Gesichtserkennung

China hat das wertvollste KI-Startup der Welt

Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai
 - 07:04

Jede Unternehmensbewertung ist eine Wette auf die Zukunft – kein Wunder, dass der chinesische Gesichtserkennungsspezialist Sensetime seine Bewertung innerhalb weniger Monate auf 3 Milliarden Dollar verdoppelt hat. Die Firma will an Chinas Plan zur Totalüberwachung verdienen, einem der größten Wachstumsmärkte der Welt.

Bereits im vergangenen Jahr war Sensetime das erste „Einhorn“ (Unicorn) der Sonderverwaltungszone Hongkong, womit Start-up-Unternehmen bezeichnet werden, die von ihren Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurden.

Jetzt hat die chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba zusammen mit anderen Investoren 600 Millionen Dollar in Sensetime gesteckt, wodurch der Wert des Unternehmens auf dem Papier stark angestiegen ist. Auch der amerikanische Halbleiterhersteller Qualcomm hat in Sensetime investiert. Eine Übernahme von Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom aus Singapur hatte Amerikas Präsident Donald Trump aus Gründen der nationalen Sicherheit gerade verboten.

Sensetime, dessen Software auf über 100 Millionen chinesischen Smartphones installiert ist, ist ein Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz. Es plant, in mindestens fünf der größten Städte Chinas Supercomputer zu bauen, in denen die Gesichtserkennung aus 100.000 Live-Übertragungen von Verkehrsüberwachungskameras, Bankautomaten oder auch normalen Smartphones in einem einzigen System ausgewertet werden. So soll die Software polizeilich Gesuchte erkennen.

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Mobile World CongressK.I. überholt Smartphones

Kritiker sehen darin einen ersten Schritt zum perfekten Überwachungsstaat. Die früheren Wissenschaftler der Chinese University of Hong Kong, die das Unternehmen im Jahr 2014 gegründet haben, streiten das natürlich ab. Die Gefahr, dass Chinas Überwachungsbehörden zum Beispiel in der westlichen Unruheprovinz Xinjiang die muslimische Minderheit mit Sensetime überwachen lassen, tun die Gründer mit dem lapidaren Hinweis ab, nur autorisierte Institutionen hätten Zugriff auf die Auswertungen von Millionen Gesichtsprofilen.

Quelle: FAZ.NET
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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