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Attentat in Las Vegas

Der Todesschütze hilft den Waffenherstellern

Von Norbert Kuls, New York
 - 08:38
In Amerika steigt der Umsatz der Schusswaffenhersteller nach Amokläufen. Bild: EPA, F.A.Z.

Die Börsenreaktion auf das jüngste Massaker in Las Vegas folgte einem in den vergangenen Jahren gefestigten Muster. Die Aktienkurse bekannter amerikanischer Schußwaffenhersteller wie Sturm Ruger oder American Outdoor Brands, ehemals Smith & Wesson, kletterten am Montag und am Dienstag überdurchschnittlich stark, nachdem am Sonntagabend ein 64 Jahre alter Mann in Las Vegas mit Schnellfeuergewehren 59 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt hatte.

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Ein Grund für diese Reflexreaktion ist die Furcht vor schärferen Waffengesetzen, oder zumindest vor einer Debatte über Restriktionen. In der Vergangenheit waren Umsätze und Aktienkurse von Waffenherstellern in den Monaten nach großen Massakern in der Regel gestiegen, weil sich Amerikaner mit Schusswaffen eindeckten, bevor eventuelle Verbote griffen. Ein weiterer Grund: die Überzeugung vieler Amerikaner, sich mit Waffen vor Kriminalität schützen zu können.

Ähnlich stark kletterten am Montag auch die Aktienkurse von Einzelhandelsketten, die auf Sportartikel spezialisiert sind. Dazu gehören in weiten Teilen der Vereinigten Staaten auch Handfeuerwaffen und halbautomatische Sturmgewehre, die im euphemistischen Jargon der Branche „moderne Sportgewehre“ heißen. Der Aktienkurs von der Kette Big 5 Sporting Goods kletterte am Montag um knapp 4 Prozent, der des Konkurrenten Dick’s Sporting Goods um knapp 2 Prozent. Am Dienstag gaben die Titel wieder etwas nach. Die Kursentwicklung ähnelte dem Trend nach dem Anschlag auf einen Nachtclub in Orlando im Juni 2016, als 49 Menschen starben, und dem Anschlag in San Bernadino im Dezember 2015, als 14 Menschen erschossen wurden.

„Obama ist der beste Waffenverkäufer des Planeten“

Die politische Debatte wird sehr kontrovers und weitgehend entlang verhärteter Parteilinien geführt. Waffenhersteller räumen unumwunden ein, dass die Nachfrage stark von der politischen Stimmung abhängt. „Spekulationen um verschärfte Waffenkontrolle auf Bundes-, Landes-, und Gemeindeebene sowie gesteigerte Angst vor Terrorismus und Kriminalität kann die Nachfrage von Verbrauchern beeinflussen“, hieß es im Jahresbericht von American Outdoor Brands.

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Während der achtjährigen Präsidentschaft von Barack Obama schwelte in der Branche eine latente Angst vor schärferen Gesetzen. Obama hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass diese „Art massenweiser Gewalttätigkeit“ in anderen fortschrittlichen Ländern nicht so häufig vorkomme. Er machte aber auch immer frustriert klar, dass es angesichts der verhärteten Fronten in Washington wenig Aussicht auf schärfere Gesetze gab. Noch nicht einmal der Anschlag auf die Grundschule von Newtown im Dezember 2012, bei dem 20 Erstklässler und sechs Angestellte der Schule erschossen wurden, führte zu härteren landesweiten Gesetzen – wohl aber zu florierenden Umsätzen der Waffenhersteller. Besonders der Absatz „moderner Sportgewehre“ war im Jahr danach gestiegen.

Der Aktienkurs allein von Sturm Ruger hatte sich in der Amtszeit Obamas nahezu verzehnfacht. „Obama ist der beste Waffenverkäufer des Planeten“, hatte der Fondsmanager Louis Navellier aus Reno, Nevada, einmal gesagt. Obwohl sich einige staatliche Pensionsfonds in den vergangenen Jahren aus politischen Gründen von Waffenaktien trennten, hatten Kunden von Navellier keine Bedenken. „Die wollen nur, dass wir für sie Geld verdienen“, sagte er.

Exportbeschränkungen für amerikanische Waffen lockern

Mit der Präsidentschaft des Republikaners Donald Trump ist das Geldverdienen allerdings schwieriger geworden. Die Aktienkurse der Waffenhersteller und Einzelhändler sind seit der Trump-Wahl trotz der jüngsten Erholung prozentual zweistellig gesunken. Trump wurde im Wahlkampf von der einflussreichen Waffenlobby National Rifle Association NRA mit mehr als 30 Millionen Dollar unterstützt. Aber gleichzeitig sank mit dem Wunschpräsidenten der NRA die Angst vor härteren Gesetzen. Der Umsatz von Sturm Ruger war im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent gefallen, die Einnahmen von American Outdoor Brands gingen sogar um 40 Prozent zurück.

In seiner Reaktion auf das Massaker in Las Vegas vermied Trump Hinweise auf Waffengesetze. Im Repräsentantenhaus kursiert aber ein Gesetzesvorschlag, der die Restriktionen für Schalldämpfer lockern würde – was einen neuen Absatzmarkt für die Branche eröffnen würde. Zudem will die amerikanische Regierung auch die Exportbeschränkungen für amerikanische Waffen lockern. Branchenvertreter hoffen auf jährliche Umsatzsteigerungen um bis zu 20 Prozent.

Quelle: F.A.Z.
Norbert Kuls
Freier Autor in der Wirtschaft.
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