Ritter Sport

Stiftung Warentest droht neue Pleite

Von Henning Peitsmeier
 - 13:49

Ist die Stiftung Warentest zu weit gegangen, als sie behauptete, der Schokoladenhersteller Ritter Sport verwende für seine Sorte „Voll-Nuss“ ein chemisch hergestelltes Aroma? Und war die Note „mangelhaft“ in dem Warentest ein zu hartes Urteil? Das Oberlandesgericht München äußerte am Dienstag in dem Prozess um eine einstweilige Verfügung gegen die weitere Veröffentlichung des Testberichts große Zweifel.

Die Vorsitzende Richterin Eva Spangler sprach von einer „unzulässigen Verzerrung“ und einem „falschen Gesamtbild für den Durchschnittsleser“. Damit schloss sich das Oberlandesgericht in einer ersten Bewertung dem Urteil des Landgerichts München an. Dort sei „im Ergebnis mit den erforderlichen Klarstellungen schon richtig entschieden“ worden, sagte Spangler. Ein Urteil stellte sie für „nicht vor 15 Uhr“ in Aussicht.

In dem Berufungsverfahren, das die Stiftung Warentest angestrengt hatte, wurde um Formulierungen gestritten. Es sollte nicht geklärt werden, ob der von Ritter Sport verwendete Aromastoff Piperonal natürlich oder vollsynthetisch hergestellt wurde. Viel mehr ging das Gericht der Frage nach, ob die Stiftung Warentest in ihrer Berichterstattung den „Boden einer sachlich gerechtfertigten Kritik“ überschritten habe, wie es das Landgericht in einem ersten Urteil im Januar bemängelt hatte.

Natürliches Aroma oder nicht?

Die Stiftung Warentest hatte der Voll-Nuss-Schokolade im November vergangenen Jahres die Note „mangelhaft“ gegeben, weil nach Überzeugung der Tester ein chemisch hergestelltes Vanille-Aroma anstelle des versprochenen natürlichen Vanille-Aromas eingesetzt worden sei. Ritter Sport hatte dagegengehalten, dass der Zulieferer versichert habe, dass Aroma stamme aus einer natürlichen Quelle.

Das Oberlandesgericht stellte klar, dass ein Verbraucher, der Wert auf eine gesunde Ernährung lege, durch die Bewertung davon abgehalten werde, die Schokolade zu kaufen. Dabei hätten die Warentester aber selbst gar nicht den chemischen Nachweis erbracht, ihr Urteil beruhe lediglich auf einer Schlussfolgerung. Die Stiftung Warentest hätte nur den Verdacht gehabt, dass das Piperonal künstlich hergestellt worden sei – zu wenig für ein „mangelhaft“, stellte das Oberlandesgericht fest.

„Dieser Fall stinkt zum Himmel“, fand der Anwalt der Stiftung Warentest deutliche Worte. Er appellierte an die Presse- und Meinungsfreiheit. „Die Stiftung Warentest ist Presse und nicht die amtliche Lebensmittelüberwachung“, sagte der Anwalt der Institution, die in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Die Stiftung Warentest könne nur Schokolade kaufen und testen, sie sei keine mit Hoheitsbefugnissen ausgestattete Behörde, die aus einem laufenden Produktionsbetrieb Proben beschlagnahmen könne um anschließend einen chemischen Beweis zu führen.

Dagegen fühlten sich die Anwälte des Schokoladenherstellers aus dem schwäbischen Waldenbuch bestätigt in ihrer Auffassung, die Stiftung hätte die Konsumenten getäuscht. Ganz nebenbei: Eine Gesundheitsgefährdung bestand für den Schokoladenkäufer der Ritter-Sport-Tafel „Voll Nuss“ zu keinem Zeitpunkt.

Quelle: FAZ.NET
Henning Peitsmeier - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Henning Peitsmeier
Wirtschaftskorrespondent in München.
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