Ehemaliger Siemens-Chef

Klaus Kleinfeld verliert Machtkampf bei Arconic

Von Roland Lindner, New York
 - 17:14

Es ist fast auf den Tag genau zehn Jahre her, dass Klaus Kleinfeld seinen Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des deutschen Industriekonzerns Siemens angekündigt hat. Der Schritt stand im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre, von der das Unternehmen damals erschüttert wurde. Kleinfeld ließ danach Deutschland hinter sich und ging in die Vereinigten Staaten. Er wurde Vorstandsvorsitzender des Aluminiumkonzerns Alcoa und des nach einer Aufspaltung aus ihm hervorgegangenen Metallspezialisten Arconic. Kleinfeld wurde zum bekanntesten deutschen Manager in Amerika, kürzlich war er sogar mit einer Gruppe anderer prominenter Vorstandschefs zu einem Treffen mit dem Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus in Washington. Aber jetzt hat auch seine Karriere bei Arconic ein abruptes Ende gefunden: Am Montag teilte das Unternehmen mit, Kleinfeld sei als Vorstandsvorsitzender und als Chef des Verwaltungsrats (Chairman) zurückgetreten. Auch seinen Sitz im Verwaltungsrat habe er aufgegeben.

Kleinfeld stand schon seit einigen Monaten unter Druck. Der New Yorker Hedgefonds Elliott Management, der einen Anteil von 13 Prozent an Arconic hält, führte eine aggressive Kampagne gegen den 59 Jahre alten Manager und forderte dessen Rücktritt. Die von Arconic in einer Mitteilung genannte Begründung für die Ablösung Kleinfelds steht zwar damit in Zusammenhang, ist aber etwas mysteriös: Kleinfeld habe ohne Abstimmung mit dem Verwaltungsrat direkt einen Brief an einen ranghohen Elliott-Manager geschickt, und dies habe nach Ansicht des Gremiums „schlechtes Urteilsvermögen“ gezeigt. Danach hätten sich Kleinfeld und der Verwaltungsrat „in gegenseitigem Einvernehmen“ auf einen Führungswechsel verständigt.

Was genau in diesem Brief stand, ließ Arconic indessen offen. Aus dem Umfeld von Kleinfeld hieß es, es habe sich um ein „harmloses und freundliches Schreiben“ an Elliott-Chef Paul Singer gehandelt, das nichts mit dessen Kampagne zu tun gehabt habe. Arconic fand in seiner Mitteilung auch viele freundliche Worte für Kleinfeld. Der Wechsel an der Spitze sei keine Reaktion auf die Kritik von Elliott an der Strategie und der Führung des Unternehmens. Vielmehr stehe der Verwaltungsrat weiterhin hinter Kleinfelds Strategie und glaube an ihren Erfolg.

Kein Wort zur Abfindungs-Summe

Der abrupte Charakter von Kleinfelds Rücktritt zeigt sich auch darin, dass Arconic zunächst nur Übergangslösungen als Ersatz für ihn hat. Den Posten als Vorstandsvorsitzender wird vorerst Verwaltungsratsmitglied David Hess übernehmen, der Verwaltungsrat wird interimistisch von Patricia Russo geführt. Russo sitzt seit 2008 in dem Gremium, sie war früher Vorstandschefin des Netzwerkkonzerns Alcatel-Lucent. In der Mitteilung hieß es, der Verwaltungsrat wolle einen „Weltklasse“-Vorstandschef finden, und Kleinfeld werde in der Übergangsphase helfen. Keine Angaben gab es am Montag, mit welchen Konditionen Kleinfelds Abgang verbunden ist, also zum Beispiel mit Blick auf eine etwaige Abfindung.

Die Finanzmärkte begrüßten den Führungswechsel: Der Aktienkurs von Arconic legte am Montag zeitweise um fast 8 Prozent auf 27,90 Dollar zu. Darin könnte auch die Hoffnung der Börse auf ein Ende der Auseinandersetzung zwischen dem Unternehmen und Elliott zum Ausdruck kommen. Arconic legte dem Hedgefonds am Montag nahe, seine Kampagne aufzugeben. Das zentrale Anliegen eines Führungswechsels sei realisiert, und es habe auch eine Reihe von Umbesetzungen im Verwaltungsrat gegeben. Arconic habe „eine gewaltige Menge an Veränderungen“ durchgemacht, und es liege nun an Elliott, diese „höchst disruptive“ Kampagne weiterzuführen oder das Unternehmen in seiner Übergangsphase zu unterstützen. Der Hedgefonds gab am Montag zunächst keine Stellungnahme ab.

Elliott begann sein Manöver nur wenige Monate, nachdem Arconic aus der Aufspaltung von Alcoa hervorgegangen war. Bei Alcoa verblieb damals das traditionelle Geschäft mit der Produktion von Aluminium und anderen Stoffen. Die abgetrennte und bislang von Kleinfeld geführte Gesellschaft Arconic ist auf weiterverarbeitete Metallteile spezialisiert, die zum Beispiel in Autos oder Flugzeuge eingebaut werden. Elliott hat Arconic vorgehalten, niedrigere Gewinnmargen zu erwirtschaften und sich an der Börse schlechter geschlagen zu haben als die Konkurrenz. Dem Unternehmen wurde außerdem eine „verschwenderische Kultur“ vorgeworfen. Ihm wurde zum Beispiel angekreidet, sich den Luxus einer Zentrale an der New Yorker Park Avenue zu leisten. In Kleinfelds Umfeld wurde beklagt, der Hedgefonds habe in seiner Kampagne unsaubere Methoden eingesetzt. Es seien sogar Detektive angeheuert worden, um in Kleinfelds Mülltonne vor seinem Privathaus zu wühlen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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