Hightech in der Landwirtschaft

Auf zum digitalen Düngen

 - 08:51

Verschärfte Umweltvorschriften für das Düngen werden den Trend zur Hightech-Landwirtschaft auf Deutschlands Bauernhöfen beschleunigen - auch mit positiven Folgen für das Grundwasser, finden Fachleute. Sowohl die Experten des Bauernverbandes als auch jene von Europas größtem Agrarhandelskonzern Baywa gehen davon aus, dass die Landwirte wegen höherer Anforderungen an den Gewässerschutz verstärkt in Digitaltechnik zur effizienten Düngung investieren werden. Und da insbesondere in Sensoren, die den Stickstoffgehalt der Pflanzen und damit deren Düngebedarf berechnen können.

Seit dem 1. Juni gilt die neue Düngeverordnung des Bundes. Düngemittel müssen nun gezielt nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen angewendet werden, auch ist zu bestimmten Zeiten im Spätherbst und Winter das Düngen komplett verboten.

„Von rund 275.000 Landwirten in Deutschland sind nach unserer Einschätzung mindestens 200.000 von der Düngeverordnung betroffen“, sagte der Baywa-Vorstandsvorsitzende Klaus Josef Lutz in München. Er erwartet deshalb eine „deutliche Belebung“ der Nachfrage nach sogenannten Digital-Farming-Lösungen für das Düngen. Ähnlich klingt die Einschätzung des Bayerischen Bauernverband. „Wir gehen davon aus, dass die neue Düngeverordnung dazu beitragen wird, dass sich diese Technologie weiter verbreitet“, sagte Verbands-Fachmann Markus Peters.

Hilfe aus dem All

Sogenannte N-Sensoren sind optische Sensoren, die am Traktor befestigt werden und genau messen können, ob Pflanzen überhaupt noch zusätzlichen Dünger benötigen, um zu gedeihen. Auf vielen Feldern und Wiesen ist der Nährstoffbedarf nicht überall gleich hoch. Der in der Branche bekannte westfälische Sensoren-Hersteller Yara beziffert die Einsparmöglichkeit an Stickstoff auf bis zu 14 Prozent.

Ein Hindernis ist allerdings gerade für die kleineren süddeutschen Bauernhöfe der Preis. Ein Yara-Sensor schlägt mit ungefähr 26.000 Euro zu Buche, für Betriebe mit weniger als 100 Hektar lohnt sich das nach verbreiteter Einschätzung in der Agrarbranche kaum.

Die Bauern verstreuen ohnehin heute deutlich weniger Stickstoff als noch zur Zeit der Wiedervereinigung. Nach Daten des Industrieverbands Agrar sank der Verbrauch an Stickstoffdünger zwischen der Saison 1989/90 und der Saison 2014/15 um beinahe 300.000 Tonnen.

Dennoch verfehlt Deutschland die europäischen Ziele für die Wasserqualität. Eigentlich wollten die EU-Mitgliedstaaten schon im Jahr 2015 einen ökologisch „guten Zustand“ ihrer natürlichen Gewässer erreichen. In Deutschland waren nach Angaben des Umweltbundesamtes aber nur sieben Prozent der Gewässer als gut oder sehr gut eingestuft. Eine Ursache dafür ist die Landwirtschaft.

Die neue Düngeverordnung soll helfen, das zu ändern. „Mit den neuen Regelungen zur Düngung wird sichergestellt, dass der Dünger bei den Pflanzen ankommt, aber nicht im Grundwasser“, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. „Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet, die Belastungen zu senken.“

Die technische Entwicklung umfasst übrigens mehr als Stickstoffsensoren. Die Bauern können - sofern sie das wollen und über entsprechende Mittel verfügen - ihre Äcker auch aus dem All beobachten lassen. „Unsere digitalen Lösungen reichen von der einfachen Düngebedarfsberechnung bis zur satellitengestützten Analyse von Ackerflächen“, sagte Baywa-Vorstandschef Lutz. Und so hat das Unternehmen im Mai 2017 eine Kooperation mit der europäischen Weltraumbehörde ESA vereinbart.

Quelle: FAZ.NET/dpa
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