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Filmstudios in Kapstadt

Das heimliche Hollywood von Afrika

Von Claudia Bröll, Kapstadt
 - 07:27

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Nicolas Cage, Daniel Craig, Leonardo DiCaprio, Michael Douglas: Sie alle standen schon einmal in Südafrika vor der Kamera. Doch das Land an der Südspitze des Kontinents ist bisher nur ein heimliches Mekka der Filmwelt gewesen. Das soll sich aber bald ändern. In Kapstadt entsteht derzeit das modernste Filmproduktionszentrum Afrikas - eine Art Mini-Hollywood. Umgerechnet 42 Millionen Euro hat eine Investorengruppe mit staatlichen Zuschüssen ausgegeben, damit sich die Stars der Filmwelt öfter ein Stelldichein am Kap geben - und es die südafrikanische Filmindustrie endlich zu internationalem Ruhm schafft.

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Die Kulisse für die Studios ist schon filmreif. Weites tiefgrünes Land, dramatisch hoch ragende Berge und ein strahlend blauer Himmel: Auf dem 200 Hektar großen Areal, 35 Kilometer östlich von Kapstadt, fahren noch die Bagger herum, der Weg zur Rezeption gleicht einem Übungsparcours für Autos mit Allradantrieb. Doch die vier blütenweißen Studios - 15 Meter hoch - geben einen Eindruck, wie die Traumfabrik in Afrika einmal aussehen wird.

Wo sich bald die Schauspieler schminken, sind die Arbeiter gerade dabei, die Glühbirnen am Spiegel zu befestigen. "In den nächsten fünf Jahren wird sich Südafrika als einer der führenden Dreh- und Produktionsstandorte in der südlichen Hemisphäre etablieren", sagt Nico Dekker, Chef des Unternehmens Cape Town Film Studios (CTFS).

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„Wir wollen auch Filme anlocken, die große Studiobauten verlangen“

Tatsächlich ist Südafrika wegen seiner landschaftlichen Vielfalt und des guten Wetters vor allem bei Produzenten von Fernsehspielfilmen und der internationalen Werbewirtschaft beliebt - auch wenn deren Geschichten oft ganz woanders spielen. Doch mit der richtigen Dekoration könne fast jeder Ort nachgebaut werden, meint der deutsche Regisseur Marc Köbler. So setzten die Produzenten einer Milka-Werbung kurzerhand eine Schweizer Hütte in die Kapstädter Weinberge. Eine polnische Bierfirma schaufelte wiederum 25 Tonnen Kunstschnee auf, wo noch nie eine Schneeflocke gesichtet wurde. Ebenso schätzen ausländische Filmemacher das Land als "Double" für Kriegsschauplätze in Sierra Leone, den Urwald am Amazonas oder die Strände Floridas. Für "Händler des Todes" mit Nicolas Cage musste das Kapstädter Kulturzentrum als Palast eines liberischen Diktators herhalten.

Die neuen Filmstudios, hinter denen eine Investitionsgesellschaft des in Südafrika bekannten Regisseurs Anant Singh und die Eigentümer des Fernsehsenders e.tv stehen, halten die Möglichkeiten noch nicht für erschöpft. Sie erwarten jährlich mindestens zwei größere Produktionen mit einem Budget von rund 50 Millionen Dollar oder vier mittlere beziehungsweise acht kleinere Produktionen mit einem Budget von weniger als 10 Millionen Dollar. Derzeit werden etwa fünf bis zehn mittelgroße internationale Filme im Jahr in Südafrika gedreht. "Wir wollen auch Filme anlocken, die große Studiobauten verlangen und nicht nur wegen der Landschaft hier gedreht werden", sagt Dekker.

Südafrikanische Filme bislang kaum im Rampenlicht

Im Wettbewerb mit anderen Filmstudios werben die Südafrikaner mit moderner Technik und geringeren Produktionskosten. Besonders arbeitsintensive Filme könnten dank des niedrigen Lohnniveaus und staatlicher Subventionen halb so teuer hergestellt werden wie anderswo. Filmemacher wie Köbler weisen allerdings auch auf Nachteile des Standorts hin wie die große Entfernung und der höhere Sicherheitsaufwand. Oft haben Unternehmen auch mit bürokratischen Hürden und langen Entscheidungswegen zu kämpfen. Dies bekamen die Filmstudios selbst zu spüren. Der ursprünglich für 2004 geplante Start musste so oft verschoben werden, dass der damals erdachte Name "Dreamworld" fallengelassen wurde. Zu viele Witze über den nie erfüllten Traum eines afrikanischen Hollywood hatten die Runde gemacht.

Vom großen Geld mit ausländischen Produktionen soll langfristig auch die einheimische Branche profitieren. Bisher schafften es südafrikanische Filme nur selten ins Rampenlicht, abgesehen von Einzelerfolgen wie dem Oscar-prämierten Streifen "Tsotsi". Selbst in Südafrikas Kinosälen machen lokale Filme nur einen minimalen Teil des Angebots aus - und werden meist nach kurzer Zeit aus dem Programm genommen. Die bekannteste südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron ist nicht zufällig fast nur in Hollywood-Filmen zu sehen.

Doch die Studios und das rundherum geplante Filmdorf böten der ansässigen Filmindustrie jetzt mehr Möglichkeiten, sagt Dekker. Mehr als 100 Unternehmen hätten Interesse bekundet, sich dort niederzulassen. Mit mindestens 5000 zusätzlichen Arbeitsplätzen sei zu rechnen. Vor allem aber könnten die Südafrikaner von den großen ausländischen Produktionen lernen. "Der langfristige Plan sieht vor, die lokale mit der internationalen Filmindustrie zusammenzuführen."

Ob die Rechnung aufgeht, könnte der erste Film zeigen, der schon vor der offiziellen Eröffnung der Studios im Oktober dort entsteht - eine Neuauflage des einst mit Sylvester Stallone besetzten Science-Fiction-Films "Judge Dredd". Es ist der erste 3D-Film, der in Afrika gedreht wird. Dass der Streifen in Südafrika entstand, werden die Zuschauer wieder einmal nur im Abspann erfahren. "Judge Dredd" kämpft nicht in der Wildnis oder den Weinbergen, sondern in furchterregenden Mega-Städten im Jahr 2030. "Dies ist ein Film, den alle haben wollen, den man auch in Babelsberg oder in den Pinewood-Studios hätte drehen können", sagt der britische Produzent Andrew McDonald. "Früher hätten wir Südafrika dafür nicht in Betracht gezogen."

Quelle: F.A.Z.
Claudia Bröll
Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.
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