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Die wichtigsten Informatiker der Welt

Googles Gehirne

Von Alexander Armbruster
 - 14:40
Google optimiert sich komplett mit modernen KI-Methoden. Bild: Reuters, F.A.Z.

Wo Peter Norvig auftritt, da geht es um die Zukunft. „Wir haben hunderttausend Mal mehr Rechenleistung“, sagt er zum Beispiel, oder: „Wir können soviel mehr tun heute.“ Norvig ist einer der angesehensten Fachleute für Künstliche Intelligenz (KI) auf der ganzen Welt. Er arbeitete für Sun Microsystems, war jahrelang Forschungsdirektor der Weltraumbehörde Nasa, hat das Standardlehrbuch über Künstliche Intelligenz geschrieben, 1200 Seiten über Mathematik, Informatik, Computerentwicklung, Ideen.

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Norvig hat ein Profil, das genau passt zu den Wünschen der amerikanischen Technologie-Holding Alphabet, zu der Google gehört. Wenn es um KI geht, beschäftigt der Konzern eine womöglich einzigartige Gruppe von Fachleuten.

Leute wie Norvig sollen innerhalb von Google helfen, Produkte und Arbeitsprozesse „intelligenter“ zu machen. Und nach außen erzählen, was dieser Fortschritt nicht nur für Google bedeutet, sondern für jeden einzelnen Menschen und jede Branche. Kürzlich diskutierte er beispielsweise an der University of New South Wales in der australischen Großstadt Sydney. „Wir wollen junge Menschen ermutigen, Informatik als Studienfach zu wählen“, sagte er dort über seine Mission.

Geoffrey Hinton ist öffentlich weniger präsent als Peter Norvig – in seinem Spezialgebiet, den sogenannten künstlichen neuronalen Netzen, ist er allerdings eine Instanz, manche sagen: die Instanz. Als „Pate“ oder „Elder Statesman“ des Deep Learning wird er häufig bezeichnet. Hinton forscht seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet und war auch dann davon überzeugt, als es die meisten nicht waren.

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Der gebürtige Brite, zu dessen Vorfahren der berühmte Mathematiker George Boole gehört, wollte schon immer wissen, wie Intelligenz zustande kommt, wie etwa das Gehirn funktioniert. Er studierte in Cambridge zunächst Psychologie, was ihn allerdings nicht gänzlich zufriedenstellte. Daran knüpfte er deshalb eine Promotion im schottischen Edinburgh über künstliche neuronale Netze – als andere Ansätze innerhalb der künstlichen Intelligenz als vielversprechender galten.

In den achtziger Jahren gelang ihm ein wichtiger Durchbruch, ein weiterer dann im Jahr 2006. Schließlich gewann er mit seinen Studenten Alex Krizhevsky (arbeitet auch für Google) und Ilya Sutskever (arbeitete für Google und derzeit für Elon Musks Unternehmung Open AI) einen prominenten Bilderkennungswettbewerb im Jahr 2012. Und er gründete ein Unternehmen, das Google alsbald übernahm.

Hinton hatte da schon ein „Praktikum“ am Google-Hauptsitz im kalifornischen Mountain View hinter sich. Kalifornien kannte er gut, in den achtziger Jahren arbeitete er als Forscher dort an einer Universität. Schließlich lockte ihn eine kanadische Forschungseinrichtung weg, er ging als Professor nach Toronto – auch, weil ihn zunehmend störte, dass vor allem das amerikanische Verteidigungsministerium viel Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz finanzierte.

Mit seinem Lehrstuhl in Toronto besetzte er international eine Nische. Einer seiner Mitarbeiter war vorübergehend Yann LeCun, der mittlerweile Forschungschef für Künstliche Intelligenz von Facebook ist. Und einer seiner früheren Doktoranden heißt Russ Salakhutdinov, der Professor an der im Bereich der Künstlichen Intelligenz renommierten Carnegie Mellon University in Pittsburgh ist und außerdem KI-Forschungschef des amerikanischen Technologieunternehmens Apple.

Gut vernetzt war und ist wiederum Hinton neben LeCun mit dem ebenfalls in Kanada lehrenden KI-Professor Yoshua Bengio, dessen Doktorand Ian Goodfellow wiederum vor drei Jahren eine bahnbrechende Idee realisierte: schlaue Computerprogramme, die andere Computerprogramme in einem Wettstreit intelligenter machen. Auch dieser Shooting-Star der Künstlichen Intelligenz arbeitet mittlerweile für Google.

Professorin aus Stanford

Als KI-Chefwissenschaftlerin für seinen Cloud-Bereich hat der Suchmaschinenbetreiber wiederum unlängst die in Peking geborene Informatikerin Fei-Fei Li engagiert, die zugleich das KI-Forschungslabor in Stanford führt. Sie rief ursprünglich jenen Bilderkennungswettstreit mit ins Leben, den Hinton mit seinen Studenten gewann.

Damals wiederum arbeitete für Google noch ein anderer Stanford-Wissenschaftler namens Andrew Ng, der nicht nur Google Brain mitgründete, wie eine Abteilung für Künstliche Intelligenz heißt, sondern später vorübergehend KI-Forschungschef des chinesischen Internetunternehmens Baidu war. Das zeigt auch, wie vernetzt die Forschung zur Künstlichen Intelligenz ist rund um die Welt und verteilt über viele innovative Unternehmen. Ng soll übrigens auch Hintons Google-Praktikum angeregt haben.

Sogar Eric Schmidt war überrascht

Dass Googles Entscheider auch eher extreme Ansichten unter den Forschern vertreten sehen möchten, zeigt der Informatiker und Futurist Ray Kurzweil. Er gehört zu jenem Kreis von Fachleuten, die erwarten, dass vielleicht schon Mitte dieses Jahrhunderts Maschinen Menschen in nahezu jeder Hinsicht überholt und abgehängt haben werden. Der amerikanische Präsident Bill Clinton ehrte ihn im Jahr 1999 mit der höchsten Auszeichnung der Vereinigten Staaten für technische Leistungen. Kurzweil gründete während seiner Karriere mehrere Unternehmen, eines für Bilderkennung, ein anderes im Bereich der Musik-Technik, wozu ihn ein Treffen mit dem Sänger Stevie Wonder inspirierte. Im Jahr 2012 veröffentlichte Kurzweil das Buch „How to Create a Mind“ – dadurch sei Google auf ihn aufmerksam geworden. Der Informatiker hält für wahrscheinlich, dass Menschen in der nicht allzu fernen Zukunft ihr Gehirn über Implantate sogar mit Computern verbinden können werden.

Kurzweil ist ein gefragter Redner und im großen Google-Reich eine Ausnahme mit seinen Prognosen. Forscher wie Peter Norvig, Geoffrey Hinton oder Ian Goodfellow reden – zumindest öffentlich – über weniger spektakuläre Szenarien und gehören zur etablierten Hauptströmung des Faches. Der frühere Google-Chef Eric Schmidt gab übrigens jüngst zu, wie sehr er unterschätzte, was künstliche Intelligenz Google ermöglicht. „Als wir Peter (Norvig) anstellten, war mir nicht bewusst, dass er ein KI-Forscher ist, er war einfach ein brillanter Forscher. Das zeigt, wie wenig wir verstanden von den Konsequenzen, die sich daraus ergaben, die führenden Forscher (in diesem Bereich) zu haben. Wir dachten nicht, dass sich das so auswirkt.“

Quelle: F.A.Z.
Alexander Armbruster
Redakteur in der Wirtschaft.
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