Neuartige Mastanlage

Schweinezucht im Hochregal

Von Jan Grossarth
 - 14:43

Einst lebten die meisten Tiere in Wäldern, später auch in Ställen, seit einigen Jahrzehnten nicht selten in modernen Mastanlagen. Aber es geht noch moderner. Ein Unternehmen aus den Niederlanden optimiert die Fabrikfertigung von Tieren. Seine Ingenieure dachten sich: Warum nicht auch nach oben wachsen? Das könnte auch dazu beitragen, dass die Tiermast nicht mehr so große Flächen verbraucht, womöglich gar vom Land in urbane Ballungsräume verlagert wird. Und tatsächlich: Das Ferkel und das Mastschwein gibt es nun aus dem Hochregal.

Die Nutztiere fressen und wachsen hier in übereinander gelagerten weißen Plastikboxen statt - wie derzeit üblich in der konventionellen Mast - auf Betonspaltenböden oder Gummimatten in Masthallen, die mittels Trennwänden in viele Boxen unterteilt sind. Diese Boxen lassen sich mit Schippers’ hochmodernem Produktionssystem „Hy Care Stall“ in die Höhe stapeln.

Das Unternehmen MS Schippers BV verweist auf die vortrefflichen Hygienewerte dieser Haltungssysteme: Bakterien dringen kaum mehr von Schweinegruppe zu Schweinegruppe, die Reinigung der Boxen nach der Schlachtung der Tiere sei einfach und wassersparend, der Antibiotikaverbrauch reduziere sich um mehr als 90 Prozent. Denn in den üblichen Ställen müssen Landwirte alle Tiere behandeln, wenn eine Krankheit ausbricht - hier aber genügt es, die Gruppe medikamentös zu therapieren. Der geringere Wasserverbrauch führe zu weniger Gülle.

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Schweinezucht im Hochregal: Eine neuartige Mastanlage soll so manchen Vorzug haben

Der Hersteller aus Bladel bei Eindhoven ist bemüht, weitere Vorteile des Hochregallagersystems herauszustellen. Die Tiere seien keiner Zugluft ausgesetzt. Sauen hätten 15 Zentimeter Freiraum nach vorn und hinten. Leicht möglich ist die computergestützte Erfassung der Gewichtszunahme und Kontrolle der Tieraktivitäten mittels einer Kamera. Die Behandlung der Tiere, die auf Knopfdruck per Fahrstuhl nach unten befördert werden, sei präziser möglich.

„Die Plattform beinhaltet zwei Behandlungsbereiche, auch Zahnarztstühle genannt“, erklärt der werbende Ingenieur des Unternehmens auf dem Unternehmensfilm. Ein Transportroboter „Obelix“ und ein Transportzubringer namens „Asterix“ lassen die Ferkel- und Schweinegruppen auf und ab fahren. „Der Rechner verfolgt alles“, sagt der Ingenieur im Werbefilm.

Ferkel in Kunststoffboxen

Die weißen Kunststoffboxen, 2,60 Meter mal 1,90 Meter groß, lassen sich maschinell kippen. Dann purzeln alle Ferkel in eine Ecke. Der Arzt kann sie leichter impfen, ihre Schwänze abschneiden oder die Zähne schleifen, damit sie einander nicht verletzen. Die Hygiene ist sehr gut. Die Tierhalter desinfizieren ihre Hände stets. Jede Woche kommt die Plastikbox in die Waschanlage. Darin überlebt kein Keim.

Die Abferkelbuchten werden, nachdem die Sauen künstlich geschwängert wurden, in einen zentralen Abferkelraum gefahren. Am fünften Tag des Lebens der bald geborenen Ferkel fährt der Container automatisch in eine sogenannte Laktationsabteilung. Hier stehen die Container im Testbetrieb in zwei Etagen übereinander, aber MS Schippers betont, dass für die wirtschaftliche Nutzung des Produktionssystems der Ausbau in größere Höhen möglich sei. Nach 28 Tagen ziehen die Ferkel in einen Flachdachcontainer um.

Wird sich die Produktionstechnik durchsetzen? Ab einer Bestandsgröße von 1000 Sauen sei der Einbau lukrativ, meint MS Schippers. Allerdings ergaben Besuche in der Versuchsanlage, dass das Hochregallager „gemischte Gefühle“ ausgelöst habe. Bauern fürchten, die Tiermastfabrik mache sie überflüssig.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Grossarth, Jan (jagr.)
Jan Grossarth
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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