Fernbusse

Flixbus will Amerika erobern

Von Jonas Jansen, San Francisco
 - 07:24

Der deutsche Fernbusanbieter Flixbus expandiert in die Vereinigten Staaten. Ein Streckennetz steht zwar noch nicht fest, doch von Sommer des kommenden Jahres an sollen auch durch Amerika die grünen Busse des Münchener Start-ups rollen - zunächst vor allem in dicht besiedelten Gegenden.

In Deutschland hat Flixbus einen Marktanteil von gut 90 Prozent und bestimmt den Fernbusmarkt, nachdem zahlreiche Konkurrenten aufgegeben haben. In Amerika gibt es mit Megabus und Greyhound ungleich größere Konkurrenten, Greyhound hat im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von knapp 900 Millionen Dollar einen operativen Gewinn von 55 Millionen Dollar eingefahren. Das vor viereinhalb Jahren gegründete deutsche Unternehmen macht noch keine Angaben zum Umsatz, will aber zum Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben. Vor der Konkurrenz scheut sich Flixbus nicht: „Wir glauben, dass Wettbewerb dem amerikanischen Markt gut tun kann, weil die aktuellen Anbieter nicht immer den hohen Qualitätsanspruch haben“, sagt Daniel Krauss, Mitgründer und Technikvorstand von Flixbus im Gespräch mit FAZ.NET.

Flixbus fahre also auch auf Strecken, die Greyhound, Megabus und die regionalen Busunternehmen anbieten. „Wir gehen dem Wettbewerb nicht aus dem Weg.“ Greyhound etwa sei zwar ein riesiger Anbieter, habe sich aber jahrelang nicht damit beschäftigt, was der Kunde will. Als Technologieunternehmen könne Flixbus dort eine Lücke füllen, ist sich Krauss sicher. Flixbus analysiert seine Kunden und deren gefahrene Strecken genau, um die Busverbindungen ständig anzupassen.

Das Geschäft in Amerika soll von einem Büro in Los Angeles in Kalifornien gesteuert werden und das derzeit noch recht kleine Team von gut fünf Leuten deutlich wachsen. Geleitet wird das Amerikageschäft von Pierre Gourdain, der auch das Streckennetz in Frankreich aufgebaut hat. In Europa hält Flixbus bisher an 1200 Standorten in 26 Ländern.

140 neue Haltestellen im deutschsprachigen Raum

Im deutschsprachigen Raum kommen nun noch einmal 140 Haltestellen dazu, wie Flixbus am Mittwochabend auf der Dreamforce-Konferenz in San Francisco mitteilte. Es soll zusätzliche Halte in großen Städten, Hamburg, München oder Wien geben, vor allem will das Unternehmen an mehr Stellen auf dem Land halten.

In den Vereinigten Staaten sollen in Zukunft auch die gewohnten grünen Busse herumfahren, allerdings dort anders als in Deutschland nicht in Partnerschaft mit Mercedes. Derzeit sondiere das Start-up, welche Unternehmen ein passendes Angebot liefern können. Die Liberalisierung des Busmarktes hat Flixbus in Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt genutzt, doch auch in den Vereinigten Staaten sei der Zeitpunkt nun günstig. „Amerika wandelt sich und der ökologische Fokus steigt trotz Trump“, sagt Krauss. Neue Verkehrskonzepte wie die Fahrdienstleister Uber oder Lyft zeigten den Wandel der Mobilität, der auch dem Busunternehmen neue Kunden bringen könnte. Schwieriger werde es, gibt Krauss zu, ein Preismodell zu etablieren.

Flixbus
Vom Start-up zum marktbeherrschenden Monopolisten
© Picture-Alliance, Deutsche Welle

Während sich Flixbus in Deutschland anfangs zwischen den sehr günstigen Preisen von Mitfahrgelegenheiten und etwa dem halben Preis einer Fahrt mit der Deutschen Bahn eingependelt hat, sind in Amerika die Verkehrsmittel mit Zügen, Flugzeugen und schon existierenden Fernbuslinien komplizierter. Allerdings zeige die Erfahrung aus Europa, dass viele Kunden auch bereit seien, lange Strecken zu fahren. „Das haben wir anfangs auch unterschätzt“, sagt Krauss. Das liege vor allem am Preis, manche schätzten aber auch, dass sie nicht umsteigen müssen. „Und einige fühlen sich im Fernbus wieder in die Jugendzeit zurückversetzt“, sagt Krauss.

Kein neues Kapital

Die Expansion in einen recht großen Markt mit 323 Millionen Einwohnern wird für den dort völlig unbekannten Fernbusanbieter freilich nicht leicht. Auch deshalb kündigt das Start-up diesen Schritt schon so früh an, damit sich potentielle Kunden an die Marke gewöhnen können. Über Soziale Medien wie Facebook oder auf Google will Flixbus nun verstärkt in den Vereinigten Staaten werben.

Neues Kapital will das Start-up für den Schritt nach Übersee indes nicht einsammeln. Die größten Kapitalgeber von Flixbus, General Atlantic und Silver Lake kommen allerdings aus Amerika. Wie viel Geld von Investoren das Start-up erhalten hat, hat Flixbus nie veröffentlicht, doch alleine die letzte Finanzierungsrunde im Dezember letzten Jahres soll zwischen 75 und 100 Millionen Dollar gelegen haben. Der Schritt nun habe aber nicht mit Druck der Investoren zu tun, versichert Krauss. „Wir haben großes Glück, dass sie uns in unserer Expansion relativ freie Hand lassen lassen.“ In Aufsichtsratssitzungen werde die Strategie zwar regelmäßig besprochen, aber neue Märkte nicht festgelegt. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten soll demnach auch aus bestehendem Kapital finanziert werden. Einen Börsengang hat Krauss nun abermals für mindestens die nächsten zwei Jahre ausgeschlossen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft.
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