K+S

Wieder sahnt ein Vorstand zum Abschied ab

Von Klaus Max Smolka
 - 20:57

Der Bergbaukonzern K+S versüßt ausscheidenden Vorständen den Abgang mit Millionen. Vorstand Otto Lose, der im November nach elf Monaten aufgab, hat nach Berechnungen der F.A.Z. zum Abschied mehr als 3,1 Millionen Euro für weitere gut zwei Jahre erhalten. Damit hat der 2017 gekommene und gegangene Manager noch mehr eingestrichen als die Vorstandskollegen, welche in den Jahren zuvor bei K+S vorzeitig ausgeschieden waren.

Die Zahlungen dürften Mitarbeiter verärgern, denen der M-Dax-Konzern in den vergangenen Jahren einiges zumutete. Unter anderem mussten sie das Sparprogramm „Fit für die Zukunft“ mittragen, in dessen Rahmen Führungskräfte 2016 auf Boni verzichteten. Auch die Aktionäre – die den Wert ihrer Papiere in den vergangenen Jahren dahinschmelzen sahen – haben Grund, sich zu grämen.

Schon bei der Ankunft herrschte Verwunderung

Gerade Loses Abgang wirft gravierende Fragen auf. Schon bei seiner Ankunft wunderten sich Kenner: Der Manager kam als weitgehend unbeschriebenes Blatt von der Römheld & Moelle Eisengießerei. Zu Anfang 2017 berief K+S ihn – nach langer Suche – zum Vorstand mit Verantwortung für die Sparte „Kali- und Magnesiumprodukte“. Im weiteren Jahresverlauf bastelte K+S an einer neuen Konzernstrategie. Dabei wurden die bisher zwei Geschäftsfelder auf vier neue Einheiten aufgeteilt; „Kali- und Magnesiumprodukte“ verschwindet in der jetzigen Form. K+S stellte Loses Abgang damit in Zusammenhang, als es Ende November mitteilte: Lose gehe mit sofortiger Wirkung, „vor dem Hintergrund der neuen Unternehmensstruktur“.

K+S

-- -- (--)
  • 1T
  • 1W
  • 3M
  • 1J
  • 3J
  • 5J
Zur Detailansicht

Aber das erscheint unplausibel: Zum einen entfällt mit dem Umbau auch der andere bisherige Geschäftsbereich („Salz“); dessen Verantwortlicher Mark Roberts macht im Vorstand künftig als „Chief Operating Officer“ weiter. Zum Zweiten – und schwerwiegender – stellte sich auf Nachfragen bald heraus, dass der Neuzuschnitt erst lange nach der Ankündigung und damit nach Loses Abgang überhaupt wirksam wird: nämlich im kommenden Jahr. Bis Herbst 2018 wolle das Unternehmen das Feinkonzept erarbeitet haben, sagte Vorstandsvorsitzender Burkhard Lohr bei der Bilanzpressekonferenz im März, und: „Die neue Organisation soll dann bis Mitte 2019 eingeführt sein.“ Entsprechend bildet K+S von 2019 an die neuen Segmente im Berichtswesen ab, wie ein Sprecher am Freitag weiter erläuterte. Ende 2019 wäre Loses Vertrag ausgelaufen.

Statt den Umbau zu begleiten, hat Lose sein Geld nun einfach so erhalten – als Restauszahlung seines Vertrags, also für zwei Jahre und etwas mehr als einen Monat. Das gut 3,1 Millionen Euro schwere Paket lässt sich anhand von Angaben in einer Fußnote im neuen Geschäftsbericht errechnen: als Addition von 875.000 Euro an Fixgehältern, zusammengenommen 889.200 Euro variabler Vergütung, 100.000 Euro pauschaler Abgeltung langfristiger Anreizprogramme und 1,27 Millionen Euro Versorgungsaufwand. Als Kleinigkeit kommen noch 2300 Euro an Nebenleistungen hinzu. K+S bestätigt die Rechnung und betont, die Zahlungen orientierten sich an den transparenten Finanzkennzahlen der K+S-Gruppe und seien vertraglich verbindlich festgelegt. Sie seien zudem im Vergleich mit Wettbewerbern von üblicher Größenordnung.

Lose ist nicht der erste Fall

Kenner sagen, dass Lose wegen mangelnden Formats gehen musste. Er galt als blass. K+S weist die Einschätzung als „nicht nachvollziehbar“ zurück. Loses Handschlag ist deswegen so besonders edel vergoldet, weil die Restlaufzeit des Vertrages länger ausfällt als in vorangegangenen Fällen. Sein Abgang ist nämlich nicht die erste vorzeitige Trennung. Viele Jahre hatte K+S beständige Personalpolitik betrieben. 2011 überraschte dann der Abschied des Finanzvorstands Jan Peter Nonnenkamp, der von Knorr-Bremse gekommen war und fünf Monate vor Vertragsende abtrat. Seine Ansprüche aus der Restlaufzeit auf Festgehalt, Tantiemen und anderes addierten sich nach F.A.Z.-Recherchen auf Basis eines Geschäftsberichts auf etwa 1,7 Millionen Euro. K+S will das nicht kommentieren.

Dann der Abgang von Andreas Radmacher. Ihn hatte das Unternehmen im Jahr 2013 von RWE geholt, wo er Türkei-Chef gewesen war. Radmacher war Loses Vorgänger, verantwortete also das Kali- und Magnesiumgeschäft. Er stritt dem Vernehmen nach mit den damaligen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden, Norbert Steiner und Ralf Bethke, darüber, wie der Konzern auf die informelle Übernahmeofferte des kanadischen Konkurrenten Potash reagieren sollte. K+S kommentiert das nicht. 2016 verließ Radmacher sechs Monate vor Vertragsende das Unternehmen und erhielt zum Abschied gut 1,6 Millionen Euro – wobei darin allerdings 648.000 Euro wegen eines zweijährigen Wettbewerbsverbots enthalten sind. K+S bestätigt die Berechnung.

Eigentlich zahlt K+S moderat

K+S gehört im Börsensegment M-Dax zu den moderat zahlenden Konzernen; eine Rangliste der Beratungsgesellschaft hkp zur Gesamtvergütung der Vorstandsvorsitzenden etwa siedelte den Konzern aufgrund der jüngsten verfügbaren Daten 2016 im unteren Drittel an. Aber vergoldete vorzeitige Abgänge wie diese trüben das Bild – und sie verursachen Unmut in der Öffentlichkeit. Diese Woche wurde bekannt, dass der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer seinem abgetretenen Vorstandschef nach nur fünf Monaten im Amt 4,1 Millionen Euro an Restauszahlung und Abfindung gewährte. Der abgelöste VW-Chef Matthias Müller könnte nach Schätzung von Vergütungsberatern nach zweieinhalb Jahren zum Abschied bis zu 20 Millionen Euro bekommen.

Video starten

„Vermögensaufbau“Immer reichere Reiche?

Im Fall K+S fällt auf, dass alle drei Manager – Nonnenkamp, Radmacher, Lose – von außen geholt wurden, und zwar in der Zeit Bethkes und Steiners. Die Trennung von Lose fällt allerdings schon in die Verantwortung des Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Kreimeyer, der im Mai von Bethke übernahm. Kreimeyer ist ein prominenter Manager der deutschen Industrie: ein früherer BASF-Vorstand, der mal Aspirant auf den Vorstandsvorsitz beim Ludwigshafener Weltmarktführer der Chemie war; K+S gehörte früher zu BASF.

Nie offiziell ans Licht gekommen sind Vorgänge um einen anderen K+S-Vorstandskandidaten. Als das Unternehmen den Nachfolger für Radmacher suchte, soll man sich nach Aussage von Kennern schon mit Hilmar Rode geeinigt haben, früher Manager bei den Bergbaukonzernen BHP Billiton und Glencore. Zwei Unternehmenskenner sagen sogar, Rode habe eine Zahlung erhalten: entweder – so die eine Version – als Entschädigung dafür, dass die Personalie trotz Vertraulichkeitsklausel in der Bergbaubranche durchgesickert sei; oder – so die andere Version – weil der hoch impulsive Bethke Rode ohne Abstimmung mit anderen Aufsichtsräten vorschnell Zusagen gemacht habe. Vorstandschef Lohr wies das kürzlich zurück: „Er hatte nie ein Vertragsverhältnis mit uns“, sagte Lohr der F.A.Z. am Rande der Bilanzpressekonferenz. Und: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da Geld geflossen ist.“

Quelle: F.A.Z.
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenK+SOtto groupMDAX