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Absicherung gegen gewalttätige Fans wird immer teurer

Von Michael Ashelm
© Imago, F.A.Z.

Das Einwirken auf gewalttätige Fußballanhänger ist nicht nur in und um Stadien mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Jedes Wochenende müssen auch die Reisewege randalierender Schläger besonders abgesichert werden – auf Bahnhöfen, in Zügen, an Autobahnen. Besorgniserregend ist die zunehmende Brutalität. Jede dritte begangene Straftat sei inzwischen ein Gewaltdelikt, heißt es von der Bundespolizei. Damit muss gerade die Deutsche Bahn als wichtiger Transporteur auskommen. Wie die F.A.Z. erfahren hat, wird das Unternehmen für Sicherheitskräfte, zusätzliches Personal, Schadenbeseitigung und Ersatzzüge in dieser Saison nach vorläufiger Schätzung wieder um die zwei Millionen Euro aufwenden müssen.

Die Zerstörungswut führte allein in den vergangenen Monaten zu einem Sachschaden in den Zügen von 380.000 Euro. In der Hinrunde seien 150 Fälle – vor allem Angriffe auf Bahnmitarbeiter und schwerer Vandalismus – registriert worden. Kritik übt der Sicherheitschef der Bahn, Hans-Hilmar Rischke: „Wir wünschen uns mehr Verantwortung und eine Kostenbeteiligung aller Beteiligten“, sagte er der F.A.Z. Die Bahn setze weiter auf den Dialog, aber brauche zur Planung und sicheren Durchführung des Fußball-Fanreiseverkehrs Unterstützung aller Vereine und Fanorganisationen. „Hier herrscht an manchen Stellen leider noch die Mentalität, dass ja Bahn und Steuerzahler am Ende für Schäden, den ganzen Sicherheitsaufwand und die Polizeieinsätze zahlen.“

28 Bahn-Mitarbeiter angegriffen

Gerade sorgten in der Bundesliga gewalttätige Ultra-Fangruppen von Borussia Dortmund für eine neue Eskalation. Mit verstärkter Präsenz von Bundespolizei und eigenen Sicherheitsdiensten sowie einer verbesserten Steuerung der Fanreiseströme konnte die Bahn die Zahl der Ausschreitungen zwar reduzieren. Doch es bleibt der steigende Aufwand für diese Sicherheit und die zunehmende Verrohung. In der vergangenen Saison zählte die Bundespolizei 1600 Straftaten im Fanreiseverkehr. Am 21. Januar, so die Bundespolizei, wollten 300 gewaltbereite Fans des Hamburger SV auf dem Weg nach Wolfsburg im Hauptbahnhof von Hannover nach dem Ziehen der Notbremse im Nahverkehrszug ohne Fahrkarten in einen Fernzug wechseln. Die Polizisten verhinderten dies, wurden aber mit Tritten, Schlägen, Flaschenwürfen und Leuchtfackeln attackiert. Der Zugverkehr im Bahnhof musste zum Teil unterbrochen werden.

Die Bahn, bei der zuletzt 28 Mitarbeiter von Fußballrowdies angegriffen und acht davon verletzt wurden, testet derzeit in Berlin auch an Fußballtagen den Einsatz von Körperkameras zum Schutz der Sicherheitskräfte. Die Maßnahme soll nun auf die Region Köln ausgeweitet werden. „Gerade beim Fußballverkehr sind Abschreckung und die Sicherung von Beweismaterial entscheidend, um Straftaten zu verhindern“, sagt Rischke. Nur die Polizei dürfe die Aufzeichnungen als Beweismittel für Ermittlungen nutzen. Im Jahr 2016 sprach die Bahn 70 Beförderungsausschlüsse aus.

Austausch mit dem Innenministerium

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (Zis) der Polizei sagt auf Anfrage, dass sich das gewalttätige Verhalten im Fußball auf einem „weiterhin hohen Niveau“ bewege. Die Zis geht von etwa 13.600 gewaltbereiten Fußballrowdies in Deutschland aus. In der vergangenen Saison waren insgesamt die Festnahmen um 28 Prozent auf rund 13.500 gestiegen. Annähernd 1300 Menschen, darunter einige Hundert Polizeibeamte, wurden bei Fußballrandale verletzt. Es kam zu fast 8000 Strafverfahren. Die Polizeieinsätze in der ersten und zweiten Bundesliga umfassten rund 1,2 Millionen Arbeitsstunden – das entspricht fast 1150 hauptamtlichen Polizeistellen nur für Fußball.

Auch Autobahnraststätten sind von der Gewalt betroffen. Immer wieder kommt es dort zu Prügeleien zwischen rivalisierenden Fangruppen und zur Plünderung der Verkaufsräume an den Tankstellen. Die Autobahnpolizeistation Montabaur an der A3 bestätigt exemplarisch zwei Vorfälle: Im November wurden drei Busse mit Fans von Darmstadt 98 aufwendig verfolgt und gestoppt. Eine Gruppe hatte zuvor an einer Raststätte Ware gestohlen. Einige Monate zuvor musste sogar eine Fahrtrichtung der A3 im Westerwald sicherheitshalber kurzzeitig gesperrt werden, weil sich Anhänger von Schalke und Dortmund auf einem angrenzenden Parkplatz eine Massenschlägerei lieferten.

Die Gewalt unter reisenden Fußballanhängern sei ein Phänomen dieser Zeit, das immer wieder zu erleben sei, sagt Hans-Joachim Eggert, stellvertretender Dienststellenleiter der Autobahnpolizei Montabaur. Man stünde in engem Austausch mit dem Lagezentrum des Innenministeriums und der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze. Es werde ständig ausgewertet, welcher Verein wo spiele und was damit auch auf die Autobahnpolizei zukommen könnte. Das Unternehmen Tank und Rast, Verpächter der Raststätten an den Autobahnen, weist darauf hin, dass bereits im Vorfeld von Fußballspielen Pächter im gesamten Bundesgebiet eng mit der Polizei zusammenarbeiteten.

Quelle: F.A.Z.
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