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Ende von „First Click Free“

Google unterstützt digitale Bezahlinhalte

Von Jan Hauser und Jonas Jansen
 - 08:32
Büro in Kalifornien: Google arbeitet mit verschiedenen europäischen Verlagen zusammen. Bild: Reuters, F.A.Z.

Der amerikanische Internetkonzern Google startet neue Möglichkeiten für digitale Bezahlinhalte von Verlagen. Dafür will das Unternehmen die Anmeldung zum Bezahlen vereinfachen: Mit einem Klick soll sich der Leser auf der Internetseite des Verlages als Abonnent registrieren und dadurch die journalistischen Bezahlinhalte sowohl auf den Seiten des Verlages als auch auf den Angeboten von Google sehen können.

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Wenn ein Zeitungsabonnent dann nach einem bestimmten Thema sucht, bekommt er nicht nur die normalen Ergebnisse, sondern auch passende Artikel aus der Zeitung angezeigt, die er regelmäßig liest. Das soll die Google-Ergebnisse verbessern und gleichzeitig die Position von Verlagen stärken. „Wir haben in den vergangenen Jahren versucht, ein besserer Partner für Verlage zu sein“, sagte Philipp Schindler, der im Google-Vorstand für das operative Geschäft zuständig ist, im Gespräch mit Journalisten.

Die ersten Änderungen zeigen sich an diesem Montag. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor zwei Wochen vorab berichtet hatte, geht es dem Unternehmen darum, die Verlage darin zu unterstützen, für journalistische Inhalte Geld von ihren Lesern zu erhalten: „Wir wollen Verlagen helfen, mehr Abonnenten im Internet zu finden“, kündigte Googles Vizepräsident für News, Richard Gingras, dazu an. Google kennt schließlich viele Daten wie E-Mail-Adressen oder Kreditkarteninformationen schon, wenn Nutzer sie in ihren Konten bei dem Unternehmen angegeben haben. Daneben will es Google Internetnutzern nach eigener Aussage erleichtern, kostenpflichtige Online-Angebote von Verlagen zu entdecken und auszuprobieren. Auch will der Konzern mit seinen Daten Verlagen ermöglichen, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zu erfahren.

Google profitiert, wenn die Verlage wachsen

Dafür wird Google zunächst sein Programm verändern, mit dem Nutzer der Suchmaschine Bezahlschranken umgehen und kostenpflichtige Artikel lesen können, ohne zu zahlen. Dieses „First Click Free“ genannte Modell wird eingestellt. Jetzt können Verlage wählen, wie viele Artikel die potentiellen Abonnenten auf diesem Weg lesen können („Flexible Sampling Model“). Medien können die Anzahl auch auf null stellen, so dass der Nutzer der Suchmaschinen für jeden Text zahlen muss. Google rät zu zehn Artikeln im Monat, die dabei kostenlos sichtbar würden, als einen guten Startpunkt für die meisten Verlage. Diese Anpassung führt Google auf eigene Untersuchungen, Rückmeldungen von Verlagen und Experimente mit den Internetangeboten der Zeitungen „New York Times“ und „Financial Times“ zurück. Die F.A.Z. ist an den Gesprächen als Gründungsmitglied der Digital-News-Initiative gemeinsam mit acht anderen europäischen Verlagen beteiligt.

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„Wir fangen gerade erst an“, heißt es in einem Blogeintrag von Richard Gingras, der an diesem Montag auf der Unternehmensseite erscheinen soll. Er möchte weitere Hinweise von Verlagen erhalten, um sicherzustellen, dass Lösungen von Google für alle funktionieren. Auch denkt der Konzern mit Sitz im kalifornischen Mountain View daran, mittels Googles Kapazitäten der Künstlichen Intelligenz Verlage zu unterstützen, potentielle Abonnenten zu erkennen und zur richtigen Zeit dem Publikum das passende Angebot zu unterbreiten. „Wenn die Verlage nicht wachsen, können wir auch nicht unser Verlagsgeschäft steigern“, sagte Schindler.

An dem Vorgehen von Google und dessen Marktposition gibt es deutliche Kritik auch von Zeitungsverlagen. Jüngst hat die Europäische Kommission eine Kartellstrafe von 2,4 Milliarden Euro gegen das Unternehmen verhängt, da die Suchmaschine Konkurrenten in der Online-Produktsuche benachteilige. Auf dem Zeitungskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) lobte vor zwei Wochen Mathias Döpfner, BDZV-Präsident und Vorstandsvorsitzender des Medienunternehmens Axel Springer („Bild“, „Welt“), diesen Schritt. Er erkennt darin eine Symbolkraft: Die Kommission habe damit den Maßstab der Diskriminierungsfreiheit gegen den Markt beherrschende Online-Plattformen erstmals festgeschrieben. „Wir werden sehr genau verfolgen, ob Google die festgestellten Missbräuche auch tatsächlich dauerhaft abstellt“, sagte Döpfner. Google teilt auf Nachfrage mit, dass es auch mit Axel Springer verhandle.

In der Europäischen Union wird zudem über ein Leistungsschutzrecht diskutiert, mit dem Unternehmen für die vollständige oder ausschnittweise Nutzung von im Internet veröffentlichten Artikeln zahlen – wenn etwa Google diese für seine Suchmaschine nutzt oder soziale Netzwerke diese verbreiten. Döpfner befürwortet dies. Gingras entgegnet dem, dass das Unternehmen den Zeitungsverlagen Leser bringt, wenn sie die vollständigen Artikel lesen wollten. Zudem gebe es Werbeeinnahmen, sofern sich die Internetseite an Googles Werbenetzwerk beteilige. „Das Leistungsschutzrecht ist keine Lösung“, sagte der Google-Manager. Gingras leitet Google News, das in 72 Ländern Inhalte von Verlagen wiedergibt und auf deren Internetseiten verweist. „Die Lösung ist für mich, dass Verlage an Produkten arbeiten, die der Leser mit Zeit und Dollars unterstützt.“ Google versucht, dies mit den neuen Änderungen zumindest besser als bisher zu ermöglichen.

Quelle: F.A.Z.
Jan Hauser
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft.Redakteur in der Wirtschaft.
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