft auf unseren Flughafen in Parchim verlegen können“, schreibt Pang laut der Zeitung weiter. Der Insolvenzverwalter von Air Berlin äußerte sich auf Anfrage des Blattes nicht zu dem Schreiben.

Quelle: mben./rad./Reuters/dpa
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