Neues Filialkonzept

Ikea baut sich ein nachhaltiges Heim

Von Christine Scharrenbroch
 - 10:13

Im harten Ringen der großen Möbelhändler um die Gunst der Kunden bemüht sich Ikea zunehmend um einen grünen Anstrich. In Kaarst bei Düsseldorf eröffnet der Weltmarktführer am Donnerstag kommender Woche eine Art Umwelt-Vorzeigehaus. Unter dem Projektnamen „More Sustainable Store“ (nachhaltigeres Geschäft) testen die Schweden ein neuartiges Filialkonzept, mit dem das Thema Nachhaltigkeit „in all seinen Facetten“ beleuchtet werden soll – so der Anspruch. Mit rund 100 Millionen Euro hat der Neubau fast doppelt so viel gekostet wie ein herkömmlicher Ikea-Standort.

Noch werden vor dem Eingang Pflastersteine verlegt, in der Ausstellung Fliesen geklebt, Küchen aufgebaut und Regale mit Büchern bestückt. An fast jeder der Zimmerkojen hängt ein „To-do-Zettel“ mit Anweisungen wie „Kallax fixieren“ oder „Rollo überprüfen“. Doch Filialleiter Stephan Laufenberg gibt sich optimistisch, rechtzeitig zur Eröffnung fertig zu sein. Das neue Möbelhaus sei nicht der „normale rechteckige, blaue Kasten“. Zwar lässt sich die Filiale schon auf den ersten Blick als Ikea-Haus erkennen, von anderen unterscheidet sie sich aber etwa durch das begrünte Dach mit Terrasse und Café, die teils aus Holz bestehende Fassade und die großen Fenster, die für Tageslicht in der sonst ausschließlich künstlich beleuchteten Möbelausstellung und der SB-Halle sorgen.

Beim langen Gang durch das Möbelsortiment passieren die Kunden drei Bereiche, in denen sie auf Nachhaltigkeitsthemen wie Recycling und entsprechende Produkte hingewiesen werden. Gesetzt wird zudem auf ein Blockheizkraftwerk, eine Solarthermie- und Photovoltaikanlage, die Wiederverwendung von Regen- und Abwasser, eine tageslichtabhängig gesteuerte LED-Beleuchtung sowie eine Mülltrennung in 20 Abfallarten. Etwa die Hälfte der benötigten Energiemenge wird selbst erzeugt, der Energieverbrauch soll den Planungen zufolge gut ein Drittel unter dem einer Durchschnittsfiliale liegen. Es gibt vier Ladestationen für Elektroautos, einen kostenlosen Shuttle-Bus zur S-Bahn-Station und ein Nachbarschaftscafé samt Probenraum für örtliche Musikbands. Das mit Spielplatz, Fitnessparcours und Grillplatz ausgestattete Außengelände soll für die Öffentlichkeit auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzbar sein.

Nicht als Prototyp wird der neue Standort gesehen, sondern als Baukasten, von dem Elemente auf künftige Filialen übertragen werden können. Der Konzern hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 so viel Energie zu erzeugen, wie in den Einrichtungshäusern verbraucht wird. Die erreichte Marke liegt derzeit bei 70 Prozent. Aktuellen Zahlen zufolge betreibt Ikea weltweit 327 Windkraftanlagen. Hierzulande stehen fünf Windparks mit insgesamt 27 Mühlen. Auf seinen Gebäuden hat das Unternehmen zudem insgesamt 730.000 Solarpaneele installiert.

Die Konzernzentrale hatte das Umwelt-Pilotprojekt unter allen Landesgesellschaften ausgelobt. Dass Ikea Deutschland den Zuschlag bekam, verwundert nicht, ist der hiesige Markt doch der wichtigste für den Möbelhändler. Langfristig sieht Expansionschef Johannes Ferber in Deutschland ein Potential von 70 Filialen – aktuell sind es 53. In den nächsten Jahren sind Neueröffnungen in Karlsruhe, Nürnberg, Memmingen und Bottrop geplant. Bestehende Häuser in Essen und München-Eching werden durch Neubauten ersetzt. In Berlin, Stuttgart, München sowie der Bodenseeregion läuft die Suche nach weiteren Standorten. Doch gestalten sich Neuansiedlungen immer schwieriger. Neben der Grundstückssuche beschreibt Ferber vor allem die zum Teil sehr strikten Vorgaben für die innenstadtrelevanten Sortimente – sprich: Geschirr, Handtücher oder Dekorationsartikel – als Hürde.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Scharrenbroch, Christine
Christine Scharrenbroch
Freie Autorin im Wirtschaftsteil.
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