Managerinnen-Barometer und EY

Der M-Dax ist fast ein reiner Männerindex

Von Tillmann Neuscheler
 - 17:11

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte in Höhe von 30 Prozent ist erfolgreich. Erstmals würden zahlreiche Unternehmen den Frauenanteil in ihrem Aufsichtsrat auch über das vorgegebene Minimum hinaus erhöhen. Das zeigt das Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) an diesem Mittwoch. In den Kontrollgremien der gut 100 Unternehmen in Deutschland, die seit 2016 an die Quote gebunden sind, sei der Frauenanteil bis Ende des Jahres 2017 auf durchschnittlich gut 30 Prozent gestiegen. Das seien fast drei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor.

Auf Vorstände und Geschäftsführungen, für die es in Deutschland bisher keine Quoten gibt, färbt dieser Trend jedoch nicht ab: Im Durchschnitt der umsatzstärksten 200 Unternehmen verblieb der Frauenanteil laut DIW bei etwas mehr als acht Prozent. Lediglich bei den Dax-Konzernen und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung habe er sich erhöht. In anderen Gruppen sei der Anteil der weiblichen Vorstände zurückgegangen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young). Während in die Vorstandsgremien der Dax-Konzerne immer mehr Frauen einziehen, sieht es in den Börsensegmenten darunter noch deutlich anders aus. 70 Prozent aller Dax-Unternehmen haben mindestens eine Frau im Vorstand, aber nur 16 Prozent aller Unternehmen im M-Dax. Auch im S-Dax (18 Prozent) und Tec-Dax (16,7 Prozent) hat sich in den vergangenen Jahren wenig getan. Insgesamt ist der Anteil der Frauen in den Vorstandetagen der 160 börsennotierten Unternehmen zum fünften Mal in Folge gestiegen. Zum Jahreswechsel arbeiteten erstmals 50 Frauen in den Vorstandsetagen der 160 Dax-, M-Dax-, S-Dax- und Tec-Dax-Unternehmen. Das sind 7 mehr als vor einem Jahr. Den Frauen sitzen in den Gremien allerdings 636 Männer gegenüber.

Deutlich gestiegen ist der Frauenanteil in den vergangenen Jahren lediglich im Dax, dessen Unternehmen am stärksten im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen. Der Frauenanteil in den Dax-Vorstandsetagen lag im Jahr 2005 noch bei rund 1 Prozent, inzwischen ist er auf rund 13 Prozent gestiegen, und es geht weiter bergauf: Von den im vergangenen Jahr neu berufenen Dax-Vorständen waren sogar rund 30 Prozent weiblich. In der zweiten und dritten Börsenliga aber stagniert der Frauenanteil auf deutlich geringerem Niveau, im S-Dax liegt er zum Jahreswechsel bei 5,4 Prozent, im Tec-Dax bei 5,3 Prozent und im M-Dax lediglich bei 4,4 Prozent. Die Quoten haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, lagen zeitweise sogar höher als heute.

Die Studienautoren bewerten den Fortschritt daher insgesamt als ernüchternd: „Der Weg von Frauen in die Führungsspitzen der Unternehmen bleibt leider oft mühsam und steinig“ sagt EY-Partnerin Ulrike Hasbergen. Daran habe sich trotz freiwilliger Quoten und öffentlicher Debatten wenig geändert. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandgremien weiterhin so langsam steige wie im vergangenen Jahr, werde es bis zum Jahr 2038 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sei, heißt es in der Untersuchung. Das müsse deutlich schneller gehen. Die gesetzlich verbindliche Frauenquote in den Aufsichtsräten habe gezeigt, dass „Ausreden nicht mehr zählen“. Es gebe genügend Frauen, die für die Spitzenposten geeignet seien. Wenn sich in den Vorstandsgremien weiterhin so wenig ändere, sei es „nur eine Frage der Zeit, bis wir auch dafür eine gesetzliche Quote bekommen“.

So sieht das auch DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst: „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ohne Druck und drohende Sanktionen offensichtlich fast nichts vorangeht“.

Wie schwer sich Frauen beim Aufstieg tun, zeigt auch ein Blick auf die obersten Chefposten. Noch immer hat es keine einzige Frau auf den Vorstandsvorsitz eines Dax-Konzerns geschafft. Auch in der zweiten und dritten Börsenliga sieht es kaum besser aus. Lediglich zwei S-Dax-Unternehmen (Hamburger Hafen sowie DIC Asset) und zwei Tec-Dax-Unternehmen (Medigene sowie GFT Technologies) werden derzeit von Frauen geführt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Neuscheler, Tillmann (tine.)
Tillmann Neuscheler
Redakteur in der Wirtschaft.
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