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Alternative zur E-Mail

Netzagentur erzwingt höheren Preis für E-Postbrief

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
© dpa, F.A.Z.

Es ist ein Weihnachtsgeschenk, auf das die Deutsche Post wohl lieber verzichtet hätte: eine unerwartet starke Preiserhöhung für den E-Postbrief. Auf Anordnung der Bundesnetzagentur muss die Post ihren Kunden vom kommenden Jahr an 44,5 Cent für die „klassische“ Zustellung eines digitalen Standardbriefes berechnen, 2,5 Cent mehr als bisher. Beantragt hatte der Konzern eine Anhebung um nur einen Cent.

Nach Einschätzung der Regulierungsbehörde hat die Post dabei aber einen Teil ihrer Kosten unrealistisch niedrig angesetzt, was ihr einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil verschaffen würde. Auf dem sehr preisempfindlichen Markt könnte der saftige Aufschlag dazu führen, dass die Gewinnung neuer Geschäftskunden schwieriger wird, hieß es aus der Branche. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern. Allerdings schloss er aus, dass die Post gerichtlich gegen die Entscheidung der Netzagentur vorgeht.

E-Postbrief soll sichere Alternative zur E-Mail sein

Den E-Postbrief hatte die Deutsche Post im Jahr 2010 mit riesigem Tamtam auf den Markt gebracht und als sichere Alternative zur E-Mail beworben. Nach früheren Angaben des Konzerns flossen bis zu 500 Millionen Euro in das Projekt, das nach Angaben der Deutschen Post inzwischen die Gewinnschwelle erreicht hat. Kundenzahlen nennt der Konzern nicht. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass das Angebot bei Privatleuten floppt.

Trotz großer Marketinganstrengungen der Post hat sich nur eine kleine Minderheit einen speziellen elektronischen Briefkasten für E-Post eingerichtet. Umso besser kommt die neue Briefvariante bei Geschäftskunden an. Sie schicken Rechnungen oder Reklame digital an ein Servicezentrum der Tochtergesellschaft E-Post Solutions, wo die Dateien ausgedruckt, gefalzt und kuvertiert werden. Ein anderes Postunternehmen, die Deutsche Post InHaus Services GmbH (DP IHS), holt sie dort ab, sortiert sie nach Postleitzahlen und befördert sie in die Briefzentren der Post AG (Konsolidierung). Deren Zusteller befördern sie dann ganz konventionell in die Briefkästen der Empfänger. Die Post hat aus der Not inzwischen eine Tugend gemacht: Beim „lieben Mittelstand“ wirbt sie damit, dass Rechnungen „im Briefkasten und nicht im Spam-Ordner“ landeten und die Unternehmen mit einem schnelleren Zahlungseingang rechnen könnten.

Kritik von der Konkurrenz

Über ihre Preise für die digitale Übermittlung und das Ausdrucken der Sendungen kann die Post frei entscheiden. Dagegen muss sie sich bei der physischen Beförderung der Briefe als marktbeherrschendes Unternehmen eine behördliche Preiskontrolle gefallen lassen. Konkurrenten halten die gesamte Konstruktion des E-Postbriefes für fragwürdig. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Konzerngesellschaften könne die Post Kosten intern hin und her schieben und mit ihrer Preisgestaltung den Wettbewerb behindern. Das eigentliche Ziel sei es, Geschäftskunden an die Post zu binden und möglichst große Briefmengen aus dem Markt zu nehmen.

Im Mittelpunkt steht dabei die DP IHS, weil diese von der Konzernmutter die gleichen Rabatte wie andere Unternehmen bekommt, die Briefe bei Behörden und Unternehmen einsammeln und in gleicher Weise für den Versand vorbereiten. Vor dem Verwaltungsgericht Köln läuft dagegen ein vom Bundesverband Briefdienste angestrengtes Verfahren.

Quelle: F.A.Z.
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