Statt Georg Fahrenschon

Thomas Mang rückt für die Sparkassen ins Licht

Von Hanno Mußler
 - 17:44

Die Sparkassen-Finanzgruppe hat am Dienstag erste Weichen für eine Zukunft ohne Präsident Georg Fahrenschon gestellt. In Hannover trafen sich die drei Präsidentinnen und neun Präsidenten der regionalen Sparkassenverbände. Sie beschlossen nach Informationen der F.A.Z. nach rund fünfstündiger Beratung, den durch eine brisante Steueraffäre belasteten Fahrenschon dazu zu bewegen, sein Amt bis Mai 2018 ruhen zu lassen. Dann läuft Fahrenschons erste Amtsperiode aus. Bis dahin soll Vizepräsident Thomas Mang, Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbandes, Fahrenschons Aufgaben übernehmen. Über Mai 2018 hinaus trafen die regionalen Sparkassenpräsidenten dem Vernehmen nach keine Entscheidung.

Fahrenschon hat sich allerdings bislang geweigert, sein Amt niederzulegen. Er hält sogar an seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit bis zum Jahr 2024 fest. Doch es ist undenkbar, dass Fahrenschon wieder gewählt wird. Bis zur Wahl eines neuen Sparkassenpräsidenten hat nun der im Dezember 58 Jahre alte Mang als erster Stellvertreter Fahrenschons die Chance, an Profil zu gewinnen.

Mang hat das Sparkassengeschäft von der Pike auf gelernt. In seiner Heimatstadt Bremen machte er eine Banklehre und arbeitete sich in der Sparkasse Bremen bis zum Leiter der Firmenkundenabteilung hoch. Im Jahr 1997 wechselte er in den Vorstand der Sparkasse Saarbrücken. Seit 2003 ist Mang ist Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbandes. Anders als die meisten regionalen Sparkassenpräsidenten ist Mang nicht Mitglied der CDU; er hat kein Parteibuch.

Die Präsidenten der regionalen Sparkassenverbände sind das eigentliche Machtzentrum der öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Finanzgruppe. Die Regionalverbände sind als Wirtschaftsprüfer der rund 400 kommunalen Sparkassen gesetzlich verankert. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband dagegen ist „nur“ ein Verein, der vor allem für die Interessenvertretung in Berlin und Brüssel verantwortlich ist. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes tritt als oberster Repräsentant der Sparkassen-Finanzgruppe auf. In diesem hervorgehobenen Amt erscheint der 49 Jahre alte Fahrenschon vielen nicht mehr tragbar, weil er einen Strafbefehl erhalten hat und diesen zudem seinem Arbeitgeber gegenüber verschwiegen haben soll.

Einen Sparkassenpräsidenten zu bestimmen, war den regionalen Sparkassenpräsidenten am Dienstag formal nicht möglich. Dies ist die Aufgabe der Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassenverbandes, die wie bei einem Verein üblich nur nach Wahrung von Fristen beschlussfähig zusammentreten kann. Zur Mitgliederversammlung gehören neben den regionalen Sparkassenverbänden Vertreter der Landesbanken und der Kommunen.

Diese hatten sich erst am Mittwoch getroffen, eigentlich um Fahrenschon für weitere sechs Jahre wieder zu wählen. Doch einen Tag vor der geplanten Wahl war herausgekommen, dass Fahrenschon seine Steuererklärung für 2012, 2013 und 2014 erst im Jahr 2016 eingereicht hat. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung gegen den früheren bayerischen Finanzminister beantragt. Das Amtsgericht hat diesen Strafbefehl im Frühjahr 2017 erlassen. Dagegen geht Fahrenschon juristisch vor. Wegen des hohen Strafmaßes droht ihm eine Vorstrafe. Die Mitgliederversammlung hat seine Wiederwahl verschoben.

Quelle: F.A.Z.
Hanno  Mußler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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