Deutsche Bank und Commerzbank

Investoren halten wenig von nationalem Bankenchampion

Von Tim Kanning und Christian Siedenbiedel
 - 19:19

Wichtige Investoren der Deutschen Bank stünden einem Zusammenschluss mit der Commerzbank skeptisch gegenüber. Im Gespräch mit der F.A.Z. haben Vertreter verschiedener Großinvestoren der Bank signalisiert, dass sie eine solche Fusion zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht mittragen würden, da beide Banken aktuell noch stark damit beschäftigt seien, ihre Bilanzen aufzuräumen.

Vor allem in Kreisen der Deutsche-Bank-Aktionäre wurde auf den äußerst niedrigen Aktienkurs verwiesen. An der Börse ist die Bank gerade noch ein Drittel ihres Buchwertes wert. Durch eine Fusion müssten voraussichtlich hohe Einbußen hingenommen werden. Michael Hünseler, Geschäftsführer des deutschen Vermögensverwalters Assenagon und einer der wenigen Bank-Investoren, die sich öffentlich äußern, sagte: „Würde die Deutsche Bank jetzt eine solche Fusion eingehen, wäre das, wie wenn man zum Pokern geht und kein Geld mitbringt.“

Wieder aufgekocht waren die Spekulationen über eine Fusion der beiden größten deutschen Banken am Freitag durch einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach habe der Aufsichtsratvorsitzende mit ranghohen Regierungsmitgliedern und wichtigen Investoren in den vergangenen Monaten über einen solchen Zusammenschluss gesprochen.

Gerüchteküche zur Kurspflege?

Ein Sprecher der Bank sagte dazu: „Unser Aufsichtsratsvorsitzender wird ständig auf dieses Thema angesprochen. Seine Antwort ist immer die gleiche: ,Alle Pro- und Kontraargumente können in Analystenberichten und Medien nachgelesen werden. Was also denken Sie?‘“ Achleitner sehe keinen Grund, dieses Thema aktiv anzusprechen. Die Commerzbank wollte den Bericht nicht kommentieren.

In Investorenkreise sorgten sowohl der Bericht als auch die Reaktion der Bank darauf für Verwunderung. Niemand ziehe ernsthaft einen solchen Zusammenschluss in Erwägung, insofern sei auch schon länger nicht mehr über das Thema gesprochen worden. Manch einer lästerte, die Bank selbst versuche mit solchen Gerüchten womöglich Kurspflege zu betreiben – nachdem der Chefwechsel und die jüngsten Sparbemühungen an der Börse keinen Aufschwung erzeugen konnten, versuche man es nun eben, indem man Fusionsphantasien wecke.

Erfolgreich wäre diese Taktik allerdings nicht gewesen: die schon länger gebeutelten Kurse beider Banken bewegten sich am Freitag im Einklang mit dem Markt nach unten. Papiere der Deutschen Bank verbilligten sich bis zum Nachmittag um 1 Prozent auf 9,51 Euro, die der Commerzbank um 1,8 Prozent auf 9,31 Euro.

Fusionsgerüchte aus Italien erhöhen Handlungsdruck

Erste Gespräche über eine Fusion hatten Vertreter beider Institute vor gut zwei Jahren einmal geführt. Sie waren aber schnell ad acta gelegt worden, mit dem Hinweis, dass beide Kreditinstitute zunächst ihre Hausaufgaben machen müssten. Noch im April hatte Raimund Röseler, der in der Finanzaufsicht Bafin für die Banken zuständig ist, gesagt: „Wenn ich aus zwei großen Problemen ein ganz großes mache, wird dadurch die Situation nicht besser.“

Dass die Gerüchte nun wieder an Fahrt gewinnen, könnte auch mit den jüngsten Berichten über Avancen der italienischen Unicredit gegenüber der französischen Société Générale zu tun haben. Käme es zu einer solchen ersten Großfusion über europäische Grenzen hinweg, könnte das den Handlungsdruck auf die schwächelnden deutschen Bank erhöhen. Gleiches gälte für eine neue Krise der Eurozone, die in Italien erwachsen könnte und die Banken weiter schwächen könnte.

Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass der neue Finanzminister Olaf Scholz (SPD) erkennbar die Nähe der Banken sucht. Der Bund ist nach wie vor mit mehr als 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt und dürfte weiter nach einer Exitstrategie suchen.

Nachdem er schon am Mittwoch auf einer Konferenz der Deutschen Bank gesprochen hatte, trat Scholz am Freitag auf einer Investorenkonferenz der Investmentbank Goldman-Sachs in Frankfurt auf und hob hervor, der Bundesregierung sei an starken, global aktiven deutschen Banken sehr gelegen. „Für mich ist klar, dass Deutschland einen starken und wettbewerbsfähigen Bankensektor braucht“, sagte Scholz vor Bank- und Versicherungsmanagern sowie zahlreichen Investoren. „Und wir brauchen starke, global aktive deutsche Banken.“

Gerade kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland, die international arbeiteten, und das täten viele von ihnen sehr erfolgreich, benötigten Bankdienstleistungen, die so international seien wie sie, sagte Scholz: „Sie brauchen Partner bei den Banken, die ihre Art, Geschäfte zu machen, verstehen und begleiten.“

Quelle: F.A.Z.
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenCommerzbankDeutsche BankOlaf ScholzBörseBloomberg